Ende deutscher "Financial Times" erwartet

20. November 2012, 19:02
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Mittwoch soll der Aufsichtsrat das Ende der deutschen "Financial Times" beschließen. Bei Österreichischen Blättern wird - teils drastisch gespart

Mittwoch geht es im Aufsichtsrat von Gruner+Jahr (G+J) um tiefrote Zahlen: Die "Frankfurter Allgemeine" berichtet, der Vorstand habe bereits beschlossen, die "Financial Times Deutschland" einzustellen und die Magazine "Impulse" und "Börse Online" zu verkaufen. 250 Millionen soll die FTD in zwölf Jahren verloren haben; heuer schrieben die G+J-Wirtschaftstitel 15 Millionen Euro Minus, zehn aus der FTD. Nur "Capital" werde weitergeführt. 350 Mitarbeiter hat der Verlag.

Der Insolvenzverwalter der "Frankfurter Rundschau" berichtete Dienstag von Kaufinteressenten für das Blatt, das dem Kölner Verlag DuMont Schauberg und einer SPD-Medienholding gehört.

Das Ende eines österreichischen Titels verkündete Dienstag Vorarlbergs Marktbeherrscher Russmedia: Die Gratiswochenzeitung "Mein kleines Blatt" verschwindet mangels Perspektive mit Jahresende. Für 13 Mitarbeiter wird ein Sozialplan erarbeitet. 

Tillians Pläne für das "Wirtschaftsblatt"

Dienstagabend erklärte Michael Tillian, nun gemeinsamer Geschäftsführer von "Presse" und "Wirtschaftsblatt", den Mitarbeitern der kleineren Zeitung "notwendige Restrukturierungsmaßnahmen". Fünf Millionen soll Tillian einsparen, wenn er beiden Styria-Zeitungsverlage enger zusammenführt. 30 Prozent davon soll das "Wirtschaftsblatt" bringen, der Großteil sei schon mit dem Abgang der alten Führung geschafft, zitieren ihn Ohrenzeugen. Die Beilage "Investor" solle statt 40- nur noch 13 Mal im Jahr erscheinen; Zwischen Weihnachten und 6. Jänner könnte die Zeitung pausieren. Regionaler soll sie werden, sich noch stärker um Klein- und Mittelbetriebe kümmern. Doch außer natürlichen Abgängen und Karenzen plane er hier keine Jobkürzungen.

Ernster klangen Tillian und Comanager Herwig Langanger zur "Presse": Dort soll es Dienstag Einzelgespräche gegeben haben. Mittwoch 11 Uhr wurde die Belegschaft informiert. Sie soll 70 Prozent der fünf Millionen einsparen, berichten Ohrenzeugen, mehr dazu hier.

"Kurier"-Abgänge

Die "Kurier"-Chefs Helmut Brandstätter und Thomas Kralinger kündigten im Oktober 25 Jobs weniger an. In einer ersten Runde boten sie Freiwilligen gute Konditionen für den Abschied. Nach STANDARD-Infos war das Interesse so groß, dass sich einzelne Absagen holten. Neben dem früheren Sonntagschef Michael Hufnagl sollen Sportchef Adi Himmelstoss und Vize Harald Schume gehen, Chef vom Dienst Jürgen Preusser, Burgenland-Leiterin Heike Kroemer und Reisechef Heinz Jeller. Ein vereintes Politikressort (Inland und Ausland) soll Josef Votzi führen. Brandstätter und Kralinger schwiegen zu diesen Punkten.

Auch die News-Gruppe spart, auch am Personal, teils, um Investments in digitale Geschäftsfelder zu ermöglichen; die Kennzahlen könnten unter jenen 2011, aber klar im Plus liegen. News-Haupteigentümer Gruner + Jahr soll auf Sicht wieder höhere Renditen aus Wien erwarten. (fid, DER STANDARD, 21.11.2012)

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    Die deutsche "Financial Times" steht kurz vor dem Aus.

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