Kongolesische Rebellen rücken weiter vor

21. November 2012, 17:04
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Drohungen gegen die Regierung in Kinshasa - Gerüchte über geplante Rückeroberung der Stadt Goma durch das Militär

Kinshasa/Kampala - Die Rebellenbewegung M23 weitet ihren Einflussbereich im Osten der Demokratischen Republik Kongo (DRC) ohne größere Kämpfe weiter aus. Nach der Einnahme der Stadt Goma übernahmen die Milizen nach Angaben des kongolesischen Radiosenders Okapi am Mittwoch auch in der Stadt Sake 30 Kilometer westlich die Kontrolle. Die Regierungstruppen zogen sich demnach in der Nacht weiter nach Westen zurück. Erstmals wurden Zahlen über Opfer der Kämpfe bekannt: Etwa 80 Soldaten der kongolesischen Armee seien verwundet worden, berichtete Radio Okapi. Das Rote Kreuz berichtete von mehreren verwundeten Zivilisten in Goma.

Rebellenführer versprachen der Bevölkerung in der 500.000 Einwohner zählenden Stadt Goma, umgehend Recht und Ordnung wieder herzustellen. Vor vielen tausend Menschen im Stadion der Stadt drohten M23-Sprecher der Zentralregierung in Kinshasa, das "ganze Land zu befreien".

Gerüchte über Rückeroberung der Stadt Goma

Ein Sprecher forderte die Kongolesen auf, "gemeinsam gegen die Regierung zu kämpfen", wie der lokale Chef der deutschen Caritas, Abbe Aswald Musoni, der Nachrichtenagentur dpa berichtete. Während die Rebellen die Bürger dazu aufriefen, zu ihren normalen Tätigkeiten zurückzukehren, gebe es Gerüchte, die reguläre Armee bereite sich auf eine Rückeroberung Gomas vor. Am Mittwoch blieb es in der Region nach den heftigen Gefechten der Vortage vergleichsweise ruhig.

Der Krisengipfel in der ugandischen Hauptstadt Kampala brachte bis zum Mittwochnachmittag keine Ergebnisse. Die Gespräche zwischen DRC-Präsident Joseph Kabila, Ruandas Präsident Paul Kagame und Ugandas Präsident Yoweri Museveni waren am Dienstag aufgenommen worden. Kinshasa beschuldigt Ruanda und Uganda, die Rebellen im Osten des Landes zu unterstützen.

Das US-Außenministerium forderte in einer Stellungnahme die Nachbarstaaten auf, ihren Einfluss für eine friedliche Lösung des Konflikts geltend zu machen. Der UN-Sicherheitsrat drohte in einer am Dienstagabend verabschiedeten Resolution den Rebellenanführern mit Sanktionen. Die M23 wurde aufgefordert, sich sofort aus der Stadt Goma zurückzuziehen.

UN verurteilt Unterstützung der Rebellen

Die Resolution des UN-Sicherheitsrats verurteilt auch jegliche Unterstützung der Rebellion aus dem Ausland, ohne Ruanda oder Uganda namentlich zu erwähnen. Nach Einschätzung von UN-Experten unterstützen beide Länder die Rebellen, was Kigali und Kampala jedoch bestreiten. Dafür, dass Ruanda den jüngsten Vormarsch der Rebellen auf Goma unterstützte, hatten die Experten jedoch keine direkten Hinweise. Allerdings habe sich gezeigt, dass die Rebellen in den vergangenen Tagen in ihrem Kampf gegen UN-Soldaten und kongolesische Einheiten "gut ausgerüstet" gewesen seien.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch kritisierte die Resolution als nicht scharf genug gegenüber Ruanda. Es hätten die ruandischen Führungspersönlichkeiten genannt werden müssen, die von Anfang an von den Gräueltaten der M23-Rebellen gewusst und diese gedeckt hätten, sagte der HRW-UNO-Fachmann Philippe Bolopion.

Der britische Afrika-Staatssekretär im Außenministerium, Mark Simmonds, wollte am Mittwoch überraschend für drei Tage in die Region reisen. In Uganda, Ruanda und in der DRC will er beitragen, die Krise zu beenden, Hilfe für die Zivilbevölkerung zu ermöglichen und einen langfristigen Stabilisierungsplan auf den Weg zu bringen, so das Außenministerium in London. Er sei "tief besorgt", sagte Simmonds.

Zehntausende Menschen bereits geflohen

Nach schweren Kämpfen gegen die Regierungstruppen hatte die Rebellenbewegung M23 Goma erobert. Zehntausende Menschen haben seit Beginn der jüngsten Auseinandersetzungen am vergangenen Donnerstag die Flucht ergriffen. Hilfsorganisationen berichten von der Rekrutierung von Kindersoldaten. Die UN-Friedenstruppen vor Ort griffen bei den Gefechten um Goma nicht ein.

In der M23-Miliz sind ehemalige kongolesische Tutsi-Rebellen zusammengeschlossen, die infolge eines Friedensabkommens zwischenzeitlich in die Armee eingegliedert wurden. Aus Protest gegen ihre schlechten Lebensbedingungen verließen die M23-Mitglieder das Militär jedoch wieder und erhoben die Waffen gegen die Regierung. Die Regierung in Kinshasa lehnt bisher Verhandlungen mit den Rebellen ab. (APA, 21.11.2012)

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