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vergrößern 600x563Ab auf die Insel: STANDARD-Redakteurin Karin Riss übersiedelt mit Mann und drei Kindern nach UK. Die Nachbarskinder bleiben hier.
vergrößern 600x513Tetris einmal anders.
vergrößern 600x434Was ist wichtig? Bei dieser Frage gehen die Meinungen auseinander.
Jetzt sitze ich also in meinem neuen Stammcafé. Ja, ich habe bereits eines. Die Suche nach diesem Ort war eines der ersten Dinge, die ich hier in Winchester erledigen musste. Und in den etwas mehr als drei Wochen, die seit unserer Ankunft in Großbritannien vergangen sind, habe ich mir schon einige Cappuccinos und Carrot Cakes im Ginger Two schmecken lassen. Es war schnell klar, dass es dieses Café wird.
Es ist das einzige in der rund 41.000-Einwohner-Stadt, wo Kaffee auch wie Kaffee schmeckt. So viel zum Klischee der Teetrinkerinsel. Ich sitze an einem dieser riesigen viktorianischen Sprossenfenster, lese den Guardian oder höre den anderen Koffein-Addicts zu. Nicht weil ich neugierig bin. Aber man will ja schließlich Englisch lernen.
Kein Spaziergang
Um keinen falschen Eindruck zu erwecken: Die Entspannung hier im Ginger Two habe ich mir hart erarbeitet. So eine Übersiedlung ins Ausland ist kein Spaziergang. Vor allem nicht mit drei Kindern im Handgepäck.
Am Anfang war die pure Lust auf ein Auslandsabenteuer. Viele Jahre sind mein Mann Stefan und ich unseren Freunden in den Ohren gelegen, dass wir irgendwann einmal weg wollen. Am besten weit weg. Australien oder Kanada sollte es werden. Wäre schließlich beruflich sehr attraktiv für einen angehenden Chirurgen. Am Ende wurde es Winchester, und das kam trotz allem überraschend.
"Ich hab den Job!"
Als mein Mann sich Ende Juli für eine Reihe von Ausbildungsstellen im Ausland beworben hat, habe ich noch nicht viel Zeit darauf verwendet, was wäre, wenn er wirklich eine Zusage bekäme. Dafür war das Vorhaben zu surreal. Unsere sechsjährige Tochter Marlene würde im Herbst mit der Schule beginnen, Charlotte (4) und Konstantin (2) würden im Kindergarten und von Oma an jenen Tagen versorgt, an denen ich (Journalistin und Dreifachmutter) arbeite. So der Plan.
Das Leben hatte einen anderen Plan für mich - und meine Familie. Stefan wurde zum Interview in eine der renommiertesten Kliniken Englands eingeladen, Stefan rief mich an und sagte: "Ich habe den Job!" Arbeitsbeginn: 3. Oktober 2012, blieben also drei Monate für Organisation und Planung.
K for Koala
Bloß, wo anfangen? Am Tag darauf rufe ich einige Schulen durch, doch auch in England sind Ferien, und niemand wird sich vor September um die Schulzuteilung meiner Kinder kümmern. Also wende ich mich den Maklern zu. Ich kratze die Reste meines Schulenglisch zusammen und quäle mich durch die ersten Anrufe. Eine Bestätigungs-E-Mail bekomme ich nie zurück. Kann es am Buchstabieren liegen? "K for koala, A for apple, R for rice, I for ice cream, N for northpole", höre ich mich sagen, und ich kann die Fragezeichen am anderen Ende der Leitung schweben sehen.
Nächstes Immobilienbüro, nächster Versuch. Schön langsam baue ich mir ein solides Realitätenvokabular auf und ende schließlich mit zwei Terminvereinbarungen für Haus- und Wohnungsbesichtigungen. Bei allen anderen hieß es: "The landlord does not accept children!", was so viel bedeuted wie: "Kinder verboten!". How lovely!
Ohne Adresse geht nichts
Auch mein Mann ist aktiv - macht vier Besichtigungstermine, die wir für den Vorab-Organisationsflug Ende August fixieren. Was noch zu erledigen ist: ein Bankkonto eröffnen, sich durch viele Formulare für die Spitalsadministration wühlen, Gesundheitschecks und Leumundszeugnisse absolvieren. Den größten Druck verschafft uns die Immobiliensuche. Zu wissen, wir müssen uns hier und heute für eine Wohnung entscheiden. Denn ohne Adresse geht gar nichts: kein Bankkonto, auch keine Schule.
In Österreich ganz oben auf der To-do-Liste: Mieter für unser Haus finden! Außerdem zu erledigen: Kindergarten und Schule informieren, Post umleiten, Abschiedsparty feiern. Und, das Schwierigste: die Kinder in Vorfreude halten. Denn Marlene entpuppt sich als Schulfan. Und je länger sie ihre Fuchsklasse besucht, desto weniger will sie weg.
