Arbeitnehmereinkommen fallen immer weiter zurück

Gerald John
20. November 2012, 18:28

Erträge aus Unternehmen und Vermögen schießen nach Kriseneinbruch wieder in die Höhe

Wien - Die Krise war ein tiefes, aber nur schmales Tal - zumindest für jene Menschen, die nicht auf Lohnarbeit angewiesen sind. Nach einem massiven Einbruch im Jahr 2009 sind die Erträge aus Unternehmen und Vermögen sofort wieder nach oben geschossen - allein 2010 um 11,9 Prozent. Mittlerweile ist das Vorkrisenniveau längst übertroffen.

Gewöhnliche Werktätige können von so einem Sprung nur träumen. Dank einer der wegen der Inflation üppigen Lohnrunde gab es in der Krise zwar kein Minus zu verdauen, doch nun hinken die Arbeitnehmerentgelte wieder weit hinterher: 2010 betrug das Plus nicht einmal ein Fünftel vom Zuwachs der Unternehmens- und Vermögenserträge.

Die Entwicklung pendelt sich damit wieder in einen langfristigen Trend ein, den der neue Sozialbericht nachzeichnet: Seit Mitte der Neunzigerjahre ziehen die Einkommen aus Unternehmen und Vermögen davon. Die Arbeitnehmerentgelte wuchsen indessen schwächer als die Wirtschaft. Das glichen auch die staatlichen Sozialleistungen nicht aus: Die verfügbaren Haushaltseinkommen blieben ebenfalls zurück.

In Summe profitieren Arbeitnehmer, sofern sie keine anderen Einkünfte haben, damit immer weniger am wachsenden Wohlstand: Der Anteil der Löhne am Volkseinkommen ist - ausgenommen der Ausreißer in der Krise - kontinuierlich gesunken. Als Gründe nennt Christine Mayrhuber vom Wirtschaftsforschungsinstitut, Koautorin des entsprechenden Kapitels im Sozialbericht, die gestiegene Arbeitslosigkeit, die sich auch in geschwächter Verhandlungsmacht der Gewerkschaft und mageren Lohnrunden niederschlägt, sowie die wachsende Gruppe an schlecht verdienenden Teilzeitlern und atypisch Beschäftigten.

Steuern auf Arbeit wuchsen

Die staatliche Steuerpolitik hat nicht entgegengesteuert, sondern den Trend sogar verschärft. Dies belegt der Umstand, dass die Nettolohnquote noch niedriger als die Bruttolohnquote liegt und immer weiter zurückfiel: Die Abgaben lasten auf dem Faktor Arbeit damit nicht nur schwerer als auf den Unternehmens- und Vermögenserträgen, sondern haben sich auch immer weiter zuungunsten der Lohneinkommen verschoben.

Auch unter den Lohnbeziehern öffnet sich eine Kluft. In 15 Jahren sank der Anteil des untersten Einkommenfünftels von 2,9 auf zwei Prozent, während das Top-Fünftel von 44,4 auf 47,4 zulegte. Die bestverdienenden 20 Prozent lukrieren somit fast die Hälfte des gesamten Erwerbseinkommens. Allerdings wirken die Leistungen des Sozialstaates dem entgegen: Die verfügbaren Haushaltseinkommen sind nicht ungleicher verteilt als vor fünf Jahren.

Dass der Sozialstaat, wie Kritiker argwöhnen, dabei "aufgebläht" wurde, lässt sich aus den Daten nicht ablesen: Die Sozialquote - Sozialausgaben gemessen am Bruttoinlandsprodukt - blieb von 1995 bis 2008 konstant bei 28 Prozent und liegt nach einem Anstieg in der Krise auch jetzt nur um einen Prozentpunkt höher.(Gerald John, DER STANDARD, 21.11.2012)

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"...die wachsende Gruppe an schlecht verdienenden Teilzeitlern und atypisch Beschäftigten."

Darin und in geringer Qualifikation liegt eine Hauptursache, daß eine "Dienstleistungsgesellschaft" mit "Kreativ-", Mc- und Minijobs das produzierende Gewerbe und die Industrie mit Fachkräften und Kollektivverträgen nicht ersetzen kann.

In Wien ist die Zahl der Industriearbeitsplätze seit 1990 von 115000 auf 55000 geschrumpft.

Dr. Heinz Anderle, Freigeist

solange konservative

Parteien an der Macht mitzureden haben, wird sich das nie ändern. Die machen die Politik f. die Arbeitgeber und gegen die Arbeitnehmer, und das weltweit!

"Arbeitgeber vs Arbeitnehmer" ist eine veralterte Denkweise

"Konservativ vs Liberal" ebenso.

In der Post-Industriellen Gesellschaft gibt es immer mehr Menschen die sich ihre Arbeit selber schaffen, also gleichzeitig Arbeitnehmer und Arbeitgeber sind.

