Neue Hopfen

  • Es gibt Braumeister, die nicht einmal wissen, welche Hopfensorte sie 
verwenden - das Ergebnis sind charakterarme, aber für den 
Massengeschmack akzeptable Biere.
    foto: apa/armin weigel

    Es gibt Braumeister, die nicht einmal wissen, welche Hopfensorte sie verwenden - das Ergebnis sind charakterarme, aber für den Massengeschmack akzeptable Biere.

Conrad Seidl über die Aromen, die Züchter in den Hopfen gebracht haben

Hopfen galt lange Zeit nur als reinheitsgebotskonformer Bitterstoff - ein teures Gewürz, von dem die Brauer lieber nicht allzu viel ins Bier taten: Schließlich gibt es viele Menschen, die mit "bitter" überwiegend negative Assoziationen haben, man denkt an bittere Kälte, bittere Armut, bittere Enttäuschungen. Also gehen viele Brauer sehr sparsam mit der Hopfenbittere um - in vielen Großbrauereien wird überhaupt nur auf die bittere Leitsubstanz Alphasäure geschaut, die in geringer Dosierung dem Sud zugesetzt wird. Es gibt Braumeister, die nicht einmal wissen, welche Hopfensorte sie verwenden - das Ergebnis sind charakterarme, aber für den Massengeschmack akzeptable Biere.

Nichts für Hop-Heads, wie sich die Freunde bitterer Biere nennen. Andererseits ist auch für Liebhaber des bitteren Geschmacks nicht allein die in ppm Alphasäure gemessene Bittere des Bieres ausschlaggebend: Immerhin gibt es im Hopfen mehr als 200 verschiedene Substanzen, die Geschmack und Aroma des Bieres beeinflussen können.

Mehr als genug Hopfenbittere

Nur wurden diese vielfach vernachlässigt - nicht nur von den Brauern, auch von den Hopfenpflanzern und Hopfenzüchtern: Solange es nur um den Hopfenbitterstoff Alphasäure ging, war es sinnvoll, die Züchtung auf einen hohen Alphasäureanteil im Hopfen auszurichten - was sehr erfolgreich war: Auf viel geringerer Anbaufläche wird heute mehr als genug Hopfenbittere erzeugt.

Anders ist es mit den Aromen: Seit kleine und mittelständische Brauer entdeckt haben, dass in den amerikanischen Hopfensorten interessante Aromen stecken - etwa Grapefruit-Aroma im Cascade, Orangen und Nüsse im Amarillo oder Pinien im Simco -, werden solche Sorten so stark nachgefragt, dass die Produktion kaum nachkommt.

Inzwischen haben die deutschen Hopfenzüchter nachgezogen und eigene Aromasorten gezüchtet, die spannende Biere versprechen: In der Versuchsbrauerei in St. Johann in der Hallertau wurde etwa kürzlich ein leichtes Weizenbier mit der neuen Sorte Mandarina Bavaria gebraut - es hat, wie der Name des Hopfens vermuten lässt, mehr Mandarinen- als Bananenaroma und ist dem geringen Alkoholgehalt zum Trotz sehr vollmundig. Auch die Neuzüchtung Polaris (mit einem Hauch von Eisbonbon-Aroma) ist inzwischen restlos ausverkauft - kommerziell eingesetzt wird sie im "Palor"-Ale von Braufactum. (Conrad Seidl, Rondo, DER STANDARD, 23.11.2012)

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wird eh schon Zeit

In Österreich gibts so viele fade Biere, wie Sand am Meer.

Es sollte viel mehr Pale Ales bei uns geben.
IPA's sind auch gut aber die amerikanischen und
!australischen! (Fat Yak ist ein unglaublich gutes) taugen mir eher.

The dark side Hopheadism

Aromahopfen sind eine ganz feine Sache. Man nehme etwa das zitronige Zwettler Saphir, oder das nach Grapefruits schmeckende India Pale Ale der Brewing Company. Dort habe ich auch schon ein Amarillo Amber Ale genossen. Und diese Liste ließe sich noch beliebig fortsetzen.
ABER trotzdem stehe ich Hopheads(also Liebhaber
sehr stark gehopfter Biere) skeptisch gegenüber.
Denn Biere erhalten ihren Geschmack nicht nur vom Hopfen, und wenn zuviel darin ist, werden alle anderen Geschmacksfaktoren übertüchnt. Und Hopheads geht es vor allem darum das Bittere zu schmecken. Außerdem führt der Gewöhnungseffekt dazu, dass sie die Hopfendosis stetig erhöhen müssen.
Oft ist zuwenig und auch zu schlechter Hopfen im Bier, aber manchmal auch zuviel.

wenn ich mandarinen oder bananen schmecken will,

wer ich kein bier trinken

und jetzt schlagts mich, ihr feinschmecker...

