"Sie nannten mich Gary": Ein Abschieds-Interview mit Peter Westenthaler

  • Peter Westenthaler bilanziert: "Ich war immer ein Fan der geschliffenen Sprache."
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    Peter Westenthaler bilanziert: "Ich war immer ein Fan der geschliffenen Sprache."

  • Wahlkampf mit Jörg Haider, 2008.
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    foto: apa/fohringer

    Wahlkampf mit Jörg Haider, 2008.

  • Westenthaler vor Gericht in der sogenannten "Prügelaffäre": Am 29. Juli 2008 wurde er nicht rechtskräftig wegen Falschaussage zu neun Monaten bedingter Haft verurteilt. Das Urteil wurde nach einem Berufungsverfahren am 18. Juni 2009 auf sechs Monate bedingter Haft reduziert. Am 18. Juni 2012 endeten sowohl Bewährungs- als auch Tilgungsfrist zu diesem Urteil.
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    Westenthaler vor Gericht in der sogenannten "Prügelaffäre": Am 29. Juli 2008 wurde er nicht rechtskräftig wegen Falschaussage zu neun Monaten bedingter Haft verurteilt. Das Urteil wurde nach einem Berufungsverfahren am 18. Juni 2009 auf sechs Monate bedingter Haft reduziert. Am 18. Juni 2012 endeten sowohl Bewährungs- als auch Tilgungsfrist zu diesem Urteil.

  • Westenthaler vs. Strache im Wahlkampf 2006.

  • Wahlkampf-Video Westenthalers aus dem Jahr 2006 über "restriktive Ausländergesetze"

  • Westenthaler 2002 in seinem Haus in zehnten Wiener Gemeindebezirk.
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    foto: der standard/matthias cremer

    Westenthaler 2002 in seinem Haus in zehnten Wiener Gemeindebezirk.

  • Westenthaler mit Freund Frank Stronach bei einem Fußballspiel von Austria Wien 2002. Stronach war damals Austria-Mäzen, Westenthaler Bundesliga-Vorstand.
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    foto: apa/pfarrhofer

    Westenthaler mit Freund Frank Stronach bei einem Fußballspiel von Austria Wien 2002. Stronach war damals Austria-Mäzen, Westenthaler Bundesliga-Vorstand.

  • Archivbild aus dem Jahr 2002: Westenthaler mit Ex-FPÖ-Parteiobfrau Susanne Riess-Passer, Hubert Gorbach, Herbert Scheibner und Karl Heinz Grasser während einer 
Pressekonferenz nach Ende einer Sitzung des FPÖ-Bundesparteivorstandes
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    foto: apa/techt

    Archivbild aus dem Jahr 2002: Westenthaler mit Ex-FPÖ-Parteiobfrau Susanne Riess-Passer, Hubert Gorbach, Herbert Scheibner und Karl Heinz Grasser während einer Pressekonferenz nach Ende einer Sitzung des FPÖ-Bundesparteivorstandes

  • 2002: Der scheidende FPÖ-Klubobmann Peter Westenthaler überreichte ÖVP-Klubobmann Andreas Khol einen Wanderstab.
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    foto: apa/jaeger

    2002: Der scheidende FPÖ-Klubobmann Peter Westenthaler überreichte ÖVP-Klubobmann Andreas Khol einen Wanderstab.

  • Westenthaler mit Jörg Haider im Jahr 2000.
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    Westenthaler mit Jörg Haider im Jahr 2000.

  • Westenthaler über seinen Wahlkampf-Stil der 90-er-Jahre. Ausschnitt aus dem Film "Die Wahkämpfer".

Der BZÖ-Politiker über Ausländerpolitik einst und jetzt, Jörg Haider und den ORF

Peter Westenthaler hört auf. Diesmal definitiv, wie er im Interview mit derStandard.at betont. Nach der Nationalratswahl will er in der Immobilienbranche Fuß fassen und sich seinem neuen Hobby, dem Wein, widmen. Im Gespräch mit Rainer Schüller und Marie-Theres Egyed blickt er auf eine 22-jährige Karriere in der Politik zurück.

derStandard.at: Herr Westenthaler, Sie haben einmal die Fußball-Ikone Gary Lineker als ihr Vorbild genannt. Lineker hat 15 Jahre lang keine einzige gelbe oder rote Karte bekommen. Gibt es da nicht einen gewissen Widerspruch zu Ihrem Auftreten?

