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Sein Händedruck ist kräftig, sein Blick aber schon beim nächsten potenziellen Anhänger, den er begrüßen will. Jean-François Copé scheint im Dauerwahlkampf zu sein. In der Nacht zum Dienstag beschloss er seinen längsten und härtesten Feldzug siegreich: Mit 50,03 Prozent wird Copé Vorsitzender der Union für eine Volksbewegung (UMP) und damit indirekt bürgerlicher Anwärter auf das Amt des Staatspräsidenten.
Copés aus Algerien stammende Mutter Monique erzählt gerne, ihr Sohn hätte schon als Zehnjähriger Napoleon-Uniformen angezogen. Und im vergangenen Frühjahr verglich sich der Bürgermeister von Meaux selbst mit Bonaparte, und seine Anhänger seien ebenso mutig wie Napoleons Soldaten in der Schlacht von Austerlitz. Auch am Sonntag wurde Copé als " Bonapartist" bezeichnet, allerdings im kritischen Sinn: Der Absolvent der Eliteschule ENA erklärte sich zum Sieger, als die Wahlkommission nicht einmal die Resultate aus allen Departementen erhalten hatte.
Copé (48) war nicht als Favorit ins Rennen gegangen, aber er legte eine fulminante Kampagne hin, der Gegner François Fillon nur mit Mühe folgte.
Der gewiefte Schnellredner ist ein Meister im Storytelling. Seit neustem erzählt er folgende Geschichte: Einem Buben aus der Pariser Banlieue sei das "pain au chocolat" mit dem Argument entrissen worden, jetzt sei Ramadan, da esse man tagsüber nichts. Als ganz Frankreich über den Fall debattierte, legte Copé noch einen drauf und meinte, viele angestammte Franzosen würden in den Vorstädten zu Opfern eines "Rassismus gegen die Weißen".
Fillon konterte, genau das habe schon Jean- Marie Le Pen behauptet. Copé winkt ab: Erstens tritt er wie sein Vorbild Nicolas Sarkozy für eine Rechtspolitik "ohne Komplexe und Tabus" ein. Und zweitens glaubt er sich wegen seiner jüdischen Herkunft gegen Rassismus aller Art gefeit: Seine rumänischen Großeltern entgingen 1943 nur knapp der Deportation.
Auch die Spekulationen über einen Parteiaustritt gemäßigter UMP-Mitglieder lassen Copé kalt. Der agile Parteichef, in zweiter Ehe mit einer Kinderpsychologin verheiratet, schafft spielend den Spagat, populistische Töne anzuschlagen und sehr gesittet aufzutreten. Gegenüber RTL-Radio meinte er nach der Wahlschlacht: "Ich glaube überhaupt nicht an die Gefahr einer Parteispaltung." Im Gegenteil: Die Versöhnung werde " leicht und natürlich" vonstattengehen - wie alles bei Copé. (Stefan Brändle, DER STANDARD, 21.11.2012)
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