Was wollt ihr von den Griechen?

21. November 2012, 09:58
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Das Verschieben der Hilfszahlungen trägt nichts dazu bei, die Schwächen der Athener Politik zu überwinden

Das Scheitern der Verhandlungen über die Griechenland-Hilfe in der Nacht auf Mittwoch ist zumindest ein Ärgernis, wenn nicht ein potenzielles Desaster. Die grundlegendenden Entscheidungen sind ja bereits gefallen: Athen bleibt in der Eurozone und erhält mehr Zeit, ein Schuldenschnitt auch für die öffentliche Hand wird zwar aus politischen Gründen zeitlich verschoben, ist aber letztlich unvermeidlich.

Die Nicht-Einigung ist daher eine Folge von schlechter Vorbereitung durch die Eurozone bzw. von politischer Taktik der großen Staaten, allen voran Deutschland. Doch es gibt hier nichts zu gewinnen: Griechenland ist in vielen Aspekten säumig, aber das wird sich auch durch noch so viel Druck aus Europa nicht ändern.

Die griechische Bevölkerung bringt alle Opfer, die sie kann, die Regierung von Premier Antonis Samaras (Bild) strudelt sich ab. Einige fundamentale Wirtschaftsdaten – Wettbewerbsfähigkeit, Leistungsbilanzdefizit, Primärdefizit – zeigen in die richtige Richtung. Doch dass die grundlegenden Schwächen der griechischen Politik sich nicht über Nacht korrigieren lassen, sollte man eigentlich im restlichen Europa wissen.

Was wollt ihr eigentlich von den Griechen?, muss man daher Jean-Claude Juncker, Wolfgang Schäuble & Co. fragen.  Sollen sie aufhören, Griechen zu sein? Das Unmögliche schaffen?

Es gab gute Gründe, schon vor einem Jahr einen Schlussstrich zu ziehen und Griechenland zum  Austritt aus der Eurozone zu zwingen. Dies ist nicht – aus ebenso guten Gründen – geschehen, und damit sind wir alle an die griechischen Eigentümlichkeiten gefesselt. Ja, die kosten sehr viel Geld, aber Verzögerungen wie die von letzter Nacht machen es nicht billiger.

Und die Griechen brauchen das Geld - dringend.

Jetzt wäre es endlich an der Zeit, Griechenland aus seiner ständigen Zwangslage zu befreien und der Regierung und der Bevölkerung einen Vertrauensvorschuss zu geben. Die Griechen werden Großzügigkeit nicht ausnützen, sondern so weitermachen wie bisher: bemüht, aber mit zweifelhaften Ergebnissen.

Das ist unbefriedigend für alle, aber eine befriedigende Lösung wird es bei Griechenland nicht geben. Auch noch so langes Feilen an Details wird an diesem Dilemma nichts ändern. Und jede Nacht der Nicht-Entscheidung untergräbt das Vertrauen in die gesamte Eurozone.

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