Westenthaler: Meine Fussballfreunde haben mich früher mit Gary Lineker verglichen, weil ich in meiner jugendlichen Fußballerzeit angeblich einen ähnlichen Spielstil hatte. Deswegen haben mich meine Freunde Gary genannt. In meiner Fußballerkarriere wurde ich nur einmal ausgeschlossen. Da ist die Hitze des Gefechts mit mir durchgegangen. Ich habe aber mehrere gelbe Karten bekommen.

derStandard.at: Und in der Politik?

Westenthaler: Ich war immer ein Fan der geschliffenen Sprache. Auch der Auseinandersetzung. Aber ich habe manchmal über die Stränge geschlagen - mehr als Gary Lineker. Wenn man auf 22 Jahre Politik zurückblickt, tut mir heute auch manches leid. Im Nachhinein gesehen ist das nicht immer der Stil, den man pflegen sollte.

derStandard.at: Zu sagen, ich höre auf und wenn ich jemand beleidigt haben sollte, dann tut es mir leid, ist doch der klassische Jörg Haider-Schmäh. Was konkret bereuen Sie und bei wem wollen Sie sich entschuldigen?

Westenthaler: Es gibt einige Fälle, aber das ist etwas Persönliches. Ich habe es den Meisten, die ich meine, schon persönlich gesagt, und in dieser Sache Frieden gemacht.

derStandard.at: Ihr ehemaliger Parteikollege, Ex-Staatssekretär Eduard Mainoni, hat in einem sehr offenen Interview einmal gemeint, dass Sie dafür bestimmt waren, die C- und D-Wählerschichten und die Proleten abzudecken.

Westenthaler: Das Schlimme an dem Interview war damals, dass er es boshaft und abwertend gemeint hat. Ich habe aber nichts gegen Proleten. Das ist für mich kein Schimpfwort, das sind für mich Menschen aus einfachen Verhältnissen. Sie verdienen genauso Respekt, wie Menschen, denen Macht, Ruhm und Geld in die Wiege gelegt wurden. Ich habe mich auch an die Position selbst heran arbeiten müssen, die ich letztlich hatte.

derStandard.at: Wie schaut der typische Peter Westenthaler-Fan aus?

Westenthaler: Es wäre präpotent und abgehoben zu behaupten, dass ich Fans habe. Es gibt Leute, die haben Respekt vor dem, was ich in der Politik geleistet habe und dann gibt es Leute, die mich abgrundtief hassen. Dazwischen gibt es wenig. Ich hab mein ganzes politisches Leben polarisiert, die Leute, die sagen "ja, aber" sind dünn gesät.

derStandard.at: Waren Sie der menschliche Schutzschild für Jörg Haider?

Westenthaler: Nicht nur für Jörg Haider, sondern für die Partei. Als Generalsekretär bist du einerseits die Speerspitze der Partei, was den Angriff anbelangt, du bist aber auch der Schutzschild, was die Verteidigung anbelangt. Ganz vorne an der Spitze wird nicht mit dem Florett gefochten, sondern mit dem Hammer und schwererem Gerät. Hier wird man nicht beliebt.

derStandard.at: Sie haben 2002 den Hut genommen, sind aber als BZÖ-Spitzenkandidat 2006 wieder zurückgekommen und haben mit einem sehr scharfen Anti-Ausländer-Wahlkampf wieder polarisiert. Vorige Woche haben Sie im Parlament gemeint, dass Zelte für Flüchtlinge unmenschlich seien. Was ist passiert?

Westenthaler: Ich finde Zelte für Asylanten generell und im Winter besonders falsch und unmenschlich. Es stimmt, wir sind damals eine sehr kantige, restriktive Zuwanderungspolitik gefahren, die aber auch in der damaligen Zeit notwendig war.

derStandard.at: Es war jedenfalls ein Anti-Ausländerwahlkampf, der die damalige FPÖ in den Schatten stellte. Uns ist auch keine Aussage von damals bekannt, mit welcher Sie auf die unmenschliche Behandlung von Nicht-Österreichern hingewiesen hätten.

Westenthaler: Damals gab es auch die Situation nicht. Es gab Raumknappheiten, aber da konnten wir nichts dafür, sondern die Asylverfahren haben einfach zu lange gedauert.

derStandard.at: War ein harter Anti-Ausländerwahlkampf immer nur Mittel zum Zweck der Wählerstimmen-Maximierung, wie Ihr Kollege Mainoni im besagten Interview meinte?

