Väterkarenz: Streit über Zahlen

Julia Herrnböck
20. November 2012, 20:53

Berechnungen der Ministerien liegen weit auseinander

Wien - Die Aufregung über die vom Frauenministerium ver wendeten Zahlen zur Väterkarenz ist groß im Familienministerium: "Wir sind für den Bereich zuständig und haben die richtigen Zahlen", sagt die Sprecherin von Familienminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP).

Nicht 4,7 Prozent der Väter, wie von Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) behauptet, gingen durchschnittlich in Karenz, sondern 17 Prozent. "Die Beteiligung der Männer an der Kinderbetreuung ist wesentlich stärker, als es vom Frauenministerium dargestellt wird", so Kaserer.

Heinisch-Hosek geht in ihren Berechnungen von einem bestimmten Stichtag im Monat September aus, an dem Männer Kinderbetreuungsgeld beanspruchen. Das Mitterlehner-Ressort dagegen zieht die laufende Auswertung der Gebietskrankenkasse über einen längeren Zeitraum heran. Ergebnis: Bei den Kurzzeitvarianten (etwa zwölf plus zwei Monate) betrage der Anteil der Väter in Karenz sogar 31 Prozent. Das formulierte Ziel von einem Fünftel werde somit bereits schon jetzt übertroffen, sagt Kaserer.

Die Verwunderung im Frauenministerium ist groß: "Die von uns verwendeten Zahlen stammen sogar aus dem Familienministerium. Außerdem ist unsere Methode die gleiche, die auch zur Berechnung der Arbeitslosenstatistik verwendet wird", kontert eine Sprecherin von Heinisch-Hosek. Auch dass ein "Papamonat" in den ersten vier Wochen nach der Geburt kostenneutral für die Privatwirtschaft sei, stimme laut Familienministerium nicht: Laut deren Schätzung würde das Vorziehen des Karenzgeldanspruches Mehrkosten in der Höhe von bis zu 40 Millionen Euro verursachen. Wie das? "Weil einfach viel mehr Väter als jetzt in Karenz gehen würden. Das ist nichts Schlechtes, aber noch werden die ersten vier Wochen meist über Urlaubstage geregelt", heißt es aus dem Familienministerium.

Väter, die Urlaub nehmen müssen, um während der Zeit des Mutterschutzes zu Hause bleiben zu können, gingen später seltener in Karenz - daher entstünden weniger Ansprüche auf das Kinderbetreuungsgeld. Dem stimmt auch Heinisch-Hosek zu: "Wenn ein Mann gleich zu Beginn das Kind erlebt, hat er auch mehr Lust, später daheimzubleiben."

"Andere Sorgen im Moment"

Adelheid Fürntrath-Moretti vom Wirtschaftsbund argumentiert, vor allem Klein- und Mittelunternehmen stünden vor einem organisatorischen Problem, wenn sie den Papamonat verpflichtend anbieten müssen. "Wir haben andere Sorgen im Moment", so die Bundesvorsitzende von Frau in der Wirtschaft. "Angesichts der angespannten Konjunktur wäre es fatal, die Wirtschaft derart zu belasten und zu schwächen." Zudem seien mit der Verpflichtung "enorme finanzielle und organisatorische Mehrbelastungen" verbunden. (Julia Herrnböck, DER STANDARD, 21.11.2012)

 

Share if you care
Posting 1 bis 25 von 28
1 2
sowohl die Längsschnitt- als auch die Stichtagsbetrachtung...

.... sind notwendig, um Struktur und Dynamik der Aufteilung der formellen Kinderbetreuung Zeiten zu erfassen. Es ist wieder mal ein typisches Beispiel für die Niveaulosigkeit der Bundespolitik, dass die jeweils "besser" klingende Teil-Statistik von den Kontrahenten ausgewiesen wird!

Der 'Papamonat' ist dafür bereits aus verhandelt (Aussage Heinisch-Hosek). Anscheinend versucht die ÖVP das bis zur nächsten Koalitionsverhandlung zu blockieren - damit im Kuhhandel was anderes erreicht werden kann. Wozu die Regierung zwischen den Wahlen existiert, wird mir immer unklarer!

