Plastilin und Ketchup

  • "The Walking Dead" auf Fox.
    foto: amc/fox

    "The Walking Dead" auf Fox.

Das Zombie-Survival-Spektakel wird zwischen 24. und 26. Dezember bei Keksen und Dosenbier unter dem Motto "Weihnachten ohne Freunde" wiederholt

Besonders bockige Junggesellen haben es gut. Sie können sich alle versäumten Folgen der aktuellen dritten Staffel der weltweit mit 200 Millionen Zuschauern erfolgreichsten Serie in der Geschichte des Bezahlfernsehens während der Weihnachtsfeiertage noch einmal auf dem deutschen Abosender Fox in drei Blocklehrveranstaltungen zu Gemüte führen. Das Zombie-Survival-Spektakel "The Walking Dead" wird zwischen 24. und 26. Dezember bei Keksen und Dosenbier unter dem Motto "Weihnachten ohne Freunde" wiederholt.

Männer, die nicht warten, aber Englisch können, besorgen sich die aktuellen Folgen ohnehin immer gleich Montag nach dem US-Sendetermin bei den Piraten an der schwedischen Küste. Das ist aber verboten! Tage später kommt das Gemetzel dann regulär am Freitag in die deutschen Haushalte. Es ist schon ein Wunder, dass die Serie mit viel Blut und noch mehr Beuschel derart massiv in den Mainstream eingedrungen ist.

Zum einen handelt es sich bei der Geschichte um Sheriff Rick Grimes und seine immer wieder weggefressene, aber regelmäßig mit verhaltensauffälligen Charakteren nachbesetzte Patchwork-Familie vor allem in der aktuellen Staffel um Ekelfernsehen höchster Güte. Das Zombie-Kino in seiner Hochblüte der 1970er-Jahre und frühen 1980er-Jahre wirkt gegen die Schocks aus dem Fernsehen wie ein Kinderspaß mit Plastilin und Ketchup. Zum anderen ist es ja auch einmal schön, sich abseits von Diskussionssendungen fest ins Sofa krallen zu müssen, damit es einem nicht die Zehennägel aufstellt.

Archetypenlehre, Mythenstrukturen, Urbilder. Die Funktion des "Bösen" in der Gesellschaft. Der Einbruch des Irrationalen und Archaischen in die Zivilisation. Carl Gustav Jung. Kann man alles auf der Uni zurate ziehen, um diesen qualitätsfernen Splatterspaß für sich rechtfertigen zu können. Das Kind aber tief weit drinnen hat einfach Spaß daran, wenn es schlorpt, spritzt und röchelt. (Christian Schachinger, DER STANDARD, 21.11.2012)

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