Westenthaler: Das ist inhaltlich und historisch einfach falsch. Wenn man sich die 1990er-Jahre anschaut: Wir haben mit unseren Forderungen von damals sicher Schaden von Österreich abgehalten. Das war die Zeit, in der in anderen Städten aufgrund ethnischer Konflikte die Vororte gebrannt haben. In Österreich war das nie der Fall.

derStandard.at: Heute scheint Straches FPÖ das Monopol auf die Ausländerhetze zu haben. Kann man damit eigentlich noch punkten?

Westenthaler: Mit Hetze kann man niemals punkten. Hätte es damals die Aufarbeitung dieses Themas nicht durch die FPÖ und Jörg Haider gegeben, wäre das explodiert. Es war in der Bevölkerung eine aufgeschaukelte Stimmung.

derStandard.at: Zu der Sie mit der damaligen FPÖ ihren Beitrag geleistet haben.

Westenthaler: Nein, das ergibt sich ja. Wenn ich im 15. Bezirk wohne und merke, rund um mich ist kein Wiener mehr, da braucht es keine FPÖ und keinen Haider, da regt sich etwas in den Menschen.

derStandard.at: Die FPÖ hat die Stimmung geschürt.

Westenthaler: Wir haben sie nicht geschürt, wir haben sie kanalisiert. Das ist ein Unterschied. Wir haben die Probleme nicht ignoriert, sondern eine Diskussion möglich gemacht. Hätten wir damals das Problem nicht aufgegriffen, gäbe es vielmehr ethnische und soziale Spannungen. Wir haben die Dinge beim Namen genannt, ich stehe dazu.

derStandard.at: Also keine Altersmilde bei Ihnen?

Westenthaler: Ich bin insgesamt milder und gelassener geworden. Ich bin aber nach wie vor davon überzeugt, dass unser Weg der richtige war und Österreich viel geholfen hat. Heute kann man aber mit der Politik von damals nicht reüssieren, heute muss man differenzierter vorgehen.

derStandard.at: Sie haben unlängst gesagt, dass alles nur noch lächerlich und schlechtgemacht wird: Wer trägt Schuld daran?

Westenthaler: Alle. Es herrscht in der Politik ein degeneratives Klima. Sie ist schlecht, das ist der Fehler der Politik. Und sie wird noch schlechter gemacht, das ist der Fehler jener, die Politik kommentieren und persiflieren.

derStandard.at: Was sollte geändert werden?

Westenthaler: Die komplette Geschäftsordnung des Parlaments gehört entrümpelt, neu und lebhafter gemacht. Schauen Sie sich die Debatten in anderen Ländern an, wie beispielsweise das Instrument der Zwischenfrage in Deutschland. Bei uns werden oft nur von wem auch immer aufgeschriebene Reden vorgelesen und das sogar nicht einmal unfallfrei. Es gibt Abgeordnete, die keine zehn Sätze unfallfrei vom Blatt lesen können. Das ist zum Genieren.

Es wäre auch eine Idee, dass jeder Abgeordneten nur zweimal gewählt werden darf. Das würde immer für Auffrischung sorgen und die Abgeordneten entsprächen einem repräsentativen Schnitt aus der Bevölkerung. Jeder Abgeordnete muss einen Beruf haben. Es muss aufhören, dass im Parlament Leute sitzen, die seit zwanzig oder dreißig Jahren dasselbe machen, nämlich die Regierungsvorgaben abnicken.

Das Parlament braucht auch einen Legislativdienst. Österreich ist das einzige Land in Europa, wo das Parlament nicht in der Lage ist, Gesetze zu schreiben. Da gibt es Parlamente in Entwicklungsstaaten, die weiter sind als wir.

derStandard.at: Wertet das Team Stronach das Parlament auf?

Westenthaler: Jede neue Bewegung tut gut. Egal, wer sich das antut, man muss den Hut ziehen. Bei Frank Stronach ist es besonders bemerkenswert, weil er ein Mann ist, der in seinem Leben gezeigt hat, dass er es kann. Genauso bin ich der Meinung, dass Josef Bucher eine Chance mit dem BZÖ verdient hat. Ich glaube auch, dass er es schafft.

derStandard.at: Auf wen würden Sie bei einer Wette um den Einzug ins nächste Parlament setzen: BZÖ oder Team Stronach?

