Musik in der Epoche des Rasens

21. November 2012, 17:58
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Komponist Christof Dienz über das von ihm kuratierte neue Festival "FM Riese"

Wien - Der Tiroler Christof Dienz hat in diversen Musikszenen schon einige interessante Runden gedreht: Der Fagottist und Komponist war an der Wiener Staatsoper im Orchestergraben tätig. Durchaus in bewundernder Erinnerung ist seine Arbeit mit der Formation Die Knödel. Und besonders in Erinnerung, weil das mit Dienz' Gegenwart zu tun hat, ist seine Auseinandersetzung mit der Zither. Diesem altehrwürdigen Instrument hat Dienz eine moderne Note verliehen. Seine Klänge bewirkten eigentlich eine Neudefinition des Instrumentes.

Nun hat Dienz ein wenig die Seite gewechselt, sein Betätigungsfeld ausgeweitet: Aus dem Künstler, der mit Veranstaltern zu tun hat, wurde ein Festivalmacher, der zwar nicht "darauf achten muss, dass für die Musiker genug Bier im Eiskasten ist. Aber ich muss natürlich dafür sorgen, dass alle Instrumente da sind, muss mit den Künstler Kontakte aufbauen, Verträge abschließen und Gagen aushandeln."

Kurzum: Mit dem neuen Forward Music Festival der Swarovski Kristallwelten hat Christof Dienz nun Einblicke in die Arbeit jener Leute, die er gemeinhin selbst davon zu überzeugen hat, ihn zu engagieren.

"Ja, es macht Spaß", so Dienz, "es kostet aber auch Zeit. Ich habe doch ein Jahr lang viel Zeit investiert, um das Programm zuwege zu bringen." Beim Brandt Brauer Frick Ensemble zum Beispiel: "Als ich es das erste Mal kontaktierte, hatte das Management Vorbehalte, weil das Festival ja ganz neu war. Es hat aber Monate gedauert, bis ich überhaupt eine Antwort bekommen habe. Und ich habe natürlich gute Gagen geboten, wie ich überhaupt natürlich versuche, anständige Honorare zu zahlen. Schließlich habe ich einen aus dem Ensemble anschreiben müssen, den ich kannte, um ihn zu bitten, mir Kontakte zum Management zu legen. Dadurch hat das auch schließlich geklappt."

Abseits des Mainstreams

Eigentlich sei ein Elektronikfestival vorgesehen gewesen. "Ich wollte das aber ausweiten und mich auf die Schnittstelle von Elektronik und Neue Musik konzentrieren. Reine Elektronik war ja vor 20 Jahren neu. Das Festival kreist nun eher um Musik, die aus der Konvention ausbricht - und dies in jede Richtung abseits des Mainstreams. Vladislav Delay etwa ist Elektroniker, er produziert aber einen ganz eigenen Sound, er mischt nicht einfach nur Stile. Das Brandt Brauer Frick Ensemble bringt Clubstilistik mit neuer Musik zusammen; die Sängerin Soap & Skin ist wiederum sehr eigenständig, emotional, steht ganz für sich. Und Radian machen eher sachliche, ganz vom Klang ausgehende Musik."

Die Musikszene sieht Dienz im Moment strukturell und damit auch ökonomisch - hier wechselt er wieder die Rolle, spricht als Künstler - weiterhin im heftigen Umbruch. "CDs gehen gar nicht mehr, es verkauft keiner mehr, außer er macht volkstümliche Musik oder Heavy Metal. Trotzdem muss man als Künstler CDs produzieren, das ist das Komische. Wenn du keine neue Einspielung hast, bist du zum Vergessen. Dann aber hast du nur ein halbes bis maximal ein Jahr, um sie zu verkaufen und in Konzerte zu verwandeln. Danach bist du Schnee von gestern. Man muss begreifen, dass die Zeit rast."

Besonders wichtig sei "ein guter Youtube-Auftritt, der total authentisch ist. Konzertmitschnitte auf Youtube bringen nicht viel, sind eher etwas für Veranstalter. Es reicht auch nicht, wenn du eine lässige Verpackung für die CD hast." Grundsätzlich müssen sich Musiker heute "etwas trauen, innovativ sein. Sie können sich nicht drauf ausruhen, einen guten Namen zu haben - und gute Musik allein ist zu wenig. Im Internet tritt man ja quasi gegen die ganze Welt an."    (Ljubisa Tosic, DER STANDARD, 22.11.2012)

 

22. bis 24. November, Swarovski Kristallwelten in Wattens, jeweils um 20.00

  • Nun Festivalleiter: Christof Dienz.
    foto: archiv

    Nun Festivalleiter: Christof Dienz.

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