Treibhausgas-Ausstoß entfernt sich immer mehr vom Soll

21. November 2012, 12:44
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Von wegen Senkung: Konzentration in der Atmosphäre um rund 20 Prozent angestiegen

London - Die Welt entfernt sich immer weiter von dem Ziel, die Erderwärmung rechtzeitig zu stoppen. Ohne einschneidende Maßnahmen sei ein Plan, die Temperatur auf ein Plus von maximal zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen, nicht erreichbar, heißt es in einem Bericht der UNO-Umweltbehörde UNEP, den sie am Mittwoch in London präsentierte. Unterdessen hat auch die Europäische Umweltagentur EEA einen Umweltbericht veröffentlicht und dabei ein ausgesprochen düsteres Bild für die Auswirkungen des Klimawandels in Europa gezeichnet.

Anstatt zu sinken, sei der globale Ausstoß an Treibhausgasen seit dem Jahr 2000 bereits um etwa 20 Prozent gestiegen, so die UNEP. Ohne massiven Umschwung zum Klimaschutz werde der Ausstoß an Treibhausgasen bis 2020 auf 58 Gigatonnen (Milliarden Tonnen) steigen, sagte UNEP-Exekutivdirektor Achim Steiner. Um das Zwei-Grad-Klimaziel zu halten, dürfe der Ausstoß bis dahin jedoch nicht mehr als 44 Gigatonnen betragen. Dafür müssten die Länder ihre im Zuge von UNO-Konferenzen vorgelegten lose versprochenen Absichtserklärungen stark erhöhen. Denn selbst, wenn die einzelnen Staaten ihre jeweils am weitesten gehenden Klimaschutzzusagen einhielten, bleibe bis 2020 eine Lücke von acht Gigatonnen.

Falls die nötigen Emissionsreduktionen bis 2020 nicht erreicht werden, würde ihre Umsetzung danach mindestens zehn bis 15 Prozent mehr kosten, betonen die 55 Forscher aus 22 Ländern in dem Bericht.

Noch ist es möglich

Dem UNEP-Bericht zufolge ist der angestrebte Rückgang der Emissionen mit bestehender Technologie jedoch immer noch erreichbar. Derzeit müssten noch keine neuen, teils unausgereiften Technologien wie etwa die umstrittene CO2-Speicherung zum Einsatz kommen. Die Forscher nannten einige wirtschaftliche Bereiche, darunter Verkehr und Bauwirtschaft, bei denen es in einigen Ländern bereits interessante technische Ansätze zur Emissionsreduktion gebe. Dort seien aber noch starke Sparmaßnahmen und Effizienzsteigerungen möglich.

Steiner lobte auch die weltweiten Investitionen in Höhe von insgesamt fast 260 Milliarden Dollar (202,98 Mrd. Euro) in erneuerbare Energien im vergangenen Jahr.

Der Bericht wurde im Vorfeld des 18. UNO-Klimagipfels vorgelegt, bei dem ab kommenden Montag in Doha (Katar) weiter über die Reduktion der Treibhausgase verhandelt werden soll. Nach Ansicht von Forschern drohen bei einem Temperaturanstieg von mehr als zwei Grad Celsius über den Wert vor der Industrialisierung unter anderem ein komplettes Abschmelzen des Grönlandeises sowie Dürren und Unwetter unbekannten Ausmaßes.

EEA-Report

Mit den Auswirkungen des Klimawandels auf Europa setzt sich der Report der EEA auseinander. Conclusio: Es wird heißer, gefährlicher, ungesünder und teurer. Hitzewellen, Hochwasser besonders im Norden Europas, höhere Meeresspiegel, aber auch sich auf die Gesundheit der Bevölkerung auswirkende Faktoren wie längere Pollensaisonen werden ihre Rolle spielen.

Die Veränderungen werden der EEA zufolge regional unterschiedlich sein. Mehr Niederschläge, aber weniger als Schnee, und damit öftere und schwerere Hochwasserkatastrophen werden im Norden Europas eine Rolle spielen. Der Süden des Kontinents muss hingegen vor allem im Sommer mit noch größerer Trockenheit und damit mit einer Ausdehnung der Waldbrandsaison rechnen. In Mittel- und Osteuropa könnten die großen Temperatur-Gegensätze eine Rolle spielen.

Die österreichische Umweltschutzorganisation Global 2000 rief die Industrienationen auf, ihren Treibhausgasausstoß zu verringern. "Die EU muss in Sachen Klimaschutz wieder eine Vorreiterrolle einnehmen und sich vor allem ambitioniertere Ziele stecken", betonte Johannes Wahlmüller, Klima- und Energiesprecher von Global 2000. "Lediglich 20 Prozent der Treibhausgasemissionen bis 2020 zu reduzieren, ist definitiv zu wenig, um die globale Erderwärmung unter zwei Grad halten zu können." Österreich habe keine gute Klimabilanz.

Das Zwei-Grad-Ziel

Auf dem Erdgipfel in Rio de Janeiro vereinbarten die Staaten 1992, den Ausstoß der Treibhausgase so zu begrenzen, dass sich "die Ökosysteme auf natürliche Weise den Klimaänderungen anpassen können" und "die Nahrungsmittelerzeugung nicht bedroht wird". Aus Sicht von Klimaforschern kann dieses Ziel erreicht werden, wenn die mittlere globale Temperatur nicht stärker als zwei Grad Celsius über den Wert vor der Industrialisierung steigt.

Andernfalls drohen nach Forscheransicht unter anderem ein komplettes Abschmelzen des Grönland-Eises sowie Dürren und Unwetter, wie sie die Zivilisation noch nicht erlebt habe.  (APA/red, derStandard.at, 21. 11. 2012)

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