In Bayern träumt die CSU wieder von der Absoluten

Vor der Wahl 2013 kuschelt Seehofer mit Merkel und hat eine Kronprinzessin für seine Partei auserkoren

Manche rätseln immer noch. So viel Kreide! Wo bekommt eine Partei so viel Kreide her? Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Horst Seehofer ist milde und freundlich wie sonst kaum, auch sein Generalsekretär Alexander Dobrindt wirkt ziemlich weichgespült.

Dabei wählt auch Bayern im Herbst 2013. Über die Jahrzehnte hinweg waren die bayerischen Wahlkämpfe kein Zuckerschlecken für den deutschen Bundeskanzler. Von Franz Josef Strauß bis Edmund Stoiber - immer haben die bayerischen Ministerpräsidenten gerade in Wahlkampfzeiten massiv gegen Bonn beziehungsweise Berlin gewettert.

Doch diesmal ist alles ganz anders. Seehofer und seine Getreuen treten handzahm auf. Aggressive Töne gegen Griechenland, wie sie noch im Sommer an der Tagesordnung waren, sind passé, die CSU gibt sich staatsmännisch. Grund für die 180-Grad-Wende ist jedoch nicht eine plötzliche Anwandlung von Nächstenliebe. Vielmehr musste die CSU erkennen, dass die unaufgeregte Kanzlerin Angela Merkel auch in Bayern enorm beliebt ist - beliebter noch als der oft polternde Seehofer. Also gab Seehofer für den Wahlkampf die Parole aus: Volle Unterstützung für den Eurorettungskurs der Kanzlerin.

Seehofer weiß: Wenn im Herbst 2013 die CSU in Bayern und die CDU im Bund Erfolg haben sollen, dann müssen sie beim alles überragenden Thema auf Konsens setzen, nicht auf Konfrontation. Umfragen geben ihm recht. Die CSU liegt wieder bei 48 Prozent, wäre die Wahl jetzt, könnte sie erneut die absolute Mehrheit erreichen, Seehofer müsste nicht länger mit der FDP regieren.

64 Jahre ist er jetzt alt, und er stellt auch schon die Weichen für seine Nachfolge. Nach dem Flop von Karl-Theodor zu Guttenberg setzt Seehofer nun auf eine Frau: Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner. Sie wird Berlin 2013 den Rücken kehren und versuchen, für den mächtigen Bezirk Oberbayern, wo die CSU 2008 20 Prozent verlor, ein möglichst gutes Ergebnis herauszuschlagen.

In Bayern ist Aigner sehr beliebt - aber eher im Volk als bei den Mitstreitern. Sozialministerin Christine Haderthauer (CSU), die sich auch Chancen für die Zeit nach Seehofer ausrechnet, hat schon den ersten Giftpfeil abgeschossen und gemeint, alle Frauen könnten sich in der CSU gut einbringen: "Ich als Frau mit Familie, sie als ledige, kinderlose." (bau, DER STANDARD, 21.11.2012)

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