Westenthaler: Wetten tut man im Sport auf Pferde oder im Fußball, aber das ist die Politik.

derStandard.at: Anders gefragt: Wen werden Sie wählen?

Westenthaler: Ich war gewählter Obmann des BZÖ, es bleibt daher meine politische Heimat.

derStandard.at: Stichwort Glücksspiel: Wie ist der Stand der Ermittlungen der Salzburger Staatsanwaltschaft gegen Sie?

Westenthaler: Das weiß ich nicht, das müssen Sie die Staatsanwaltschaft fragen. Seit eineinhalb Jahren habe ich von denen nichts mehr gehört.

derStandard.at: Das BZÖ soll über ein achtseitiges Pseudogutachten 300.000 Euro bekommen haben. Es gab auch Aussagen im U-Ausschuss, wonach Sie involviert waren.

Westenthaler: Nicht das BZÖ, sondern eine Werbeagentur. Die Vorwürfe sind absurd. Ich war damals Spitzenkandidat und Parteiobmann des BZÖ, nicht Geschäftsführer, Buchhalter, Kassier oder Finanzreferent. Ich habe die Zeit meiner Obmannschaft von einem international renomierten Wirtschaftsprüfungsinstitut prüfen lassen, und habe einen Erfolg bekommen, der einwandfrei ist. Von den Wahlkampfspenden von den Casinos und der Telekom habe ich erst im viel später Nachhinein aus dem Medien erfahren.

derStandard.at: Anderes Thema, die Eurofighter. Es gibt ständig neue Meldungen über Ungereimtheiten. Sie sollen bei einem Treffen in Grinzing vor der Typenentscheidung dabei gewesen sein.

Westenthaler: Ich war öfters in Grinzing, den vorzüglichen Wein genießen. Aber ich war bei keinerlei Typenentscheidung oder Vorbereitung dabei. Da habe ich ein sehr, sehr reines Gewissen. Ich war Klubobmann der Parlamentsfraktion, nicht Regierungsmitglied.

derStandard.at: Glauben Sie, dass in der Causa Eurofighter alles supersauber war?

Westenthaler: Das kann ich nicht beurteilen. Die halbe Welt ermittelt jetzt zu den Gegengeschäften. Die Aufdeckungssheriffs reiten. Ich bin gespannt, was da rauskommt.

derStandard.at: Es gibt Spuren in Richtung Kärnten und Jörg Haider. Stichwort Lakeside-Stiftung. Haben Sie dazu eine Wahrnehmung?

Westenthaler: Nein. Ich kann nur die politische Zeit bewerten, in der ich selbst anwesend war. Ich bin 2002 aus der Politik ausgeschieden und war vier Jahre lang nicht politisch tätig. Was in diese Zeit fällt, kommentiere ich nicht. Aber bisher scheinen mir die sogenannten Spuren zu Haider äußerst dürftig und eher parteipolitisch motiviert zu sein.

derStandard.at: Sollte es zu einem Rücktritt vom Eurofighter-Vertrag kommen?

Westenthaler: Wenn nachweisbar ist, dass es einen Zustand gibt, der die Möglichkeit eröffnet, von diesem Vertrag zurück zu treten, wird die Regierung so entscheiden. Davon gehe ich aus.

derStandard.at: Eine andere Causa - Die Hypo Alpe Adria bekommt wieder Millionen vom Steuerzahler. Wer ist für dieses Debakel verantwortlich?

Westenthaler: Die ganze Hypo-Causa ist so ein undurchschaubarer Dschungel mittlerweile, dass man es gar nicht seriös kommentieren kann. Vergessen wir aber auch nicht das Desaster bei anderen Banken in Österreich, Stichwort: Kommunalkredit und andere.

derStandard.at: Sie könnten es mit der Zeit von Jörg Haider versuchen.

Westenthaler: Da gibt's meinerseits nichts zu kommentieren, weil ich da nicht in der Politik war und es deshalb nicht beurteilen kann. Und ich schon gar nicht jemand, der verstorben ist, in eine undifferenzierte Bewertung miteinbeziehe. Ich kann nur die Zeit bewerten, in der ich im Parlament war. Da wurde seitens der Rot-Schwarzen Regierung die Notverstaatlichung durchgeführt. Wie man heute weiß, war das ein Fehler.

derStandard.at: Hat sich Ihre Einschätzung zu Jörg Haider geändert?

