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Mit der "Lizenz zum Töten" ausgestattet: Schädlingsbekämpfer.
Aus 204 Berufen können Jugendliche in Österreich derzeit wählen, wenn sie sich für eine Lehre entscheiden. Je nach Nachfrage werden dort entweder Zehntausende ausgebildet oder nur ganz, ganz wenige. In einigen Lehrberufen taucht gar eine Null in der Statistik auf, in anderen wie Schädlingsbekämpfer, Büchsenmacher oder Klavierbauer kann man die Anzahl der Lehrlinge an zwei Händen abzählen.
Laut AMS-Statistik werden hierzulande momentan 16.370 Einzelhandelskaufmänner/-frauen ausgebildet. Damit handelt es sich um den beliebtesten Lehrberuf in Österreich. Dieser ist weiblich dominiert, während die darauf folgenden Berufe im Ranking eher von männlichen Jugendlichen gewählt werden, nämlich Metall-, Elektro- sowie Kraftfahrzeugtechniker. Auch beliebt sind allseits bekannte Lehrberufe wie Bürokaufmann/-frau, Friseur, Koch, Maler oder Tischler.
Am anderen Ende der Statistik dominiert zuerst einmal die Zahl Null. 15 der 204 Berufe in der vom Wirtschaftsministerium festgelegten Lehrberufsliste können keinen Lehrling aufweisen. In einigen dieser Lehrberufe sind momentan nicht einmal Lehrbetriebe bei der Wirtschaftskammer registriert, beispielsweise bei Handschuhmachern oder Leichtflugzeugbauern.
In 42 Lehrberufen werden aktuell zehn oder weniger Lehrlinge ausgebildet. Die Gründe dafür sind unterschiedlicher Natur.
Der Lehrberuf Büchsenmacher zählt derzeit fünf Lehrlinge. Bei jeder vergebenen Lehrstelle müsse er etwa zehn Bewerbern absagen, sagt Lehrlingsbeauftragter Anton Weidinger von der Firma Waffen-Wanz aus Graz. Die Branche gebe einfach nicht mehr Ausbildungsplätze her, die Nachfrage sei gedeckt. Gelernt wird in diesem Beruf, wie man Jagd- und Sportwaffen herstellt, wie man sie wartet und repariert.
Weidinger ist natürlich klar, dass Waffen an sich in der Gesellschaft "verpönt" sind, doch hält er fest: "Wir bilden hier keine Rambos aus. Wer glaubt, hier das Schießen zu erlernen, liegt falsch." Lehrlinge bekommen keine schussbereiten Waffen in die Hand gedrückt, so Weidinger, vielmehr gehe es darum, die entsprechende Mechanik und Ballistik zu verstehen, das Feilen, Drehen und Schrauben mit größtmöglicher Genauigkeit zu erlernen.
Auch im Lehrberuf Klavierbauer gibt es mehr Bewerber als Ausbildungsplätze, momentan sind acht Lehrlinge in Österreich in Ausbildung. Einen davon bildet Gert Hecher in seinem Klavier-Atelier in Wien aus. Gerade in solch spezifischen Branchen sind Arbeitsplätze natürlich Mangelware, sagt Hecher, neben einigen kleinen Betrieben gibt es nur die Firma Bösendorfer, die in größerem Umfang ausbildet. Wer aber einen dieser begehrten Plätze ergattert, der wird nach seiner Ausbildung mit einem relativ sicheren Job belohnt.
Allerdings wird der Arbeitsplatz danach nur selten der Berufsbezeichnung gerecht. Die meisten Klavierbauer sind in den Bereichen Verkauf, Reparatur und Service tätig. Hauptsächlich bei Bösendorfer werden auch tatsächlich Klaviere gebaut.
Im Lehrberuf Schädlingsbekämpfer werden aktuell ebenfalls acht Lehrlinge ausgebildet, der Bedarf wird in den nächsten Jahren vermutlich steigen. Verantwortlich dafür sind zahlreiche neue Lebensmittelstandards, die in den letzten Jahren festgelegt wurden. Ob sich auch die entsprechenden Interessenten für diese Ausbildungsplätze finden, darf momentan noch bezweifelt werden. "Schädlingsbekämpfer haben einen sehr schlechten Status bei Jugendlichen. Das fängt ja schon mal damit an, dass das Wort Schädling in der Berufsbezeichnung vorkommt", sagt Gerhard Rottenmanner, Lehrlingsbeauftragter bei der Firma Hygienicum in Graz.
Rottenmanner spricht aus eigener Erfahrung, sein Lehrling ist sein Sohn, und der geht mit seinem Beruf nicht wirklich offen damit um: "Schädlingsbekämpfer gelten als uncool, deshalb sagt er das auch nicht jedem. Wir haben halt immer noch das Image eines Kammerjägers, dabei sind wir viel mehr als das."
