Trost und Rat

21. November 2012, 01:04
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Am Mittwoch beginnt das Blue Bird Festival im Porgy & Bess. Auf strengen Postrock folgt erlesene Songwriter-Kunst

Wien - Mit dem Novembernebel kommt das Blue Bird Festival. Im Porgy & Bess veranstaltet, bietet es jährlich wiederkehrend eine Auswahl von Bands und Musikern, die sich unter dem Signum Singer-Songwriter einordnen lassen. Heuer ist man diesbezüglich besonders großzügig und bietet an zwei Tagen einen Schwerpunkt mit Acts des kanadische Labels Constellation Records.

Dieses wird vor allem wegen der letzte Woche in Wien zu sehen gewesenen Band Godspeed You! Black Emperor verehrt. Constellation ist ein Label wie ein strenger Orden.

Mehrheitlich ist der Verlag eine Brutstätte des Postrock. Beim Blue Bird wird mit den Bands Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra und Do Make Say Think ein Schwerpunkt gebildet, den andere Labelacts wie die ob ihrer Auftrittsdichte auf heimischen Bühnen als unvermeidlich einzustufende Carla Bozulich oder der Ambient-Dunkelmann Sandro Perri umrahmen.

"What a constellation" nennen sich diese zwei extra programmierten Festtage, die mit Singer-Songwritertum so viel gemein haben wie das Wiener Jazzfest mit Jazz: ein bisschen.

Die eigentliche Mission des Blue Bird beginnt also erst am Freitag. Als Hauptact werden an diesem Abend die heimischen Garish zu erleben sein, die Songs ihres kommenden Albums erstmals live aufführen werden.

Zuvor dürfte der Auftritt von Josephine Foster einen Höhepunkt markieren. Die US-Amerikanerin aus Colorado hat vor ihrer jetzigen Karriere als Hochzeits- und Begräbnissängerin gearbeitet. Sie kennt also die Euphorie wie die Trauer aus nächster Nähe.

Heilsversprechen

In ihrer Kunst, die als sympathisch rumpelnder Folk daherkommt, lassen sich die für diese beiden Aufgabengebiete notwendigen Anleihen beim Gospel, bei Heilsversprechen und dem Trost heraushören.

Foster trägt das mit gestreckter Wirbelsäule, erhobenem Haupt und klarer Stimme vor, so als ginge sie mit dem Privileg eines Gottesbeweises durchs Leben. Es ist eine erbauliche und erhabene Kunst, die die Aura einer vergangenen Zeit umweht. Die Pioniertage US-amerikanischer Einwanderung ebenso wie die Erleichterung und Freude, in der Fremde eine neue Existenz aufbauen zu können. Ein erster Kirchgang.

Am Samstag wird der irische Songwriter Mick Flannery für einschlägige Kunst sorgen, als Star des Abends reist Robyn Hitchcock von der Insel an.

Der Brite wird für sein exzentrisches, schlaues Songwritertum kultisch verehrt. Zwar blieb ihm der große kommerzielle Erfolg versagt, aber wer bis heute an die 50 Alben veröffentlicht hat und beständig tourt, ist alles andere als erfolglos. Mittlerweile Ende 50, hat Robyn Hitchcock auch zwischen den Songs einiges zu erzählen. Ein zweiter Kirchgang.   (Karl Fluch, DER STANDARD, 21.11.2012)

Detaillierte Infos zum Blue Bird Festival unter www.songwriting.at

  • Tröstliches und Euphorisches: Josephine Foster kann beides. Am Freitag gastiert sie beim Blue Bird Festival.
    foto: pias rec.

    Tröstliches und Euphorisches: Josephine Foster kann beides. Am Freitag gastiert sie beim Blue Bird Festival.

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