Diese Gruppe wird in Österreich mehr als alle anderen benachteiligt weil sie keine Lobby hat und, im Gegensatz zu den traditionellen Arbeitnehmer- und Arbeitgeberkartellen, nichts mit deren Günstlingswirtschaft zu tun haben will.

Das Gegenteil von konservativ

Ist f. Mich progressiv. Und überall wo man hinsieht werden neue Ideen durch Konservative blockiert. Die Menschheit könnte viel weiter sein in Ihrer Entwicklung wenn's Die nicht gäbe. Und Arbeitnehmer vs. Arbeitgeber ist in Grosskonzernen keines Falls eine veraltete Denkweise sondern aktueller denn je zuvor.

daher mögen sich die arbeitnehmerInnen künftig weiterhin bei den lohnverhandlungen zurückhalten. woher nähmen die reichen sonst das geld zum verzocken her welches überraschung überraschung von den steuerzahlerInnen aufgebracht werden muss die sich bei den lohnverhandlungen zurückhalten mögen...

Wenn nach den nächsten Wahlen die ÖVP mit einer absoluten Mehrheit gesegnet wird, erwartet uns ein Leben wie im Schlaraffenland.
Wir dürfen uns an satten Gewinnen der Wirtschaft erfreuen und eine Erhöhung der Habenzinsen auf mindestens 1.02% ist unvermeidlich.
Jeder bekommt das Recht auf Arbeit und gegen einen geringfügige Aufwandsentschädigung darf sich jeder preisen, am Wirtschaftsaufschwung beteiligt gewesen zu sein.
Geht’s der Wirtschaft gut, geht’s uns allen gut.
Oder hab ich da irgendetwas verwechselt?

Gehts der Wirtschaft schlecht

Gehts uns Allen shlecht
Gehts der Wirtschaft gut, gehts uns nicht viel besser...

nöö.

Die Gewinne gehen an die Profiteure...

...die Verluste an den Mann von der Straße... Das Steuergeld, mit dem Banken etc. gestützt wurden, wird den unteren Einkommenssteuerzahlern abgezwackt...

Da sag´ noch einer die SPÖ hätte uns nicht

dämlich und hinterhältig grinsend an die ÖVP-Klientel verraten und verkauft.

Kurzum: Der Mehrwert durch Arbeit wird bestraft, die Spekulation von den Politikern gefördert !!!!!

in ö muss

man eben beamte sein.

nicht schon wieder. Was hat das bitte mit den Beamten zu tun?

Zu erst gespottet " wer nix ist und wer nix kaun geht zur Post oder zur Bahn" und jetzt raunzen. Traurig.

Wie wahr, wie wahr !! Leider !

politiker sollen in diesem land überdurchschnittlich viel im vergleich zu anderen ländern verdienen. http://www.wien-konkret.at/politik/p... gehaelter/

oder geerbt haben

hätte ich gewusst, dass verdienstmäßig die 90er die "fetten" jahre waren!

... meine güte, ich hatte einen abschöpfungsauftrag, weil mir am monat immer ... schilling überblieben.

heute?

ist oft noch monat am ende des geldes ...

So eine Überraschung, aber irgendwo muß das Geld ja herkommen, um das die Reichen immer reicher werden, ohne einen Finger zu rühren.
Dafür hört man immer wieder, die Löhne sind zu hoch, das ist schädlich für die Wirtschaft, da werden die Arbeitsplätze in ander Länder gehen.

So ist das halt, wenn die Partei der selbsternannten Leistungsträger seit Jahren das Finanzministerium besetzt. Es sollte auch dem letzten Wähler dämmern, dass die ÖVP unter "Leistung" versteht, aus Besitz durch die Arbeit anderer noch mehr Besitz zu machen.

ja eh, sieht man ja zur zeit eh wie gut es uns mit unserem roten kanzler geht.

Versagen der gesetzlichen Arbeitnehmervertretung

Diese Entwicklung spiegelt natürlich auch ein weitgehendes Versagen der Arbeiterkammer wider. Leberkäsesemmeln testen ist halt einfacher als die Interessen der arbeitenden Menschen zu vertreten. In der heutigen Form kann ich auf die Vertretung durch die Arbeiterkammer verzichten.

Danke, ÖVP!

Ihr habt uns in eurer ablehnenden Reaktion auf diesen Bericht bzw. die Schlussfolgerungen, die man eventuell daraus ziehen könnte, klar gezeigt, was für euch der Mittelstand ist: Die reichsten 5% der Bevölkerung. Wenn euch demnächst nur mehr die wählen würden, wäre es nicht mehr als gerecht.

Wundert mich sowieso, dass nur irgendEIN Arbeitnehmer die ÖVP wählt ?!?!?!

das hat mit arbeitnehmer nix zu tun..

oder glauben sie, dass jemand, der ein haus/wohnungen besitzt, die roten wählen wird?

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