Westenthaler: Überhaupt nicht. Ganz im Gegenteil. Jörg Haider muss jetzt in vielen Bereichen herhalten, weil er sich nicht wehren kann. Das ist in ganz schäbiges Spiel.

derStandard.at: Den ORF hätten wir noch auf der Fragenliste.

Westenthaler: Um Gottes Willen!

derStandard.at: Sind Sie mit der Arbeit von General Wrabetz zufrieden?

Westenthaler: Nein.

derStandard.at: Aber es war Ihr Ticket, das ihn an die Spitze gebracht hat.

Westenthaler: Ja, aber das ist eben eine von mehreren Enttäuschungen für mich.

derStandard.at: Wie oft haben Sie beim ORF angerufen?

Westenthaler: (Lacht.) Wann?

derStandard.at: In Ihrer gesamten Karriere.

Westenthaler: Das waren drei Phasen. Die erste in den 90-er-Jahren, wo die FPÖ unter Jörg Haider sehr oft sehr ungerecht behandelt wurde, also entweder gar nicht vorgekommen ist, oder sehr verzerrt. Wir haben damals auch sehr viel prozessiert. Es war meine Aufgabe als Generalsekretär dort anzurufen und zu sagen: Freunde, das ist falsch.

Die zweite Phase war in der Regierungszeit. Da kann ich mich an zwei Anrufe erinnern. Einer davon wurde berühmt, weil ich in eine Sendung ohne mein Wissen überraschend live hineingeschaltet wurde. Das war so skurril. Ich habe das dann, das gebe ich zu, weidlich ausgenutzt. Ich habe eine Suada losgelassen, die recht anständig war. Wenn man mich lässt, tu ich's. Kein Problem.

Dann kam die Phase nach meinem Rücktritt. Da ist logisch, dass ich da überhaupt nicht mehr angerufen habe, außer beim Hörer- und Seherservice, wenn mich etwas geärgert hat. Seit ich BZÖ-Politiker bin, habe ich überhaupt nie wieder beim ORF angerufen.

derStandard.at: Was würden Sie sich vom ORF wünschen?

Westenthaler: Ich würde mir mehr Qualität wünschen. Denn, was jetzt passiert, ist der Abgesang eines öffentlich rechtlichen Runfunks.

derStandard.at: Was missfällt Ihnen konkret?

Westenthaler: Zur Zeit darf der ORF offenbar alles: Den Schläger Sido als Vorbild für unsere Jugend zurückholen und Drogen-Konsum im eigenen Haus verharmlosen, auf ORF III wurde ein Film gespielt, wo eine Pornoszene gezeigt wurde. Ich bin nicht prüde oder was, aber im öffentlich-rechtlichen Fernsehen darf man das eben nicht machen. Oder die Geschichte mit Alaba und Stronach bei Stermann & Grissemann: Das ist unzulässig, was da passiert ist, das war ein letztklassiger rassistischer Gag.

derStandard.at: Wie finden Sie die politischen Formate im ORF?

Westenthaler: Grundätzlich nicht so schlecht, aber zum Beispiel die Diskussionssendung mit Scheuch, Kramar und Co. unlängst war doch auch unfassbar. Das war ein Niveau, das in einem Privatfernsehen durchfallen würde. Auf der anderen Seite macht ein Stefan Raab, ein Comedian, eine Demokratieshow in einem privaten Sender, die alle Stückl‘n spielt. Ich hab das sensationell gut gefunden.

derStandard.at: Sollte Politik mehr Show sein?

Westenthaler: Ich habe lieber Unterhaltung gemischt mit Information als eine niveaulose letztklassige Debatte, wo mir die Füße einschlafen.

derStandard.at: Die Auftritte von Frank Stronach haben das Niveau aber auch nicht unbedingt in lichte Höhen gebracht.

Westenthaler: Warum? Jeder Auftritt von Frank Stronach hat bisher Quoten gehabt, wie nie zuvor.

derStandard.at: Weil es so skurril war.

Westenthaler: Nein, weil er anders auftritt, nicht skurril. Das lasse ich nicht gelten. Der Frank Stronach macht eines: Er tritt nicht so auf wie das Establishment, sondern authentisch.

derStandard.at: Indem er Journalisten beschimpft.

