Urteil im Mordprozess gegen Estibaliz C. am Donnerstag so gut wie fix

21. November 2012, 17:24
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Völlig divergierende Aussagen über Wesensart von Mordopfer Manfred H.

Wien - In dem Doppelmordprozess um die "Kellerleichen" gegen Estibaliz C. dreht sich vieles, nein, eigentlich alles, um den Charakter der Beteiligten. Und das macht es für das Geschworenengericht unter Vorsitz von Susanne Lehr schwer - je mehr Zeugen auftreten, desto unschärfer wird das Bild der mutmaßlichen Täterin und der Mordopfer.

Beispiel Manfred H., der im November 2010 im Schlaf erschossen wurde. " Er war hilfsbereit, freundlich, ganz normal", schildert am Mittwoch Zeuge Stephan S., der das Paar kannte, da seine Lebensgefährtin so wie C. einen Eissalon betreibt. "Esti", wie die Angeklagte genannt wird, sei durchaus selbstbewusst bis dominant gewesen, sagen auch andere. Claudia D., die Lebensgefährtin von Stephan S., beschreibt zusätzlich: "Sie konnte auch sehr das kleine Mädchen sein, wenn sie von Manfred etwas unbedingt wollte."

Ganz anders erzählt das wiederum Beatrix P., eine der besten Freundinnen von C.: Manfred H. sei laut, polternd, ihr furchtbar unsympathisch gewesen. "Esti" habe sich ihm aber völlig untergeordnet. Als er von ihr mit der Begründung "Ab 30 werden die letschert" eine Brust-OP gefordert habe, sei sie selbst dabei gewesen, sagt die Zeugin. Dass die Spanierin aber in zwei Gesprächen mit ihr Tötungsabsichten geäußert habe, habe sie nicht ernst genommen.

Erklärung für Beton in der Tiefkühltruhe

Divergierend auch die Aussagen, wie C. nach dem Verschwinden von Manfred H. reagiert hat. Stephan S.: "In diesen Tagen war sie verzweifelt, ich habe ihr das geglaubt." Seine Partnerin Claudia D.: "Ich habe sie erstaunlich ruhig gefunden."

Wie man Bekannten erklärt, dass in einer Tiefkühltruhe Beton ist, erfährt man dank des Zeugen Peter K., der bei deren Transport vom einen in den anderen Keller geholfen hat. "Sie hat gesagt, der geistig verwirrte Sohn eines Baumeisters aus der Nachbarschaft habe da seinen Zement entsorgt und man brauche es noch für einen eventuellen Prozess."

Am Donnerstag stehen noch Gutachter auf dem Programm, ein Urteil sollte noch in den Abendstunden fallen. (Michael Möseneder, DER STANDARD, 22.11.2012)

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