Scharfe Kritik an Nein zu anglikanischen Bischöfinnen

21. November 2012, 17:08
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Scheidender Primas: Kirche hat damit eine Menge Glaubwürdigkeit verloren

London - Nach dem Nein der Generalsynode (Legislative) der anglikanischen Kirche von England zur Zulassung von Frauen zum Bischofsamt ist der scheidende Primas, Erzbischof Rowan Williams von Canterbury, hart mit dem Kirchenparlament ins Gericht gegangen. Die Kirche von England habe damit "eine Menge Glaubwürdigkeit verloren", sagte Williams am Mittwoch vor den Delegierten in London laut Kathpress. Man könnte meinen, sie sei "absichtlich blind" gegenüber modernen Bedürfnissen und Prioritäten. Die interne Diskussion sei "weiten Teilen der Gesellschaft nicht vermittelbar". Zugleich warnte der Primas vor einer nun folgenden gegenseitigen Abrechnung.

Ein Sprecher des britischen Premierministers David Cameron zeigte sich unterdessen enttäuscht über das Votum. Cameron halte die Zulassung von Bischöfinnen für richtig. Es handle sich aber um eine Entscheidung der Kirche. Gleichstellungsministerin Maria Miller sagte laut dem Sender BBC, das Votum zeige, dass die anglikanische Kirche "hinter der Zeit zurück" sei.

Ein Drittel des anglikanischen Klerus in England ist inzwischen weiblich. Die Staatskirche hatte sich Anfang der 90er Jahre mithauchdünner Mehrheit für eine Zulassung von Frauen zum Priesteramt entschieden. Seitdem spaltet die Frage über die Zulassung zum Bischofsamt den liberalen und den konservativen Kirchenflügel.

Die Abstimmung über die Bischöfinnen galt auch als Autoritätstest für den designierten künftigen Erzbischof von Canterbury und Primas Justin Welby. Er hatte sich ebenso wie Amtsinhaber Williams unmittelbar vor der Abstimmung für die Zulassung ausgesprochen. Welby sprach über Twitter von einem "sehr bitteren Tag".

Auch die Nummer zwei der anglikanischen Hierarchie, Erzbischof John Sentamu von York, äußerte sich am Mittwoch im Gespräch mit BBC enttäuscht. Es werde jedoch "noch zu meinen Lebzeiten Bischöfinnen in der Kirche von England geben", so Sentamu. Im Prinzip sei dies schon von der Mehrheit der Synode und von allen Diözesen gebilligt. Synodenmitglied Christina Reed wird von der BBC mit den Worten zitiert, das Haus der Laien habe "die gesamte Kirche von England verraten".

Den Ausschlag, dass knapp nicht die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit in allen drei Kammern des Kirchenparlaments pro Frauen als Bischöfinnen am gestrigen Dienstag zustande kam, gaben Laienvertreter.

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