Frankreich in der Bredouille

Die Ratingagentur Moody's glaubt nicht, dass die Regierung in Paris künftige Eurokrisen verkraften könnte, und vermisst wirtschaftspolitische Reformen

Ein stolzes "Aaa" verkümmert zu einem hässlichen kleinen "Aa1": Nach Standard & Poor's Anfang 2012 senkt nun eine zweite Ratingagentur die Bestnote Frankreichs. Moody's begründet die Maßnahme mit dem Fehlen von Wirtschaftswachstum und Strukturreformen. Frankreich sei nicht mehr in der Lage, künftige Schuldenkrisen in der Eurozone zu stemmen. Schon heute leide seine Wirtschaft stark unter der Abhängigkeit von Südeuropa.

Paris reagierte forsch auf die schlechten Neuigkeiten. Wirtschaftsminister Pierre Moscovici und Regierungssprecherin Najat Vallaud-Belkacem erklärten unisono, die Zurückstufung sanktioniere höchstens die Wirtschaftspolitik früherer Regierungen - gemeint ist diejenige von Ex-Präsident Nicolas Sarkozy; die aktuelle Regierung unternehme große Reformanstrengungen.

Höhere Zinsen

Eine Rückstufung hat normalerweise höhere Zinsen an den Kapitalmärkten zufolge. Die zehnjährigen Staatsanleihen Frankreichs kosteten aber gestern nicht viel mehr als am Vortag. Nach Meinung von Börsenexperten hatten die Anleger die Kurskorrektur von Moody's antizipiert. Insgesamt liegt der Zins von 2,1 Prozent immer noch sehr tief - zwar fast einen Prozentpunkt über den deutschen Bund-Anleihen, aber bedeutend unter den Kapitalkosten Spaniens oder Italiens.

Das könnte sich aber ändern. Der Internationale Währungsfonds warnte in seinem jüngsten Länderbericht, Frankreich könnte hinter die südeuropäischen Länder zurückfallen. Und dies nicht nur beim Wachstum: Seine Wirtschaft leide unter Strukturschwächen wie zu hohen Arbeitskosten und erdrückenden Steuern.

Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble bezeichnete die neue Note von Moody's als "kleine Mahnung", sieht aber angesichts der tiefen Zinsen Frankreichs keinerlei Grund zur Panik. Auch französische Experten sehen keinen Grund für einen Einbruch der französischen Wirtschaft oder einen abrupten Anstieg der Zinsen.

Viele verweisen hingegen auf den schleichenden Niedergang der französischen Industrie. Sie hat in einem Jahrzehnt 700.000 Stellen verloren. Die Arbeitslosigkeit hat kürzlich die Zehn-Prozent-Schwelle überschritten und liegt damit fast doppelt so hoch wie in Deutschland. Während Deutschland über 150 Milliarden Euro mehr exportiert als importiert, schlägt in Frankreich ein Handelsdefizit von gut 70 Milliarden zu Buche.

Teufelskreis

IWF und Moody's werfen der Hollande-Regierung in Paris auch vor, sie baue das erdrückende Gewicht des französischen Zentralstaates nicht ab. Die Ausgaben der öffentlichen Hand betragen in Frankreich 57 Prozent - fast zehn Prozent mehr als in Deutschland. Um die Budgetvorgaben trotzdem einzuhalten, erhöhte er lieber die Steuern für Konsumenten wie Unternehmen.

Frankreich befindet sich seit Jahren in einem Teufelskreis: Wachsende Staatsausgaben machen zunehmende Steuern notwendig; darauf wandert die Industrie ab, was Arbeitsplätze kostet. Alles in allem sinkt die Wirtschaftskraft nach und nach. Diese Entwicklung steht auch hinter den Einschätzungen von Moody's oder des IWF.

Die Franzosen sind offenbar noch pessimistischer als die Wirtschaftsprüfer: Auf Umfragefrage, ob es Frankreich 2013 besser gehen werde als heute, bejahten gerade mal zwei Prozent. (Stefan Brändle aus Paris, DER STANDARD, 21.11.2012)

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4 Postings

Vielleicht sollte sich Hollande anstatt um die syrischen Jihadisten-Rebellen um Dinge kümmern die ihn tatsächlich etwas angehen. Wie etwa Frankreich.

Blechen, buttern, bluten für die Grand Nation?

Aha. Nun also schon Frankreich (vor Italien!), dass in kürze seine Staatslasten nicht mehr tragen kann! Und wir superschlauen, sitzen mit diesen Gaukler und Täuscher in einem Boot! Genauer es ist die Euro-Titanic, geschaffen u.a. von einem Mitterand.

Diese Eurowährung erfunden und durchgepresst der damaligen französichen Regierung. Und nun sind wir im Gedeih und Verderb ausgeliefert!

Dieses Frankreich wird mit seiner etatistischen und monopolistischen Seite, die ganze EU samt dem Euro in den Abgrund reissen. Diese Regierung und dieses Land ist so von sich überzeugt, dass es immer alles richtig macht, obwohl gerade Frankreich im Eilzugstempo ihre gesamte Wirtschaft (samt Europa!) an die Wand fährt. Wien pennt, Wien schläft,Wien schnarcht!

alles kommt früher oder später wie es sich gehört.

zentralistische gebilde gehen irgendwann IMMER pleite.

vive la grande versager...

auch die ratingagenturen

werden früher oder später pleite gehen, wenn alle gerateten staaten und unternehmen pleite sind.

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