Westenthaler: Er hat niemanden beschimpft. Ganz im Gegenteil, er war mit der Ingrid Thurnher sogar per Du: Sagn wiar du, Ingried. Das war großes Kino!

derStandard.at: Eben: Skurril.

Westenthaler: Nein, nicht skurril. Es war außer der Norm, das stimmt und das ist nicht schlecht oder langweilig. Es ist aber so, dass die Menschen das schätzen, dass einer einmal nicht so ist, wie alle anderen auch. Das wird letztlich auch sein großer Vorteil sein bei der Wahl, davon bin ich überzeugt.

derStandard.at: Wir werden es sehen. Stört es Sie, dass Sie von manchen immer noch Hojač genannt werden?

Westenthaler: Ach, der alte Hut. Ich war 1984, als ich die Namensänderung durchführte, in der Schule und wollte Profifußballer werden. Erst 1987 bin ich zur FPÖ gegangen. Dass die Namensänderung mit meinem Politikeinstieg drei Jahre später zu tun haben soll, wie manche immer noch behaupten, ist Schwachsinn.

Zwischen meinen Eltern stand eine Trennung im Raum. Ich war auf der Seite meiner Mutter. Dann habe ich ihren Namen angenommen. Übrigens heute völlig normal, man kann sich das heute sogar aussuchen. Damals war das mit Kosten verbunden.

Ein halbes Jahr später haben sich meine Eltern wieder vertragen, da hätte ich den Namen wieder umändern können. Das hätte aber wieder etwas gekostet. War halt nicht so. Es war mir damals wurscht und es ist mir heute wurscht. Wie jemand heißt, ist außer fürs Passwesen völlig irrelevant.

derStandard.at: Sie haben schon einmal Adieu gesagt, waren dann aber wieder da. Jörg Haider hat das sehr oft so gemacht. Schließen Sie eine Wiederkehr in die Politik diesmal aus?

Westenthaler: Ich habe gelernt, im Leben nichts ganz auszuschließen. Ich habe die Zeit zwischen 2002 und 2006 auch ohne Rückfallserscheinungen zur Droge Politik sehr gut überlebt. 2006 hat mich Jörg Haider zum Wieder-Eintritt gebeten, das war eine außerordentliche Situation. Da es diese Situation kein zweites Mal geben wird, schließe ich die Rückkehr jedoch aus. (Rainer Schüller, Marie-Theres Egyed, derStandard.at, 20.11.2012)

Links:

Biographien von Peter Westenthaler auf der Homepage des Parlaments, wikipedia und auf der BZÖ-Seite.

Aktuelles Porträt von Peter Westenthaler im profil.

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Stermann und Grissemann haben Stronach verarscht, nicht Alaba.

Das der Hojac den Schmäh genau so wenig kapiert wie sein ehemaliges Zielpublikum gibt nicht zu denken auf, sondern war vorhersehbar

Eigentlich genau das,...

...was ich damit aussagen wollte :).

da hab ich Sie komplett falsch verstanden, sorry. Bei der Stricherlverteilung dürft ich wohl nicht der einzige gewesen sein ;)

+

Genau das, was ich versucht habe auszudruecken. Im Forum hier gingen ja die Wogen hoch bezueglich des angeblich rassistischen Sketches.

sterman und grisseman

muß man wirklich erst lernen zu verstehen. gar nicht so einfach sich auf so ein niedriges niveau herabzulassen...

Endlich

einer weniger - der nicht fehlen wird...

wenn da nicht noch so viele andere noch wären

Ist Gary ein Synonym für Schoitl?

der Terminus "Politiker" in Zusammenhang mit Westenthaler bereitet immer wieder Übelkeit

Na wenigstens nicht Gary Glitter.

ein Weinkopf

Der Oberweinkopf ist aber schon noch Euer Wiener blader Bsuff.

land der kriminellen im parlament

ist offensichtlich für alle parlamentsparteien
normal

reife Leistung

22 Jahre in der Politik und offenbar nirgends dabei, oder gerade anderweitig Beschäftigt, oder zu diesem Moment just nicht involviert. Eine seiner Fähigkeiten ist scheinbar gutes Timing.

Is ja lustig

Normal würde sich jemand von Peter Westenthaler auf Gary Hojac umbenennen, weil's cooler klingt. Aber umgekehrt?! Hahaha

hm

naja, das finden sie. andere finden womöglich den anderen namen cooler.

