Indien vollstreckt Todesurteil an Mumbai-Attentäter

21. November 2012, 17:43
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Vier Jahre nach den Terrorangriffen auf die indische Finanzmetropole Mumbai wurde der einzige überlebende Attentäter am Mittwoch gehängt. Indien richtete damit erstmals seit dem Jahr 2004 wieder einen Menschen hin

Es war eine Nachricht, auf die viele Inder gewartet hatten: "Schlächter von Mumbai gehängt", meldeten Mittwochvormittag Indiens Fernsehsender. Fast vier Jahre nach der blutigen Terrorattacke auf Indiens Finanz- und Filmmetropole Mumbai wurde nun der einzig überlebende Attentäter hingerichtet. Um 7.30 Uhr in der Früh starb der erst 25 Jahre alte Ajmal Kasab im Yervada-Zentralgefängnis der Stadt Pune am Galgen. Sein letzter Wunsch sei gewesen, dass man seine Mutter über seinen Tod informiere, kolportierten Medien.

Erstmals seit 2004 hat Indien damit wieder ein Todesurteil vollstreckt. Zuvor hatte Präsident Pranab Mukherjee ein Gnadengesuch abgelehnt. Kasabs Hinrichtung soll auch einen emotionalen Schlusspunkt unter den Anschlag setzen, der die Nation traumatisiert hatte. Zehn Terroristen hatten am 26. November 2008 per Boot Mumbai geentert, waren ausgeschwärmt und hatten in Luxushotels, Cafés, Bahnhöfen und einem jüdischen Gemeindezentrum 166 Menschen getötet. Erst nach drei Tagen konnte die Polizei alle Angriffe beenden.

Damals war der jungenhaft aussehende Kasab zum Gesicht des Terrors geworden, als sein Foto um die Welt ging. Es zeigte einen jungen Mann im schwarzen Sweatshirt mit einem Rucksack über der Schulter und einem Schnellfeuergewehr in der Hand, der im Bahnhof Chhatrapati Shivaji Terminus Jagd auf Menschen macht. Gelenkt wurden die Terroristen über Handy von Drahtziehern im Ausland.

Spannungen mit Pakistan

Das Attentat hatte die ohnehin angespannten Beziehungen mit der benachbarten Atommacht Pakistan schwer belastet. Als Drahtzieher gilt die Terrorgruppe Lashkar-e-Toiba (LeT), die in Pakistan ihren Sitz hat. Die LeT streute prompt Salz in die Wunden. Sie nannte Kasab einen " Märtyrer" und "Helden" und drohte Indien mit neuen Angriffen.

Kasab stammt aus einem kleinen Dorf in Pakistan. Er und seine Familie sind arm und wenig gebildet. Seit der Terrorattacke war er in Mumbai hinter Gittern gesessen, am Dienstag wurde er nach Pune verlegt, um dort gehenkt zu werden. Aus Sicherheitsgründen hielten die Behörden seine Hinrichtung bis zuletzt geheim.

"Dies ist ein Tribut an alle unschuldigen Menschen und Polizisten, die ihr Leben in dieser heimtückischen Attacke auf unsere Nation verloren haben", sagte R. R. Patil, Innenminister des Bundesstaates Maharashtra, dessen Hauptstadt Mumbai ist. Doch nicht alle empfanden Genugtuung. Die wahren Drahtzieher in Pakistan müssten zur Rechenschaft gezogen werden, forderten etwa die indischen Kommunisten. Sie glauben, dass Kasab letztlich nur ein Werkzeug war.

Indien zählt zu den Staaten, die an der Todesstrafe festhalten, zuletzt wurden aber jahrelang keine Urteile mehr vollstreckt. Hunderte Verurteilte warten in den Gefängnissen auf ihre Hinrichtung, oft schon seit Jahren oder Jahrzehnten. Zuletzt war 2004 ein Inder gehenkt worden, der ein junges Mädchen grausam vergewaltigt und getötet hatte.

Die meisten Hinrichtungen gab es 2011 in China, gefolgt vom Iran, Saudi-Arabien, dem Irak sowie den USA. Erst am Montag hat die UN-Generalversammlung mit 110 gegen 39 Stimmen für ein Hinrichtungs-Moratorium gestimmt. (Christine Möllhoff, DER STANDARD, 22.11.2012)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Nach dem Terroranschlägen von Mumbai im November 2008 ging das Bild des Attentäters Ajmal Kasab im Hauptbahnhof der Metropole um die Welt. Am Mittwoch wurde er in Indien hingerichtet.

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