Warum dürfen Frau das nicht ...

das klingt nach einer Diskriminierung!

holzhammer

nur einfach behaupten, anpatzen und weinerlich klagen - das ist zu wenig, das überzeugt niemanden.

einen stichtag/monat rauspicken hat auch eine gewisse berechtigung. denn es ist immerhin ein vergleich mit der gesamtsumme zu einem bestimmten zeitpunkt. und herbst war doch gerade.

zielführend wäre aber
a) vergleich der inanspruchnahme männer/frauen pro jahr
und
b) vergleich der inanspruchnahme in monaten männer/frauen pro jahr

das sagt etwas aus, bringt vielleicht ideen zur verbesserung.

und ja, man solle eher positiv berichten, denn dass die männer wieder mehr für ihre kinder da sind, das wollen wir doch alle.

Also Frau lügt beim Gehaltsgap

Frau lügt bei Karenzzahlen.

WO sagt Frau Wahrheit?

lesen, herr ungeist

es geht nicht um lügen, sondern um statistik.
etwas weiter unten hätten sie erfahren, worum es geht.
aber wollen sie überhaupt etwas erfahren?

Nun ich habe es lügen geannt..

nämlich manipulativ sich einen Wert aus einer Datensammlung zu nehmen und zu postulieren das wäre jetzt die (grausliche) Wahrheit der Frauenunterdrückung.

Also ja, es war keine Lüge, es war nur versuchte Manipulation - genauso wie die 29% Unterschiede Mann - Frau Gehalt ja auch nur eine Statistik ist, die halt sehr manipulativ eingesetzt wird.

männer sollen nicht in karenz gehen dürfen, weil da muss die arme wirtschaft weinen?

aber nichts desto trotz finde ich es richtiger, ein ganzes jahr statistisch zu erfassen als einen bestimmten stichtag.

Frau Heinsch-Hosek kämpft einen einsamen Kampf....

.... einfach deswegen, weil in Sachen Emanzipation/Gender & Co mit Gewalt nichts zu gewinnen ist.

in grossen firmen wird es wohl drin sein dass väter 1 monat zu hause bleiben. und in kleinen firmen - wo sag ich mal 10 männer sind, wieviele werden da gleichzeitig vater werden? wenn dann ein mann alle 2-3 jahre mal 1 monat zu hause ist wird das doch wohl für die firma auch verkraftbar sein, oder? mann weiss es ja - sagen wir mal - 6 monate vorher dass er dann 1 monat zu hause ist. das sollte sich arbeitstechnisch doch wohl einteilen lassen.
weil wenn unfall oder krank fällt mann ja auch mal längere zeit aus, und es muss gehen. das argument kann ich nicht so ganz nachvollziehen.

Ist ja nix dagegen zu sagen, dass statistisches Material mit unterschiedlichen Methoden erhoben wird, solange:

• die Methode offengelegt wird (nicht immer der Fall),
• nur Zahlen verglichen werden, die gleich ermittelt wurden. Das hat zB die Standard-Reporterin gestern nicht beherzigt – Meldung: 'In AT gibt's nur 5 % Karenzväter¹, in DE dagegen ein Fünftel²!' Skandal!.

¹ nach HH's Stichtagsrechnung
² nach laufender Auswertung über längeren Zeitraum, wie vergleichsweise von Mitterlehner vertreten

Man merkt die Absicht und ist verstimmt.

Angesichts der angespannten Konjunktur wäre es fatal...

Nach nun 20 Jahren im Berufsleben eine Antwort:

NIEMALS habe ich erlebt, daß die Lage nicht kritisch und fatal gewesen wäre. NIEMALS.

Wenn die Wirtschaft wirklich 20 Jahre immer und permanent am Abgrund steht, dann sollte man ihre Lenker doch einmal mit kräftigem A...tritt wohinschießen. Und wenn sie seit 20 Jahren lügen, ebenso verfahren.

Also, liebe WKÖ und IV, dicke Hose kaufen...

Papamonat

Warum gibt es in der Privatwirtschaft noch keinen Papamonat? - Weil dann der Arbeitgeber einen Mitarbeiter 1 Monat lang zahlen muss ohne eine Gegenleistung zu bekommen und die haben was dagegen.

Warum gibt es das aber fuer Beamten? - Weil der Arbeitgeber im Endeffekt die Steuerzahler sind - und die braucht man ja nicht fragen wenns um das Wohl von Staatsbediensteten geht.

Ich bin Papa und auch fuer einen Papamonat, aber wenn dann fuer alle und nicht die eigenen Reihen bevorzugen auf unsere Kosten...