Er hat zweifellos Großes geleistet!

Aber wer bewahrt uns in Zukunft vor Halbmonden auf Berggipfel?

yep, was uns der sinnlos geld gekostet hat.

manchmal sieht man auch Voll- und Neumond am Berggipfel. Das ändert sich meist alle 28 Tage.

Ein Interview mit Hojac....

....mir graust!

vielleicht
ist es eh das letzte..........

das war die gute Nachricht

Vom Agitator zum elder Statesman

Ich spüre ein leichtes Unbehagen im Hals, oder auf
Hojac-Deutsch: Mich reckt´s.

Ich mag den Satz:

"Von den Wahlkampfspenden von den Casinos und der Telekom habe ich erst im viel später Nachhinein aus dem Medien erfahren."

und die welt

ist nach wie vor eine scheibe.....

Ich war immer ein Fan der geschliffenen Sprache.

was für ein selbst(betrugs)bildnis... ein zeugnis dafür, dass kaum ein politiker zur selbstreflexion bereit oder imstande ist....

21.11.2012, 09:34
warum

Ein -sagen wir- Ronaldo-Fan glaubt auch nicht, er kickt wie Ronaldo

"Wenn ich im 15. Bezirk wohne und merke, rund um mich ist kein Wiener mehr, da braucht es keine FPÖ und keinen Haider, da regt sich etwas in den Menschen."

ein tatsächlich 'ehrlicher und anständiger' politiker würden diesen leuten erklären, dass ihr nachbar weder wiener noch türke oder sonstwas ist, sondern ein MENSCH!
eine a-loch-partei hingegen hetzt sie auf, präsentiert ihnen einen vermeintlich schuldigen für all ihre probleme und statt sie zu lösen, verschlimmert sie sie sogar!

hm

genau hier hat er recht. das hab ich selbst mitbekommen. da gibt's kein wiener flair mehr. alle alten wiener geschäfte verschwunden. nur noch ramschläden, wettbüros, türkenshops etc. Und Fakt ist, dass man dort deutsch eher selten gehört hat. Das war keine hiesige Kultur mehr, auch net von den Leuten. Bin froh, dort wegzusein. Jeder, der hier groß redet, sollt mal selbst dort wohnen. Genau dort spürt man es, genau dort wird Wien immer weniger und klar ist, dass einem das nicht gefallen muss, man muss deshalb noch lang kein schlechter Mensch sein, warum auch. Auch klar, weshalb dort kein Kultur-Österreicher mehr leben will. Leben sie dort, wenn es ihnen dort so gefällt!

würden alle, die sich über die zustände im 15. aufregen, auch dort wohnen,

...dann hätten wir dort die höchste bevölkerungsdichte weltweit.

@ tatsächlich dort wohnende "kultur-ösis":
wurde auch NUR EINEM EINZIGEN geholfen mit der fpö-hetze? nichts als böses blut und eskalation haben deren rechtsstaatlichen prinzipien widersprechende und menschenverachtende 'ideen' und aussagen gebracht!

aprops: ich glaubte bisher, der begriff 'leistungsträger' sei der gipfel an idiotie. doch der 'kulturträger' eröffnet neue dimensionen.

Die alten Geschäfte verschwinden in der ganzen Stadt (in jeder Stadt). Das liegt v.a. am Verdrängungswettbewerb mit den Supermärkten und Shopping Malls, nicht an den Bewohnern - außer insofern, als die eben offenbar lieber im Supermarkt einkaufen, als im Laden ums Eck.

Dass Ihnen der 15. nicht gefällt sei Ihnen unbenommen. Schön ist er ja nicht, aber eben ein angenehmer Wohnbezirk.

Keine Ahnung was Sie unter "Kultur-Österreicher" verstehen. Die Angedudelten beim Heurigen? Die Andächtigen bei der Fronleichnamsprozession? Die gehen zumindest mir hier im 15. nicht ab. Mir reichen die (in Ihrer Diktion wohl autochthonen) Bsoffenen, die regelmäßig nach dem Besuch beim Wirtn den Hauseingang mit einem Pissoir verwechseln.

