Palästinensische Terrorgruppe bekennt sich zu Anschlag auf Bus

21. November 2012, 14:43
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Mindestens 21 Verletzte - Explosion ereignete sich im Stadtzentrum der israelischen Wirtschaftsmetropole - Polizei nahm Verdächtigen fest, Fahndung nach Komplizen im Gange - Freudenschüsse im Gazastreifen

Tel Aviv - Bei einem Bombenanschlag auf einen Autobus in Tel Aviv sind am Mittwoch nach Medienberichten mehrere Menschen verletzt worden. Die israelische Tageszeitung Haaretz berichtet mittlerweile von mindestens 21 Verletzten, zwei der Verletzten sollen in einem kritischen Zustand sein. Der Anschlag ereignete sich auf dem Shaul-Hamelech-Boulevard im Zentrum Tel Avivs.

"Terroristischer Angriff"

Ein Regierungssprecher sprach von einem "terroristischen Angriff". Die Polizei nahm rund eine halbe Stunde nach der Explosion einen Terrorverdächtigen in der Nähe des Anschlagsortes fest. Die Polizei sucht allerdings nach einem weiteren Verdächtigen. Augenzeugen berichteten, eine Person habe eine Bombe platziert und sei davongelaufen. Die Sicherheitsstufe rund um den Israelische Verteidigungszentrums-Komplex Kirya wurde angehoben. Die Schulen wurden angewiesen, die Schüler bis auf weiteres nicht ins Freie zu lassen. Außerdem wurde das nahegelegene Azrieli Center abgeriegelt.

Im Gazastreifen wurden Freudenschüsse abgegeben, nachdem lokale Radiosender die Nachricht von der Busexplosion in Tel Aviv verbreitet hatten. Der Sprecher der radikalislamischen Hamas, Sami Abu Zuhri, hat den Anschlag auf einen Bus in Tel Aviv ebenfalls begrüßt.

Al-Aksa-Brigaden bekennen sich zu Anschlag

Medienberichten zufolge haben sich die Al-Aksa-Brigaden, die einen bewaffneten Arm der Fatah von Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas bilden, zu dem Anschlag  bekannt. Die Bombenleger seien entkommen, hieß es am Mittwoch in einer Erklärung nach Berichten des Internetportals "Ynet".

Außerdem übernahmen die Volkswiderstandskomitees, eine weitere bewaffnete Palästinensergruppe, die Verantwortung für den Anschlag.

Der Sprecher der radikalislamischen Hamas, Fawzi Barhoum, sagte dem Sender "Al-Arabiya", man werde weiterhin auf die israelische "Aggression" reagieren. Barhoum pries zugleich den Anschlag in Tel Aviv als "heroischen Akt".

Erster Anschlag seit 2006

Zuletzt wurde die israelische Wirtschaftsmetropole von einem schweren Bombenanschlag im April 2006 erschüttert. Damals tötete ein palästinensischer Selbstmordattentäter elf Menschen bei einem Busbahnhof. Israel hatte vor einer Woche seine Militäroffensive gegen Ziele im Gazastreifen begonnen, um damit den Raketenbeschuss von palästinensischer Seite zu stoppen. Auch der Großraum Tel Aviv war beschossen worden.

Offensive geht weiter

Israel griff nach Angaben seiner Armee auch am Dienstag mehr als hundert Ziele im Gazastreifen an. Dabei habe es sich um "terroristische Stellungen" gehandelt, erklärte das Militär. Die Hälfte der Ziele seien unterirdische Raketenwerfer gewesen. Wie ein Sprecher der israelischen Armee weiter ausführte, schlugen seit Mitternacht Ortszeit zudem zwölf aus dem Gazastreifen abgefeuerte Raketen im Süden Israels ein. Sieben Geschoße konnten demnach abgefangen werden.

Vermittlungsbemühungen

US-Außenministerin Hillary Clinton und UN-Generalsekretär Ban Ki-moon setzten unterdessen ihre Vermittlungsbemühungen in der Region fort. Clinton, die am Dienstagabend in Jerusalem mit Regierungschef Benjamin Netanyahu zusammengetroffen war, wollte am Mittwoch im Westjordanland Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas (Abu Mazen) treffen. Auch Ban wurde am Mittwoch in Ramallah erwartet. 

Ban Ki-moon hat die militanten Palästinenser zu einer sofortigen Einstellung ihrer Raketenangriffe auf Israel aufgefordert. "Ich wiederhole meinen Aufruf, dass der Raketenbeschuss durch militante Palästinenser gegen israelische Wohngebiete sofort aufhört. Das ist nicht hinnehmbar", sagte Ban am Mittwoch nach einem Treffen mit Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas (Abu Mazen) in Ramallah im Westjordanland. (APA/red, derStandard.at, 21.11.2012)

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    Ein leicht Verletzter wird abtransportiert.

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    Untersuchungen am Bus. Die Polizei sucht in der Umgebung des Busbahnhofs zwei verdächtige Männer.

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