Mario Stecher, Dauerbrenner der Kombination

  • Mario Stecher kann seit geraumer Zeit etwas besser langlaufen als weit springen.
    foto: dapd/josek

    Mario Stecher kann seit geraumer Zeit etwas besser langlaufen als weit springen.

36-Jähriger geht in seine 21. nordische Saison und strebt erneut WM-Medaillen an

Wien - Beim statistischen Blick ins letzte Jahrzehnt des vergangenen Jahrtausends haben sogar die Experten des internationalen Skiverbandes (FIS) ihre liebe Not. Jedenfalls unterschlagen sie Mario Stecher zumindest zwei Weltcupstarts in der Saison 1992/93 und geben das einschlägige Debüt des Steirers mit 4. Dezember 1993 an. Damals belegte Stecher in einem Bewerb in Saalfelden Rang sieben, um einen starken Monat später, am 15. Jänner 1994, in seinem zweiten Weltcup und als 16-Jähriger gleich auf dem Holmenkollen zu Oslo zu triumphieren.

Nach FIS-Rechnung hebt für Stecher also am Freitag in Lillehammer die 20. Weltcupsaison an, der 36-jährige Eisenerzer spricht aber von seiner 21. "Darauf hat mich erst unlängst Gerry Lipp aufmerksam gemacht." Und was der ORF-Statistiker Gerald Lipp ausgrabe, sei in Stein gemeißelt.

Immerhin, Stecher lässt sich dazu überreden, seine 20. komplette Weltcupsaison zu besprechen. So oder so ist das imposant, zumal er seit seinem Debüt, ob nun im Frühjahr oder im Winter 1993 gefeiert, zur erweiterten Weltspitze in einer Sportart zählt, die seither von den Aktiven mehrmals Anpassungsfähigkeit forderte. So bevorzugte die Kombination, als Stecher begann, eher die guten Skispringer. Mittlerweile bevorzugt sie die Langläufer.

Stecher, zu Beginn vor allem auf den Schanzen wie daheim, hat sich gewandelt, "auch wenn ich um die Jahrtausendwende, als das Langlauftraining zu greifen begann, eine schwere Zeit hatte, weil ich plötzlich im Springen nirgends war". Dadurch und selbstverständlich durch diverse Verletzungen erklären sich auch die Lücken in seiner Siegerliste, etwa eine gut siebenjährige zwischen seinem siebenten (1998) und achten (2005) Weltcuperfolg.

Insgesamt hat Stecher zwölf seiner mehr als 250 Weltcups gewonnen, zumindest die zweite Zahl kann nicht einmal ein Herr Lipp präzisieren. Sicher ist, dass der Team-Olympiasieger von 2006 und 2010, wenn alle Stricke halten, 2014 und in Sotschi seine sechsten Olympischen Spiele schmücken wird. Näher liegt noch seine neunte Weltmeisterschaft Ende Februar 2013 in Val di Fiemme. "Dort", sagte er, "ist noch eine Rechnung zu begleichen."

2003 fehlte er bei den Titelkämpfen im Trentino, im März reist er als Titelverteidiger in beiden Teambewerben an. "Ich hoffe, dass wir bis dahin eine gute Mannschaft geformt haben", sagt Stecher. Schließlich sind in Felix Gottwald (Karriereende) und David Kreiner (Motivationspause) zwei Weltmeister von Oslo sicher nicht dabei.

Auch individuell ist Stecher noch nicht ganz auf der Höhe, vor allem im Skispringen, weil beim Material in kurzer Zeit zwei Reglementänderungen schlagend wurden - erst waren komplett am Köper anliegende Anzüge gefordert, nun gilt wieder eine Toleranz-Weite von zwei Zentimetern. " Auf die null Zentimeter war ich schon ganz gut eingestellt, bei den zwei Zentimetern hapert es aber noch." Die Routine helfe da zwar, "man geht die Dinge gelassener an, dafür lernen aber die jungen Leute schneller".

Dass er nach dem Abgang des Norwegers Baard Jörgen Elden in Christoph Eugen einen nur um ein starkes Jahr älteren, ehemaligen Teamkollegen als Cheftrainer hat, ist für Stecher kein Problem. "Wenn man mit einem Menschen gut zusammenarbeiten kann, ist es ja egal, wie alt er ist." (Sigi Lützow, DER STANDARD - 21.11. 2012)

 

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