Postoperative Schmerzbehandlung soll besser werden

Die bisher größte internationale Datenbank zu postoperativen Schmerzen dient der Rückmeldung von Therapieerfolgen an Krankenhäuser, Ärzte und Pflegekräfte

Weltweit sind werden jährlich etwa 250 Millionen Operationen durchgeführt. 30 bis 50 Prozent der Patienten berichten über moderate oder starke Operationsschmerzen. Diese können Komplikationen verursachen, die Liegedauer verlängern und zu chronischen Schmerzen führen. Damit stellen sie einen großen Kostenfaktor dar.

Gemeinsam mit 16 Kooperationspartnern aus neun Ländern starteten die Schmerzmediziner des Universitätsklinikums Jena vor vier Jahren mit Förderung der Europäischen Kommission das PAIN-OUT-Projekt, um die Behandlung postoperativer Schmerzen zu optimieren.

Feedback, Benchmarking und Entscheidungshilfe

Das Register enthält Informationen zu Operation, Anästhesie, Schmerztherapie und Nebenerkrankungen. Bisher wurden Daten von 35.000 Patienten gesammelt, mehr als 50 Kliniken haben sich dem Projekt angeschlossen, darunter Krankenhäuser in Asien, Afrika und Nordamerika. "Wir erfassten dabei auch, wie die Patienten selbst die Qualität der Schmerztherapie aber auch Nebenwirkungen einschätzten. Diese als 'patient-reported outcomes' bezeichnete Patientenperspektive wurde bisher in medizinischen Registern kaum berücksichtigt, auch nicht in Krebsregistern", so der Koordinator des PAIN-OUT-Projektes Winfried Meißner vom Uniklinikum Jena.

Die Daten in der bisher größten internationalen Datenbank zu postoperativen Schmerzen werden nun einerseits benutzt, um den Krankenhäusern, Ärzten und Pflegekräften ihren Therapieerfolg vergleichend rückzumelden. Daneben unterstützt die Datenbank die Teilnehmer, wenn sie vor einer schwierigen Therapieentscheidung stehen: Sie können dann das Register nach ähnlichen Fällen durchsuchen und von der darin virtuell gespeicherten Erfahrung ihrer Kollegen profitieren.

Schließlich versorgt eine Leitlinien-Bibliothek die Nutzer mit den weltweit aktuellsten Therapieempfehlungen. Darüber hinaus ermöglicht das Register die Analyse der Wirksamkeit von Therapieverfahren im klinischen Alltag und bildet damit eine wichtige Datengrundlage für künftige Forschungs- und Qualitätsprojekte.

Berücksichtigung von kulturellen und Gender-Aspekten

Zwei Spezialsitzungen eines Fachsymposiums, das am 22. und 23. November am Uniklinikum in Jena stattfindet, werden sich mit ethnischen und kulturellen Aspekten sowie Geschlechtsunterschieden der postoperativen Schmerzwahrnehmung und Behandlung beschäftigen.

So konnte Esther Pogatzki-Zahn vom Universitätsklinikum Münster, Leiterin einer PAIN OUT-Arbeitsgruppe, zeigen, dass Frauen trotz höherer Schmerzintensität nach Operationen mit der Schmerztherapie genauso zufrieden sind wie männliche Patienten. Schmerztherapie muss aber individualisiert erfolgen: Höheres Alter und chronische Schmerzen erfordern eine angepasste Therapie.

PAIN-OUT wird fortgesetzt

Das Registerprojekt wird fortgesetzt und ausgebaut. Ab 2013 steht die Teilnahme an der Datensammlung und dem Ergebnisfeedback weltweit allen Klinken zur Verfügung. Ziel ist die Bildung eines weltweiten Netzwerkes für klinische und Versorgungsforschung nach dem Vorbild des deutschen Schmerzregisters QUIPS, das mittlerweile 150 deutsche Kliniken als Teilnehmer aufweist und weiter kontinuierlich wächst. (red, derStandard.at, 20.11.2012)

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