Schade für Sie, so entgehen Ihnen die wirklich guten Biere.

lassen Sie mich raten, werter Horatiusverehrer, Ihre Bierhorizont endet für gewöhnlich an den Grenzen hellen untergärigen Bieres, welches in hiesigen Supermärkten gängig ist.

Leider ist Ihr Kommentar aber geradezu typisch für die Mehrheit der österreichischen (Durst-)Biertrinker, die mit dieser Einstellung die Entwicklung einer international vergleichbaren Sortenvielfalt auch im Mainstream behindern.

Bier darf alles! Zumindest fast alles, genauso wie Wein, Käse, Schokolade und die Stadt Graz.

Sie würden mit einer derart geäußerten Einstellung ja auch an keiner Weinverkostung teilnehmen, oder?

falsch geraten, verehrter hr. collega

und auch beim wein gibts rebsorten und macharten, die ich halt nicht brauch

und wenn ich eingeschlafene füss schmecken will kauf ich das zeug, welches du mangels kenntnis vermutlich bier nennst...

guter mann, welches bier mir schmeckt,

davon habens erstens keine ahnung und zweitens ist das meine sache

gehns lieber wieder mit ihrer freien energie spielen...

ihr obiges posting lässt bzgl. ihres bier-horizontes allerdings schon schlimmes erahnen.

dann müssen sie um eine der meistproduzierten Biersorten, dem Weißbier, einen Bogen machen und beispielsweise in der "Bierhauptstadt" Europas, München, werden sie ein mittelschweres Problem mit dem Bier haben...

aber soll sich jeder einschränken wie er meint. ;-)

also, ich hab in münchen noch kein bier mit mandarinengeschmack getrunken

und sie haben offensichtlich auch den vorliegenden Artikel nicht richtig gelesen...

oder sie mein posting

Die Rede von München als "Bierhauptstadt" ist doch in diesem Zusammenhang völliger Unsinn. Gerade einmal sechs Brauereien gibts in der Stadt, keine davon stellt jetzt wirklich geschmacklich eigenständiges oder außergewöhnliches Bier her, alles bestensfalls sehr solide, jedenfalls massengeschmackstauglich, die Spaten-Löwenbräu-Gruppe gehört ohnehin mittlerweile einem internationalen Konzern.

Das bessere Bier findet sich im bayrischen Umland.

Das Weißbier und auch andere typische Stile (nicht zuletzt das traditionelle Münchner Dunkel) der Münchner Brauereien (vor allem Paulaner und Franziskaner) haben international einen herorragenden Ruf.

Außerdem gilt München als eine Bierhauptstadt aufgrund der eng verknüpften Geschichte von Bier mit München und einfach auch, weil es die Hauptstadt von Bayern ist, eine der weltweit führenden Bierregionen.

Abgesehen davon hab ich nicht davon gesprochen, wo man das bessere Bier findet - das findet man meistens abseits der großen Brauereien, keine Frage.

ich finde ja bayern als weinland interessenter denn als bierhochburg

da will ich ihnen nicht widersprechen, da ich
a) von Wein weniger Ahnung hab als vom Bier
b) Bayern (und auch allgemein Deutschland) auch nicht zu meinen persönlichen Bierhochburgen zähle (das ist schon eher Belgien).

Gut, stimmt schon; bezog mich auch in erster Linie auf ihre Behauptung, dass jemand, der differenzierten Biergeschmäckern abhold ist, in München "ein mittelschweres Problem mit dem Bier" haben wird.

Das ist falsch, weil ob ich jetzt den Spateng'wasch oder ein Ottakringer trink ist g'hupft wie g'sprungen. Selbst mit dem (für ein Helles) an sich sehr guten Augustiner wird man niemanden verschrecken.

das "mittelschwere Problem" mit dem Bier war nur auf auf das Weißbier bezogen, da es in München die Biersorte Nummer 1 ist.

schauns, so ist das, wenn die geschmäcker verschieden sind

habedieehre...

Darf ich sie daran erinnern, dass sie es waren, der diese Diskussion überhaupt erst losgetreten hat, indem sie genau diese Geschmäcker in "gut" und "böse" eingeteilt haben?

Im Nachhinein diese Toleranzfloskel einschieben ist immer einfach...

lernens lesen

von "gut" und "böse" hab ich kein wort gesagt, nur erzählt, was mein geschmack (nicht) ist

so hab ich auch lang gedacht.

bis vorigen mittwoch: mein erstes bierseminar.
und was riecht man als erstes, wenn man ein weißbier trinkt?
hopfen - nein. hefe - nein.
eh klar: die banane natürlich.
echt zu empfehlen, ohne schmäh.

eine empfehlung wo man ein bierseminar besuchen kann?

deshalb hab ich ja auch von schmecken geschrieben,

und nicht von riechen

sorry, aber bier trink ich halt anders als wein

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