Ratingriese nimmt Frankreich Triple-A weg

20. November 2012, 10:52
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Das Land verliert seine Topbonität, weil es an Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt habe, erklärte Moody's

Paris/Frankfurt am Main - Rückschlag für die Bemühungen um eine Beilegung der Schuldenkrise: Die US-Ratingagentur Moody's hat Frankreich die Topbonität entzogen und die Kreditwürdigkeit des Euro-Landes um eine Note von "Aaa" auf "Aa1" gesenkt. Der Ausblick bleibt negativ, damit droht eine weitere Herabstufung. Frankreich kritisiert das, die Herabstufung stelle die wirtschaftlichen Fundamentaldaten des Landes nicht infrage, sagte Finanzminister Pierre Moscovici.

Das Unternehmen begründete den Schritt damit, dass sich Frankreichs langfristige wirtschaftliche Wachstumsaussichten eingetrübt hätten. Das Land habe an Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt. Es sei auch immer weniger berechenbar, wie Frankreich künftige Schocks in der Eurozone verkrafte.

Ins gleiche Horn bläst der Internationale Währungsfonds (IWF). Er hat Frankreich vor einem Zurückfallen hinter Italien und Spanien gewarnt. Der IWF fordert in seinem Länderbericht Paris auf, seine Arbeitskosten und Steuern zu reduzieren. Zudem würde die geplante Reichensteuer, die Wettbewerbsfähigkeit gefährden.

Reformen gefragt

Die sozialistische Regierung in Paris machte ihre konservativen Vorgänger für die Herabstufung verantwortlich. Die Moody's-Entscheidung reflektiere, dass die Vorgängerregierungen zu wenig für die Haushaltssanierung und die Wettbewerbsfähigkeit der französischen Wirtschaft getan hätten, kommentierte Finanzminister Moscovici. Die seit Mai amtierende sozialistische Regierung unter François Hollande habe hingegen entschlossen Reformen eingeleitet und werde dies auch weiter tun. Die französischen Staatsanleihen gehörten weiterhin zu den sichersten in der Eurozone, teilte Moscovici mit.

Ein schlechteres Rating kann die Geldbeschaffung am Kapitalmarkt verteuern. Moody's ist dabei nicht die erste Ratingagentur, die sich Frankreich vorknöpft: Standard & Poor's hatte bereits im Jänner das Land auf die zweitbeste Note von hier "AA+" abgewertet. Damit hält lediglich Fitch noch ein sogenanntes Triple-A aufrecht, wenngleich auch hier mit negativem Ausblick.

Deutschland primus inter pares

Die Abwertung wirkt besonders schwer, weil Frankreich zu den größten Volkswirtschaften und Geldgebern Europas gehört. Auch andere Euroländer haben in der Schuldenkrise bereits an Bonität eingebüßt. Deutschland besitzt bei allen drei Ratingagenturen weiterhin ein Spitzenrating; bei Moody's ist allerdings der Ausblick ebenfalls negativ. Die Bonitätswächter schauen sich den Fortgang der Schuldenkrise sehr genau an. 

Österreich hatte bei S&P Anfang des Jahres seine Topbonität verloren und wird von den Amerikanern jetzt nur mehr mit AA+ bewertet. Moody's und Fitch hingegen sehen Österreich nach wie vor als höchst kreditwürdig an, wobei lediglich Fitch dem Land einen stabilen Ausblick bescheinigt. Moody's und S&P sind hier skeptischer.

Gefährliche Großbanken

Moody's betonte am Montag, dass Frankreich immer noch sehr hoch bewertet sei. Die Wirtschaft des Landes sei breit aufgestellt und es gebe einen starken Reformwillen, führte die Ratingagentur auf der Positivseite auf. Auf der Negativseite verbuchte Moody's dagegen das ihrer Meinung nach übermäßig große Bankensystem und die engen Handelsverflechtungen mit den Problemländern innerhalb der Eurozone. Die Institute des Landes seien grundsolide, entgegnete hingegen Moscovici.

Viele Finanzmarkt-Profis halten die bisherigen Schritte der Regierung in Paris noch lange nicht für ausreichend. "Frankreich zahlt jetzt den Preis dafür, keine Reformen anzugehen", erklärte Axel Merk von Merk Investments im kalifornischen Palo Alto. Das angesehene britische Magazin "The Economist" hatte Frankreich gar in seiner letzten Ausgabe wegen seiner wirtschaftlichen Probleme als "Zeitbombe" im Herzen Europas bezeichnet. 

Zinsen bleiben niedrig

Die Abwertung Frankreichs durch die Ratingagentur Moody's hatte am Dienstag kaum Auswirkung auf die Zinsen des Landes für 10-Jahresanleihen. Im Sekundärmarkthandel wurde die Rendite französischer Staatspapiere mit 2,092 Prozent gehandelt, das ist zwar geringfügig mehr als am Vortag mit 2,063 Prozent, aber immer noch einer der niedrigsten Werte. Damit sind die Zinsen für solche Anleihen für Frankreich weiterhin ziemlich niedrig. Auch Österreichs Rendite bewegte sich mit 1,796 Prozent in einem sehr günstigen Bereich. (APA. 20.11.2012)

  • AAA - das war einmal in Frankreich. Zumindest wenn es nach einer der Ratingagenturen geht.
    foto: epa/langsdon

    AAA - das war einmal in Frankreich. Zumindest wenn es nach einer der Ratingagenturen geht.

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