Der Winter ist für Kinder "brandgefährlich"

  • Die Laterne als Gefahrenquelle: Angehörige unterschätzten mitunter Ausmaß und Tiefe der Verletzung ihres Kinder.
    foto: apa/dpa/carsten rehder

    Die Laterne als Gefahrenquelle: Angehörige unterschätzten mitunter Ausmaß und Tiefe der Verletzung ihres Kinder.

Von der Kerze bis zum Kinderpunsch: Der Winter birgt für Kinder besonders viele Gefahren, sich zu verbrennen - Vermeidung, Erste Hilfe und Nachsorge

Der Winter birgt heiße Gefahren für die zarte Kinderhaut: Kaminöfen, dampfender Kinderpunsch, brennende Kerzen, Silvesterkracher und -Raketen oder die heiße Wärmflasche im Bett können schwere Verbrennungen und Verbrühungen verursachen.

Jedes Jahr bedürfen in Deutschland etwa 30.000 brandverletzte Kinder unter 15 Jahren ärztlicher Versorgung. Rund 6.000 von ihnen sind so schwer verletzt, dass sie ins Krankenhaus müssen.

Ausmaß und Tiefe häufig unterschätzt

Auch wenn Dank der Fortschritte in der Medizin immer weniger Kinder an Brandverletzungen sterben, so bleibt doch die Zahl der verbrannten und verbrühten Kinder konstant hoch. Die Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH) nimmt den "Tag des brandverletzten Kindes" am 6. Dezember zum Anlass, auf diese Risiken und unterschätzte und neue Gefahren für Babys und Kinder hinzuweisen und über Erste Hilfe und Nachsorge von Brandverletzungen zu informieren.

"Sind bei Kindern etwa zehn Prozent der Körperoberfläche verbrannt, kann sie dies bereits in Lebensgefahr bringen", weiß Joachim Suß, Chefarzt der Kinderchirurgischen Abteilung für Kinderchirurgie am Wilhelmsstift, Hamburg. Angehörige unterschätzten Ausmaß und Tiefe der Verletzung ihres Kindes jedoch mitunter. "Selbst für den Erfahrenen sind einige Formen von Brandverletzungen schwierig einzuordnen" meint Suß. Deshalb sollten Eltern bei großflächigen oder tiefen Verbrennungen im Zweifelsfall immer den Haus- oder Notarzt rufen, oder eine Rettungsstelle im Krankenhaus aufsuchen. Der Arzt schätzt den Umfang der Verletzung ein und fällt die Entscheidung über die weitere Behandlung, beispielsweise, ob der Transport in ein Verbrennungszentrum notwendig ist.

Cool-Packs und Eis sind zum Kühlen ungeeignet

Angehörige und Betroffene könnten selbst etwas tun, bevor der Arzt eintrifft, meint der Experte. Zunächst sollten sie die verbrannte Stelle für etwa zehn Minuten mit Wasser kühlen. "Das ist sehr wichtig, um das sogenannte Nachbrennen zu verhindern", so Suß.

Das Wasser dürfe jedoch nicht eiskalt sein, sondern sollte etwa 15 Grad haben. Denn durch den Kältereiz ziehen sich die feinen Gefäße im verletzten Hautareal zusammen. Dadurch kommt die Durchblutung zum Erliegen, was weitere Schäden an der Haut zur Folge habe. Aus diesem Grund seien Cool-Packs oder gar Eis entgegen landläufiger Meinung völlig ungeeignet und sogar gefährlich. Sinnvoll sei dagegen feuchte, kühle Handtücher vorsichtig auf die verbannte Haut zu legen. "Aber auch hier nicht übertreiben, Kinder kühlen viel schneller als Erwachsene aus", warnt der Experte.

Narben und Infektionen vermeiden

Da thermische Verletzungen äußerst schmerzhaft sein können, rät der Kinderchirurg zur Gabe von Schmerzzäpfchen. Kleinere, oberflächliche Verletzungen ersten Grades äußern sich durch gerötete Haut, verursachen aber keine Blasen. Sie heilen in der Regel folgenlos innerhalb von drei bis zehn Tagen auch ohne ärztliche Hilfe ab.

Alle anderen Brandverletzungen gehören umgehend in die Hand eines Arztes, betont die DGKCH. Dieser könne rasch die richtigen Schritte einleiten, um die Wunde je nach Größe angemessen zu versorgen und Narben und Infektionen zu vermeiden. (red, derStandard.at, 20.11.2012)

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