Muschis auf dem Land

21. November 2012, 16:58
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Die Fälle sind hier eher Vorwand, um die Folklore auf dem Lande ohne große Häme vorzuführen

Es heißt, die Provinz gebäre Monster. Dem wollte man nicht widersprechen, aber manche davon besitzen durchaus liebevolle Charakterzüge. Ein Sammelsurium von Charakteren der Provinz bietet die deutsche Krimiserie Mord mit Aussicht. Darin wird Caroline Peters als städtische Kriminalistin Sophie Haas in ein Kaff versetzt. Der Ort trägt den Namen Hengasch, und das klingt nicht zufällig wie "Hängarsch".

Doch während im wirklichen Leben in derlei Ortschaften der Hund begraben ist, muss für Hengasch Krimihandlung erdacht werden. Dass diese kauzig ausfällt, reicht so weit, dass manche Episoden den im Titel in Aussicht gestellten Mord erst gar nicht anbieten.

Dafür gibt es landschaftlich verantwortet immer hübsche Panoramen - so man Wiesen mit Tieren drauf etwas abgewinnen kann.

Die Folge Ein krummer Hund vom Dienstag war so eine, die ohne Mord ihr Auslangen fand. Zwar kam eine Person blutend zu Schaden, sie war jedoch angeheitert genug, um sich an die Umstände nicht näher erinnern zu können. Auf dem Land gibt's immer etwas zu feiern.

Im Mittelpunkt der Handlung stand der Diebstahl der Feuerwehrkasse, die, nach einer Veranstaltung prall gefüllt, die Anschaffung eines neuen Feuerwehrautos garantieren sollte.

Doch die Fälle sind hier eher Vorwand, um die Folklore auf dem Lande ohne große Häme vorzuführen. Zum Beispiel werden in Hengasch Freundinnen wie Katzen Muschi gerufen, ohne dass jemand die Braue hebt. Und natürlich werden am Ende die Fälle gelöst.

Der krumme Hund vom Dienstag war der schleimige Unsympathler. Keine Überraschung, aber okay.  (Karl Fluch, DER STANDARD, 22.11.2012)

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