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Das "Dreifache Selbstporträt" hat die große österreichische Künstlerin Maria Lassnig in den Jahren 1970 bis 1972 gemalt.

"Der Ort der Bilder", so der Ausstellungstitel, wird anschließend in den Hamburger Deichtorhallen gezeigt.
Graz - Sich selbst erfahren, um die Welt zu verstehen: Seit den 1950er-Jahren unternimmt Maria Lassnig Reisen in die eigene Innerlichkeit, malt ihre Körpererfahrungsbilder in von ihr benannten " Wirklichkeitsfarben": Gedanken- und Geruchsfarben, Schmerz- und Qualfarben, Druck-, Völle-, Press- und Streckfarben, Todes-, Verwesungs- und Krebsangstfarben. Immer wieder schlägt sie von den Gefühlen, "die sich innerhalb des Körpergehäuses abspielen", Brücken in die Welt, erzählt von den existenziellen Fragen des Menschseins: Tod, Liebe, Vergänglichkeit. Lassnigs Universum ist ein Ort der Bilder.
So heißt auch Lassnigs Ausstellung in der Neuen Galerie Graz. Anfangs habe sich Lassnig dagegen gesträubt: Graz? Danke, nein. Und überhaupt, wozu der Aufwand? Auch war die Kränkung, dass die große Lassnig-Ausstellung vor drei Jahren im Mumok mit Das neunte Jahrzehnt betitelt wurde, noch groß: "Ich habe nie daran gedacht, dass ich schon so alt bin. Nach der Ausstellung fühlte ich mich alt und gebraucht. Nicht über die Bilder wurde geredet, sondern über mein Alter."
Doch dann öffnete Lassnig doch ihr Depot. Und Kurator Günther Holler-Schuster wählte aus diesem verborgenen Schatz viele noch nie oder selten gezeigte Werke, die er nicht chronologisch, sondern zu thematischen und formalen Schwerpunkten bündelte.
Und so gewährte er ungewöhnliche Zusammensichten, neue Einsichten in ein vielfältiges Werk, über das die Künstlerin selbst sagt: "Ich bin nicht eingleisig, ich habe vieles ausprobiert, das aber wohl alles etwas gemeinsam hat." Lassnigs Malerei ist jugendfrisch und altersweise. Und todtraurig, wie ihr Selbstporträt mit Stab (1971): der entblößte Oberkörper von einem Speer durchbohrt, hinter ihr, schemenhaft, die Mutter: "Ich war ein richtiges Muttikind. Wie sehr sie mir gefehlt hat, habe ich erst nach ihrem Tod gemerkt. Ihr Tod war das schlimmste Erlebnis in meinem Leben." Mit erschreckender Aufrichtigkeit seziert Lassnig in ihren Bildern sich und ihre Ängste, 2004 malte sie sich in einem kleinen Boot sitzend, von einem Tsunami umtost.
Gnadenlos (selbst)ironisch und voller Sehnsucht gleichermaßen ihr 1993 entstandener Werkzyklus Be-Ziehungen, als sie Köpfe und Körper und Organe und penisartige Formen miteinander verdrahtete. "Mit Humor", sagt sie, "kann man Unvollkommenheit und Schmerz überwinden."
Dass die Museumsräume durch eigens eingezogene Wände rhythmisiert werden, kommt Lassnigs Werk zugute, in dem sie im wahrsten Sinn des Wortes ihr Innerstes nach außen stülpt. Die klug komponierte, von einem aufschlussreichen Katalog begleitete Schau würdigt eine Künstlerin, die schon in den frühen 1950er-Jahren künstlerische Welt- und Weitsicht bewies: mit informeller Malerei, mit den zu abstrakt-geometrischen (Selbst)Porträts geschichteten Farbfeldern. Zwei Formen übereinander / Schwarze Flächenteilung (1952) und Ungeteilte Form (1952/53) erinnern in ihrer radikal-formalen Monochromie an den US-Künstler Elsworth Kelly. Nach dem Auftakt mit ihrem Frühwerk, in dem bereits alle Facetten ihres späteren OEuvre anklingen, öffnen sich Blick und Raum für Lassnigs Innen- und Außenweltsichten, ihre Monster, ihre (Albtraum-)Fantasien.
Gedanken zum Wort "Liebe"
Neben Ölgemälden sind noch nie ausgestellte Aquarelle zu sehen: Bilder, die bei der Vorstellung des Wortes "Dog" erscheinen heißt etwa ein Blatt von 1978. 1980 aquarellierte sie Was mir beim Wort "Liebe" einfiel. Als menschliche Erfahrung sei sie notwendig, sagte sie einmal, aber "Familie und Kunst wären für mich unmöglich gewesen. Ich glaube, dass ein Maler die Liebe nicht so dringend braucht wie ein Dichter. Doch es tut mir um jeden Kuss leid, den ich nicht gegeben habe."
Es war ein entbehrungsreiches Künstlerleben, das die 1919 in Kärnten geborene Malerin führte, zunächst in Paris. Später, von 1968 bis 1980, in New York. Hier engagierte sie sich in der Women's Lib und entdeckte die Möglichkeiten des Zeichentrickfilms für sich. Das damals entstandene Self Portrait ist in Graz zu sehen.
Erst spät, mit sechzig, sollte sie ihren persönlichen und künstlerischen Triumph erleben. Österreichs damalige Kunstministerin Herta Firnberg berief sie als Professorin an die Universität für angewandte Kunst. Und initiierte damit Lassnigs Aufstieg in den Kunstolymp. Es folgten Biennale- und Documenta-Teilnahmen, weltweit Museumsausstellungen, nationale und internationale Preise.
Dass die Grande Dame der österreichischen Kunst kurz vor der Eröffnung übrigens verlangte, man möge das eine oder andere Bild abhängen, verwundert nicht. Sie ist sich selbst die strengste und unbarmherzigste Kritikerin. Wenngleich sie auch bitter anmerkt: "Es klingt hochmütig, aber ich werde auch nach dem Tod noch lange nicht in dem Maße gewürdigt sein, wie ich es verdiene." (Andrea Schurian, DER STANDARD, 21.11.2012)
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"verweise" klingt ja fast wie ""Ausschluss" oder gar "Einweisung"! Dass Kunst immer auch Therapie ist, ist ein alter Hut. Wenn Sie aber NUR dieses Diktum abliefern ohne Begründung, dann ist es ein Geschmacksurteil, das vielleicht Ihre Freunde interessiert, aber deshalb gleich damii ins Internet?
sehr g'scheit lieber schwejk!!! so zeigt sich, dass selbst das politisch korrekt "gedschenderte" diskriminierend sein kann. ein schuss ins knie sozusagen.
"deitsche sprache - schwere sprache, aber schene sprache" (.-)))
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