Mit ihren sechs Jahren weiß sie genau, dass ein Jahr eine lange Zeit sein kann. Und sie bereitet sich gut darauf vor: "Mama, ich möchte, dass Rosa noch einmal bei uns schlafen kann, weil ich vermisse sie jetzt schon." "Mama, wenn es mir in England nicht gefällt, dann soll mich die Omi wieder abholen, und ich wohne einfach bei ihr." Auch ihre Schwester Charlotte wurde instruiert: "Charlotte, wenn dich jemand fragt: ,Do you sprich English‘, dann musst du sagen: ,Yes.‘"
Die Quiche-Form bleibt da
Für die Übersiedlung der Kinder hatten wir uns fest auf meine Schwiegereltern verlassen. Sie sollten die drei nach England fliegen, während mein Mann und ich uns auf dem Landweg aufmachten. Wir füllten also unseren Mazda 5 mit den Essentials unseres Lebens. Wobei die Definition darüber, was im kommenden Jahr wichtig sein würde, stark auseinanderging.
Schlussendlich mussten meine Quiche-Form, Konstantins Roller und die Kiste mit den Zeichen- und Bastelsachen dann doch zu Hause bleiben. Trotzdem wurde es eng. Bei der Abfahrt hatte ich die Kaffeemaschine in meinem Nacken, meine Füße auf dem Staubsauger und meine Bettdecke unter dem Hintern. Ein richtig komfortabler 20-Stunden-Ritt.
Kein Schock mehr
In den Wochen zwischen unserem Erstbesuch und unserer vollbepackten Landung auf der Insel war organisatorisch noch einiges weitergegangen: Wir fanden ein (unmöbliertes) Haus, das wir mochten und uns trotz der horrenden Mietpreise irgendwie leisten konnten. Wir fanden eine Schule, die die beiden Mädchen aufnehmen wollte. Wir fanden Ikea-Online, wo wir vorab die fehlenden Matratzen bestellten.
Und: Wir fanden eine Mieterin, die genau für die Zeit unserer Abwesenheit eine vorübergehende Unterkunft für sich und ihre beiden Kinder suchte. Das Haus musste dafür noch schnell leergeräumt werden. Aber das konnte uns nicht mehr schockieren. (Karin Riss, DER STANDARD, Family, 21.11.2012)
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Sehr nett ist es wirklich nicht, jemandem, der versucht, sich in einer Fremdsprache verständlich zu machen, darauf hinzuweisen, dass man seine Sprachkenntnisse nicht für ausreichend hält (im Gegensatz zu konstruktiver Kritik, z.B. Hinweise auf einzelne Aussprachefehler). Da kann einem schon mal die Motivation abhanden kommen, überhaupt noch den Mund aufzumachen. Ich kann also Ihren Unmut durchaus verstehen. Die typische Gegenfrage - Und wie gut ist Ihr Deutsch? - ist allerdings auch nicht sehr sinnvoll. Deutsch muss ja niemand können (außer er lebt in einem deutschsprachigen Land) - Englisch hingegen ist international.
Wir wissen allerdings nicht, was genau die Dame unter "mangelndem Beherrschen" verstand. Wenn die Englischkenntnisse so schlecht sind, dass man sich damit kaum bis gar nicht verständlich machen kann, ist das natürlich problematisch. Wenn die Verständigung im Großen und Ganzen aber durchaus funktioniert, sehe ich keinen Grund, jemanden, der sich bemüht, wegen seiner "mangelnden" Sprachkenntnisse herunterzumachen. Vor allem nicht, wenn man selbst KEINE andere Sprache als die eigene Muttersprache spricht.
Ich war selbst eine Zeit lang im Ausland und meine Englischkenntnisse sind sehr gut. In Österreich arbeite ich häufig mit Leuten aus dem In- und Ausland - Arbeitssprache: Englisch. Manche können's besser, manche halt nicht so gut. Sprachen müssen eben gelernt und vor allem geübt werden. Nicht sehr konstruktiv ist es, die Menschen gleich einmal zu demotivieren, indem man ihnen sagt, wie schlecht sie sind. Ich kenne auch genug Englisch-Muttersprachler, die sich bemühen, Deutsch zu lernen. Und sich dabei auch nicht leicht tun. Die haben halt das Glück, dass Englisch DIE internationale Sprache ist und sie sich mit ihrem holprigen Deutsch nirgendwo lächerlich machen MÜSSEN...
... Deshalb halte ich schon für ein bisschen ungut, jemanden, der gezwungen ist sich in einer Fremdsprache zu verständigen, als "nicht gut genug" zu kritisieren. Man könnte demjenigen stattdessen auch einfach dabei helfen, sich zu verbessern.
Ein bisschen peinlich ist es allerdings, wenn man wegen angeblich unzureichender Englischkenntnisse von Englisch-Muttersprachlern kritisiert wird, die NUR Englisch können und sonst nichts - in dem Fall ist dann sogar die Gegenfrage "Und wie gut ist dein Deutsch (Französisch, Arabisch, Chinesisch, Russisch etc.)?" - frei nach dem Motto: First get rid of the log in your own eye... usw.
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