Väterkarenz: Streit über Zahlen

Berechnungen der Ministerien liegen weit auseinander

Wien - Die Aufregung über die vom Frauenministerium ver wendeten Zahlen zur Väterkarenz ist groß im Familienministerium: "Wir sind für den Bereich zuständig und haben die richtigen Zahlen", sagt die Sprecherin von Familienminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP).

Nicht 4,7 Prozent der Väter, wie von Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) behauptet, gingen durchschnittlich in Karenz, sondern 17 Prozent. "Die Beteiligung der Männer an der Kinderbetreuung ist wesentlich stärker, als es vom Frauenministerium dargestellt wird", so Kaserer.

Heinisch-Hosek geht in ihren Berechnungen von einem bestimmten Stichtag im Monat September aus, an dem Männer Kinderbetreuungsgeld beanspruchen. Das Mitterlehner-Ressort dagegen zieht die laufende Auswertung der Gebietskrankenkasse über einen längeren Zeitraum heran. Ergebnis: Bei den Kurzzeitvarianten (etwa zwölf plus zwei Monate) betrage der Anteil der Väter in Karenz sogar 31 Prozent. Das formulierte Ziel von einem Fünftel werde somit bereits schon jetzt übertroffen, sagt Kaserer.

Die Verwunderung im Frauenministerium ist groß: "Die von uns verwendeten Zahlen stammen sogar aus dem Familienministerium. Außerdem ist unsere Methode die gleiche, die auch zur Berechnung der Arbeitslosenstatistik verwendet wird", kontert eine Sprecherin von Heinisch-Hosek. Auch dass ein "Papamonat" in den ersten vier Wochen nach der Geburt kostenneutral für die Privatwirtschaft sei, stimme laut Familienministerium nicht: Laut deren Schätzung würde das Vorziehen des Karenzgeldanspruches Mehrkosten in der Höhe von bis zu 40 Millionen Euro verursachen. Wie das? "Weil einfach viel mehr Väter als jetzt in Karenz gehen würden. Das ist nichts Schlechtes, aber noch werden die ersten vier Wochen meist über Urlaubstage geregelt", heißt es aus dem Familienministerium.

Väter, die Urlaub nehmen müssen, um während der Zeit des Mutterschutzes zu Hause bleiben zu können, gingen später seltener in Karenz - daher entstünden weniger Ansprüche auf das Kinderbetreuungsgeld. Dem stimmt auch Heinisch-Hosek zu: "Wenn ein Mann gleich zu Beginn das Kind erlebt, hat er auch mehr Lust, später daheimzubleiben."

"Andere Sorgen im Moment"

Adelheid Fürntrath-Moretti vom Wirtschaftsbund argumentiert, vor allem Klein- und Mittelunternehmen stünden vor einem organisatorischen Problem, wenn sie den Papamonat verpflichtend anbieten müssen. "Wir haben andere Sorgen im Moment", so die Bundesvorsitzende von Frau in der Wirtschaft. "Angesichts der angespannten Konjunktur wäre es fatal, die Wirtschaft derart zu belasten und zu schwächen." Zudem seien mit der Verpflichtung "enorme finanzielle und organisatorische Mehrbelastungen" verbunden. (Julia Herrnböck, DER STANDARD, 21.11.2012)

 

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