Ich weiß schon, sie haben's gut gemeint, aber den Leuten im 15. - also unter anderem mir - braucht jemand wie der garnix erklären. Im Gegenteil, jemand sollte ihm erklären, was Sie hier ansprechen. Allein, er wird's nicht kapieren.

jemand der in wien wohnt ist ein wiener

und aus basta.

hm

Fakt ist, dass andere Kulturen nicht jederman gefallen müssen... Und Fakt ist, dass sich Österreicher dort nicht mehr wohlfühlen, was sich auch daran zeigt, dass dort immer weniger Kultur-Österreicher wohnen wollen. Das sind einfach Fakten und deshalb sind die Österreicher, die von dort wegziehen, keine schlechten Menschen, sie habens einfach satt, in solchen Distrikten zu wohnen, wo man Wiener Flair mit der Lupe sucht

"Ich habe aber nichts gegen Proleten. Das ist für mich kein Schimpfwort, das sind für mich Menschen aus einfachen Verhältnissen."

nichts gegen menschen aus einfachen verhältnissen mit simplem verstand.
aber alles dagegen, diesen menschen nach dem mund zu reden und ihnen den eindruck zu vermitteln, ihre froschperspektive entspreche dem blickfeld eines adlers!

damit nämlich belügt man sie und zeigt, dass man keinerlei respekt vor ihnen hat. wie es in sich auf den 'volkswillen' berufenden führerparteien so üblich ist.

vermissen werde ich ihn nicht...

...weil ich ihn schlecht für österreich finden; aber man muss ihm lassen, dass er sich bei diesem kritischen interwiew nicht in die enge treiben ließ.

so offensiv mögen bitte alle standard interviews mit politikern ablaufen...

Dieser Fallott ist die wahre Verkörperung des Mackie Messers in heutiger Zeit.

an der themse grünen wasser
fallen plötzlich leute um
es ist weder pest noch cholera
doch es heist: makie geht um

wie kann man sich in diesem haus (siehe einrichtung und tischdecke) nur wohl fühlen. Das ist ja unpersönlich und schiach. Wie eine wohung aus einem zeugenschutzprogramm.

der wird sich nie ändern!

Bleibts allgemein, wirkt er ruhig, fast schon reflektiert. Wirds konkret, kommen Sätze wie: "Die Aufdeckungssheriffs reiten." (((-;

Ich liebe diesen jargon, den ja der Westenthaler miterfunden hat! Aber das muss ich ja sagen, schließlich bin ich ja ein "selbsternannter Gralsritter der Vernunft". Wobei ich jetzt nicht annehme, dass der Westenthaler je "Asche auf sein Haupt streuen und einen Canossagang antreten wird!"

HAHAHA!!!

frage: wieso, herr westenthaler, geben sie heute ihren rücktritt bekannt,beziehen aber für 14 weitere monate ein sehr sehr gutes gehalt als NR-abgeordneter.

sie kassieren nun etwa 120tsd. euro brutto für nichts. wissen sie, wie man so jemanden nennt? sozialschmarotzer! so nennt man jemanden, der sich öffentliche gelder legal, aber ohne berechtigung und gegenleistung unter den nagel reisst.

aber letztendlich rundet diese frechheit den eindruck den sie in den letzten 25 jahren hinterlassen haben nur noch ab....

wenn sie heute wissen, dass sie in einen jahr eine andere arbeitsstelle haben werden

würden sie dann heute schon beim alten arbeitgeber kündigen ?

bei den fpbzö-lern gings doch auch nur um dialektik und nie um inhalte. ich denke, das wollte der vorposter damit vermitteln.

ist aber, zugegebenermaßen, selbst für den freund der geschliffenen sprache nicht leicht zu verstehen ...

dann such dir einen Sachwalter!

politisch gesehen war mir dieser mensch immer ein graus. Mehr noch: ich hab ihn als recht gefährlich empfunden. Aber man muss ihm lassen, dass er authentisch ist. Gut dass er das jetzt nicht mehr im nationalrat macht. Wünsche gute weine und möglichst korrekte geschäfte.

21.11.2012, 08:24
Ein Blender und Täuscher bis zum Schluss!

der geht nur deswegen aus der Politik, weil das BZÖ zu tausend Prozent bei den nächsten Wahlen aus dem NR fliegt!

...und um, nach reiflichen Überlegen und wegen tausender Aufforderungen,

doch wiederzukommen - machen doch alles irgendwie ihrem Herren und Meister nach.
js

Ein einziges rotes Stricherl...

...auf dieser Seite, das hab ich noch nie gesehen !!!
Spricht für sich !!!

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