Loch im China-Handel verschärft Japans Abschwung

21. November 2012, 18:10
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Die Ausfuhren in die Volksrepublik fielen infolge des Gipfelstreits doppelt so stark wie die Gesamtexporte

Tokio - Der Inselstreit mit China und die Schuldenkrise in Europa drohen die Exportnation Japan in eine neue Rezession zu stürzen. Die Unternehmen verkauften im Oktober bereits den fünften Monat in Folge weniger ins Ausland. Der Rückgang fiel mit 6,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat überraschend stark aus, teilte die Regierung in Tokio mit. Von Reuters befragte Ökonomen hatten lediglich ein Minus von 4,9 Prozent erwartet.

Die Exporte nach China - dem wichtigsten Kunden - brachen sogar um 11,6 Prozent ein. Grund dafür sind die Boykottaufrufe in der Volksrepublik gegen japanische Waren. Japan hatte zwei Inseln im ostchinesischen Meer von zwei Privatleuten gekauft und damit China brüskiert, das ebenfalls Ansprüche erhebt. Die Auto-Exporte brachen deshalb um satte 82 Prozent ein.

Minus 20 Prozent bei Ausfuhren nach Europa

Die Ausfuhren nach Europa gingen wegen der Rezession in vielen Euroländern um mehr als 20 Prozent zurück. Das war bereits das 13. Minus in Folge. Dagegen wuchsen die Geschäfte in den USA um 3,1 Prozent. Die Exportnation wies im Oktober bereits den vierten Monat ein Handelsdefizit aus. Das spricht Experten zufolge für einen erneuten Rückgang des Bruttoinlandsproduktes im vierten Quartal. Da es bereits zwischen Juli und September um 0,9 Prozent zurückgegangen war, würde Japan damit wieder in der Rezession stecken. Damit wächst der Druck auf die Notenbank, mehr für die Stimulierung der Wirtschaft zu tun. Die in den Umfragen zur Parlamentswahl im Dezember vorn liegenden Liberaldemokraten (LDP) wollen der Zentralbank ein Inflationsziel von zwei Prozent vorschreiben, um sie zu einer aggressiveren Lockerung ihrer Geldpolitik zu zwingen.

Zudem erwäge die Partei Gesetzesänderungen, um die Unabhängigkeit der Währungshüter zu reduzieren, wurde verlautbart. "Wir werden eine neue Wachstumsstrategie einführen, um die Wirtschaft zu stimulieren und den anhaltenden Anstieg des Yen und die Deflation zu beenden", sagte der LDP-Spitzenkandidat und mögliche neue Ministerpräsident Shinzo Abe. "Wir werden außerdem eine geldpolitische Lockerung anstreben, die über die Anti-Deflations-Maßnahmen hinausgehen, die wir in unserer Regierungszeit beschlossen hatten."

Die Spekulationen um die Lockerung der Geldpolitik wirkten sich prompt am Devisenmarkt aus. Der Euro hat am Mittwoch zum Yen kräftig zugelegt. Die Gemeinschaftswährung kletterte in der Spitze auf 105,64 Yen von 104,67 Yen am Vorabend. Damit notierte der Euro zur japanischen Währung so hoch wie zuletzt Anfang Mai des Jahres. (Reuters, red, DER STANDARD, 22.11.2012)

  • Am Containerhafen in Tokio ist derzeit nicht allzu viel los. Die japanischen 
Exporte sind neuerlich drastisch gesunken.
    foto: epa/franck robichon

    Am Containerhafen in Tokio ist derzeit nicht allzu viel los. Die japanischen Exporte sind neuerlich drastisch gesunken.

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