Sonnenuntergang am Very Large Telescope

Peter Illetschko
21. November 2012, 12:26

Auch sachliche Journalisten dürfen hier getrost einmal ins Schwärmen kommen

Wahrscheinlich wird das große Wort "beeindruckend" sehr häufig am Cerro Paranal in der chilenischen Atacama-Wüste verwendet. Auf den Sonnenuntergang passt es mit Sicherheit. Zunächst erstrahlt das Very Large Telescope (VLT) noch silbergrau, dann wechselt es die Farben, je mehr die Sonne Richtung Horizont geht. Nachdem die Sonne sich verabschiedet hat, legt sich ein rotes Band an den Horizont, das den Himmel abzuschneiden scheint.

Während des Sonnenuntergangs zeigt auch das VLT, was es kann, außer wie ein Koloss im Abendlicht zu stehen. Die vier Units des Teleskops werden geöffnet. Hochtechnologie, die mit einer Klimaanlage vorgekühlt werden musste, um sie an die äußeren Temperaturen anzupassen, die diesmal über zehn Grad liegen, aber doch deutlich unter den Werten, die hier am Tag exponiert in der Wüste erreicht wurden. Alles läuft hier vollautomatisch. In den Units selbst befindet sich jeweils nur ein Techniker, der darauf achtet, dass alles seinen gewohnten Lauf geht. Aber auch er geht, wenn das "Opening" beendet ist und die Messungen beginnen. Sicherheitsvorschriften.

Bei den kleineren Teleskopen, die hier auf Schienen bewegt werden können und die vier Riesen ergänzen, tut sich gerade nichts. Würde niemand reden, kein wohlwollender Astronom die Fragen der Besucher beantworten, die Stille würde nur durch die Geräusche der Instrumente gestört werden.

Für Augenblicke wie diese zahlt sich ein insgesamt 16-stündiger Flug nach Santiago, ein zweistündiger Flug nach Antofagasta und eine gut zweistündige Autofahrt durch die Wüste jedenfalls aus. Die Straße in der Atacama wirkt wie alles hier endlos, ab und zu steht da ein verlassenes Verkehrsschild. Jemand fragt, wie viele Stunden es dauert, wenn man die Wüste von Süden nach Norden durchquert.

An der Straße stehen viele Gedenkstätten für Menschen, die mit dem Auto verunglückten. "Larry", hieß einer. "Love" steht da auch noch irgendwo geschrieben. Es sind kleine Häuschen, groß wie Hundehütten, geschmückt mit Fahnen und Blumen. Die Sonne knallt durch die Autoscheiben und man ahnt schon, was einem am Ziel erwartet. "Das ist kein Strandurlaub" sagt jemand mit Hang zur Nona-Philosophie, wenngleich der Pazifik nur zwei Autostunden entfernt. Ein bemerkenswertes Nebeneinander.

Das Observatorium Paranal ist wie eine Stadt in der Wüste. Ein Hochsicherheitstrakt. Niemand kann hier einfach so vorbeischauen. Angesichts der teuren Hochtechnologie kein Wunder. Wer Gast in der Residencia ist, dem Basislager der Astronomen und Ingenieure, weiß, dass man mit einer ausgeklügelten Logistik und dem nötigen Equipment auch in der Wüste sicher nicht darben muss. Das auf der Eingangsseite 200 Meter unter der Erde liegende Gebäude hat einen Innengarten mit Pool und eine Küche, die weit weg von Luxus, aber auch weit weg von Nicht-Essbar ist. Wasserflaschen stehen überall. Wer nicht genug trinkt, wird in dieser Trockenheit schnell Probleme bekommen. Auf der anderen Straßenseite finden sich ein Fitness-Center, ein Turnsaal und eine Kapelle.

Das Programm ist dicht. Nachts, wenn nach Interviews und Besichtigungen Texte wie diese entstehen, kann man das Zimmerfenster öffnen und hören, wie sich die Wüste anhört. Da ist nichts. Nur ein leises Maschinensummen. Und all das unter einer Sternenkuppel, die auch unromantische Menschen begeistern dürfte.  (Peter Illetschko, derStandard.at, 21. 11. 2012)

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9 Postings
auch sehr eindrucksvolle aufnahmen...

http://vimeo.com/36972668

sehr cool

immer wieder ein herausragendes Video... bin gespannt auf teil 2. wobei das hier ja auch sehr cool ist, da waren sie 7 Nächte bei ALMA auf 5000 meter:

https://vimeo.com/33276404

Wobei anscheinend noch nicht ganz offiziell...

bevor ich's vergesse, ziemlich tolle fotos (auch aus dem film): http://christophmalin.zenfolio.com/p239610081

Hier gibt's ein hübsches zoombares Bild:

http://www.ptgui.com/gallery/v... orama.html

Explodiert?

Die Residencia wurde ja durch James Bond zerstört!

http://www.youtube.com/watch?v=61yxTOFoO4E

Das Überholverbotsschild in der Wüste finde ich interessant. :)

Das Schild befindet sich noch auf der Ruta 5, einen große Straße und Teil der Panamericana, welche hier die Atacamawüste quert.

21.11.2012, 13:20

Dieses Schild ist auf dem Weg zum Gipfel des Mauna Kea zu finden.

http://www.flickr.com/photos/25... /19785068/

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