AUA-Chef erwartet steigende Flugpreise

Ab Jänner wird mit dem Bodenpersonal über die Löhne verhandelt. Nach Niki-Rückzug von Oststrecken überlegt die AUA, die Lücke zu füllen

Wien/Schwechat - Für AUA-Chef Jaan Albrecht kam der Rückzug des Konkurrenten Niki (flyniki) aus einigen Osteuropa-Destinationen nicht überraschend. Während die Air-Berlin-Tochter Niki ihre Direktflüge von Wien nach Sofia, Bukarest und Belgrad aufgibt, wird die AUA (Austrian Airlines) ihre Flugverbindungen dorthin "möglicherweise aufstocken", erklärte er. Ob das Ende von Kampfpreisen auf diesen Geschäftsreisestrecken auch Preiserhöhungen auf AUA-Tickets bringt, ließ Albrecht offen.

Sprit und Steuern

"Klar, wir sagen, dass Fliegen teurer wird, insgesamt", sagte Albrecht am Montag im "Zigarren Klub" in Wien. Das liege aber an neuen Belastungen wie hohen Spritpreisen, Klimazertifikaten, Steuern und Kostenstrukturen. Preise festzusetzen sei ein dynamischer Prozess. Natürlich schaue man auch, was die Konkurrenz mache. Es gebe kein Argument, dass nach Sofia die Preise steigen, weil es weniger Flüge gebe. "Nicht als Prinzip."

In den letzten sieben Jahren, so Albrecht, seien die Treibstoffpreise für die Luftfahrt auf das Doppelte explodiert. In der selben Zeit hätten sich die Ticketpreise halbiert.

Osteuropa bleibt wichtig

Air Berlin hat vorige Woche bekannt gegeben, Sofia, Bukarest und Belgrad ab Sommer 2013 nicht mehr von Niki direkt ab Wien anzufliegen, sondern via Berlin. AUA und Niki lagen auf diesen Kursen in einer Preisschlacht. Niki hatte dort zuletzt weiter ausgebaut. Dass AUA und Niki in diese Märkte 7 bis 8 Flüge pro Tag anboten, sei den Verkehrsströmen "nicht angemessen" gewesen, verglichen mit 10 täglichen Flügen Wien-Frankfurt, meinte Albrecht. Die AUA jedenfalls halte an diesen Kursen strategisch fest, wie überhaupt an der Osteuropa-Ausrichtung.

Dass sich Air Berlin neu ausrichte und einige Routen nach Osteuropa nicht mehr weiter betreibe, folgt für Albrecht "einer gewissen Logik in der Fliegerei". Überall auf der Welt gebe es Platzhirsche, die auch die Drehkreuze betrieben. Überall wo sich zwei um die letzten Kunden zerrissen hätten, seien Blutbäder entstanden. Der Passagier habe zunächst Vorteile gehabt, weil es billiger wurde. Aber wenn nur mehr ein einziger Anbieter geblieben sei, seien die Preise in die Höhe getrieben worden. In Wien will die AUA Platzhirsch sein, aber es müsse Konkurrenz geben.

Billig-Anbieter im Vorteil

Die Airline-Industrie ist für Albrecht im Höchstmaß durch externe Krisen beeinflusst. Viele Ikonen der Branche hätten es nicht geschafft oder kämpften gerade gegen den Bankrott. Stichwort: Spanair, Malev oder SAS. Bei allen stolzen Airlines, die die Namen ihrer Länder trugen, sei Riesenbedarf an Modernisierung. 

Billig-Anbieter wie Easyjet haben es ohne Traditionsbürde hier leichter. Der britische Billigflieger hat seinen Gewinn kräftig gesteigert. Das Unternehmen wies am Dienstag für das Ende September abgeschlossene Geschäftsjahr einen um 28 Prozent gestiegenen Vorsteuergewinn von fast 400 Millionen Euro aus.

AUA Teil der heimischen Kultur

Albrecht - seit genau einem Jahr als AUA-Chef im Amt - hat nach eigenem Bekunden zwischenzeitig verstanden, wieviel die AUA für ein Land wie Österreich bedeutet. "Sie haben die Austrian Airlines lieb." Als er vor einem Jahr Bestandsaufnahme gemacht habe, sei der Befund nicht positiv ausgefallen. Die AUA sei damals schon zwei Jahre privatisiert gewesen - "auf dem Papier", nicht in der Kultur bzw. im Kollektivvertrag (KV). Die Airline war wie berichtet absturzgefährdet.

Das zu Ende gehende Jahr - mit Kündigung des Bord-KV, Betriebsübergang, Flottenbereinigung - sei hart gewesen. "Wir haben uns zu viel mit uns beschäftigt in dem Jahr", glaubt Albrecht. Die AUA sei bei weitem nicht saniert. "Das ist ein Wort, das ich nicht gebrauche." Es sei in der Firma auch ziemlich verpönt. "Aber sie ist stabilisiert." Noch gebe es viele Baustellen.

Wunsch des Chefs: Null-Lohnrunde für 2013

Ab Jänner will Albrecht nun mit dem Boden-Betriebsrat und den Gewerkschaften verhandeln - auch hier über eine KV-Reform. Es gehe um Produktivitätsstärkungen u.a. im Bereich Technik. Laut AUA geht es im wesentlichen darum, das 2012 geschnürte KV-Modernisierungspaket für die Bodenbeschäftigten zu Papier zu bringen. Teil dieses Pakets ist eine Null-Lohnrunde für 2013, aber auch ein Ausstieg aus dem bestehenden Pensionskassenmodell.

Das vor einem Jahr aufgesetzte Sanierungsprogramm solle die AUA zukunftsfähig machen, sagte Albrecht. "Wir wollen nicht, dass die rotweißrote Heckflüsse blau oder gelb oder grün angestrichen wird. Austrian wird auch nicht irgendwann Luftaustria oder Austrianhansa heißen. Die Marke Austrian hat einen wahnsinnigen Wert." DIe Lufthansa solle einmal sagen können, dass der AUA-Kauf ein guter Deal war. "Vielleicht nicht der beste, aber ein guter Deal." Für 2013 ist Albrechts Renditeziel noch bescheiden: Ziel ist eine Ebit-Marge von 4 Prozent, "vom Keller kommend". (APA, 20.11.2012)

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