Papamonat ist unbezahlt

Zumindest nach derzeitiger Regelung. Damit kein Weiterzahlen des Gehalts.

schon. aber ein ersatz muss möglicherweise gezahlt werden.

nur arbeitet der dann halt auch.

für einen monat? stellen sie urlaubsvertretungen ein, wenn jemand vier wochen nach, sagen wir: südamerika auf trekkingtour geht?

@key

Na - dann ist es ja ohnehin ein Null-Summen-Spiel !

Mir schlackern die Ohren...

...wenn ich folgendes bestechendes Argument lese:

"...Außerdem ist unsere Methode die gleiche, die auch zur Berechnung der Arbeitslosenstatistik verwendet wird"

Ist also anzunehmen, dass man hier entsprechend hochrechnen muss? Damit wären wir also bei einer ECHTEN Arbeitslosenquote von fast 16 Prozent, nicht wahr.

Uiuiui. Hot. Hot. Hot.

Das mit der Statistik ist alles andere als einfach, denn eigentlich kann man nur "abgeschlossene" Fälle zählen. Die längste Variante dauert 3 Jahre und der Vater kann auch erst die letzten 6 Monate davon in Karenz gehen.
Erst dann weiß man, ob der Fall die Männerrate erhöht oder nicht.

Die längste Variante dauert 3 Jahre und der Vater kann auch erst die letzten 6 Monate davon in Karenz gehen

das stimmt nicht. der vater kann so lange und wann er will gehen. die 6 monate sind ein mindestwert und keineswegs auf den vater geschrieben. ich zb werd auch 18 monate gehen und meine frau 6

Ditto hier. Sie haben zwar recht, aber nicht verstanden was ich damit sagen wollte.

Der Vater kann in den 36 Monaten in Karenz gehen, wann er will (bzw mit der Mutter frei vereinbaren). Es müssen keineswegs die letzten 6 Monate sein.

Je länger jemand in Karenz geht, desto länger ist er in der Statistik drin.
Dh, wenn Männer zb nur kurz in Karenz sind, dann sind auch am Stichtag entsprechend wenige Männer erfasst.

Um das nochmal zu sagen: er kann AUCH erst am Ende in Karenz gehen. D.h. erst ab dann kann der Fall berücksichtigt werden.
Genau Ihr zweiter Satz ist das Problem mit der Statistik. Wenn Sie fragen: "Wie viele Männer waren zum Stichtag in Karenz?", haben Sie immer einen viel zu niedrigen Wert, weil Männer durchschnittlich viel kürzer in Karenz sind als Frauen.
Die richtige Frage lautet: "Wieviele Fälle gab es im Vergleichszeitraum, bei denen sich Mann und Frau abgewechselt haben?"

Es ist aber näher an der Wahrheit, wenn nicht nur erhoben wird, wieviele Leute irgendwann in Karenz gegangen sind, sondern auch wie lange.

Karenz kann alles zwischen 1 Monat und 2,5 Jahre sein.
Ein Mann kann auch 2,5 Jahre gehen die Frau nur 6 Monate (zb die ersten 6 Lebensmonate). Dann würde eben die Frau ev. nicht statistisch erfasst.
Beispiel 3 Familien, Frauen gehen 8 Monate, Männer 4 Monate in Karenz (ein Elternteil immer alleine in Karenz).
A: Mann Jänner-April, Frau Mai bis Dez. B: Mann Mai bis August, Frau September bis April (Folgejahr). C: Frau Jänner bis August, Mann September bis Dezember.
An jedem beliebigen Stichtag sind 2 Frauen und ein Mann in Karenz. Das Verhältnis entspricht der tatsächlichen Karenzleistung.

wen wunderts? Die hh ist eine männerhasserin, die will tatsächlich ja gar nicht väter in karenz sehen. Das würde ihr weltbild nicht vertragen..

Deswegen verwendet sie ja auch bewusst falsche zahlen. Wie am samstag in der presse gesagt: die anderen zahlen stimmen eh, aber für sie sind die nicht “aussagekräftig“ genug ....

Und dann scheinheilig behaupten, sie will mehr männer in karenz haben - und macht deswegen eine vollkommen schwachsinnige werbung mit einem dj .. Zwecks vorbild. Blödsinn! Bis zu 30% - das ist vorbild! Darf aber nicht sein.

Sie unterstellen sehr viel.
das problem bei jeder statistik ist dielegende. wenn die fehlt oder unterschiedliches verglichen wird, schleicht sich der fehler ein.

eine umrechnung der karenzzeit/ kind und elternteil würde wohl eine entsprechende quote geben.

Posting 1 bis 25 von 28
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.