Viel mehr als ein Kammerjäger, das bedeutet vor allem, dass bei den verwendeten Mitteln zur Schädlingsbekämpfung Faktoren wie Umwelt- und Tierschutz sowie klimatische Bedingungen verstärkt beachtet werden müssen. Ein entsprechendes Know-How im Bereich Chemie ist dafür Voraussetzung.
Aufgrund der veränderten Anforderungen an diesen Job und aufgrund der neuen Lebensmittelstandards wurde vor einigen Jahren der Lehrberuf Schädlingsbekämpfer installiert, die Berufsschule befindet sich in St. Veit. Davor wurden diese Tätigkeiten von Facharbeitern der Chemiebranche ausgeführt. Nach Absolvierung einer entsprechenden Prüfung konnte man sich als Schädlingsbekämpfungsmeister bezeichnen, dadurch, so Rottenmanner, erhielt man die "Lizenz zum Töten". Diese ergattert man eben nun durch den Lehrberuf Schädlingsbekämpfer. Das mag vielleicht cool klingen, bis der Job bei den Jugendlichen aber tatsächlich das Siegel "uncool" verliert, wird es vermutlich trotzdem noch etwas dauern.
Wie ein neuer Lehrberuf entsteht, oder wie ein Lehrberuf auch verschwinden könnte, darüber entscheidet der Bundes-Berufsausbildungsbeirat. Das ist ein sozialpartnerschaftlich besetztes Gremium, in dem auch das Wirtschafts-, das Unterrichtsministerium sowie die Berufsschullehrer vertreten sind. Vorschläge für einen neuen Lehrberuf bringen hier das Wirtschaftsministerium, die betroffene Branche durch die Wirtschaftskammer oder in manchen Fällen auch Arbeitnehmervertretungen wie Arbeiterkammer oder ÖGB zur Abstimmung ein.
Wird die Ausbildungsordnung des neuen Lehrberufs angenommen, so werden in einem weiteren Schritt die Rahmenlehrpläne für die Berufsschulen ausgearbeitet. Dies alles wird schließlich einem offiziellen Begutachtungsverfahren unterzogen und im letzten Schritt als Verordnung des Wirtschaftsministers erlassen. Jüngstes Beispiel dafür ist der Lehrberuf Gleisbautechniker.
Wenn ein Lehrberuf von der offiziellen Lehrberufsliste verschwindet, dann oft deshalb, weil mehrere Berufe in einem neuen verschmelzen. Zuletzt wurden etwa die Berufe Dreher, Metallbearbeiter und Werkzeugmaschineur im Lehrberuf Metallbearbeiter zusammengefasst.
Dass ein Lehrberuf gänzlich verschwindet, passiert eher selten. Eine Evaluierung könnte zum Beispiel stattfinden, wenn es zehn Jahre lang keinen Lehrling in einem Lehrberuf gab. Prominentes Beispiel für eine Streichung von der Liste ist übrigens der Lehrberuf Hufschmied. Er wurde in den 1970er Jahren abgeschafft, vor einigen Jahren aber wieder eingeführt. Den vielen Reitschulen sei Dank. (Kim Son Hoang, derStandard.at, 26.11.2012)
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Das kann nicht sein, dass es nur 5 Büchsenmacherlehrlinge in ganz Österreich gibt. Vielleicht in diesem einen Betrieb! Alleine in Ferlach gibt es sicher mehr als 5 Büchsenmacher, sowie die HTL, die Büchsenmacher ausbildet. Der Abschluss dieser Schule gilt als Lehrabschluss als Büchsenmacher. Diese Schüler werden wohl nicht mitgezählt. kA, ob die Büchsenmacher in Ferlach auch Lehrlinge ausbilden, ich vermute aber schon. 5 Lehrlinge sind jedenfalls sicherlich zu niedrig gegriffen.
Büchsenschäfter, Feilenhauer, Geschützgießer, Kandelgießer, Modelstecher, Briefmaler, Illuministen und Kartenmacher, Schinder, Züchtiger, Abdecker, Schausteller, nicht zuletzt der Hurenweibel, der Profoß und die Marketenderweiber.
Für die Pilze waren wohl die Kräuterweiberln zuständig und für diese wieder die Herren der Heiligen Inquisition...
nur eine, der vielen Möglichkeiten alte Berufe wieder eine Chance zu geben, z.B. Stellmacher, Karrossenbauer, Seiler, Sattler, usw. .......
Aber auch andere Freizeitaktivitäten halten vergessene Berufe am Leben.
Hoffentlich wird dass einmal von den Leuten Gewürdigt, nämlich mit Anerkennung und Respekt der Lehrberufe.
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