Copé wird Parteichef der französischen Konservativen

Setzt sich knapp vor seinem Rivalen Francois Fillon durch und führt nun die UMP an

Paris - Jean-Francois Copé ist offiziell neuer Vorsitzender der größten französischen Oppositionspartei UMP. Copé konnte sich mit 50,03 Prozent der Stimmen gegenüber seinem Rivalen, dem Ex-Premier Francois Fillon durchsetzen, wie die Wahlkommission am Montagabend bekannt gab.

Demnach erhielt Copé 87.388 Stimmen, Fillon 87.290 - was einen Vorsprung von lediglich 98 Stimmen bedeutet. Die offizielle Erklärung des Leiters der Wahlkommission Patrice Gelard setzte einem 24-stündigen Schlagabtausch beider Kandidaten ein Ende. 

Betrugsvorwürfe aus beiden Lagern

Bereits am späten Sonntagabend hatten sich sowohl Fillon als auch Copé zum Sieger erklärt. Er habe mehr als 1.000 Stimmen Vorsprung verkündete der vom rechten Lage unterstützte Copé kurz vor Mitternacht. Fillon, der eher zum moderaten Flügel der UMP zählt, sprach kurz darauf von 224 Stimmen Vorsprung - zu seinen Gunsten. Es habe "schwere Störungen" beim Wahlablauf gegeben. "Ich bin extrem schockiert", fügte Fillon hinzu.

Betrugsvorwürfe kamen auch aus dem Lager Copés. Die Wahlkommission der konservativen Partei war zunächst nicht in der Lage, ein Abstimmungsergebnis zu verkünden. Die Kommission hatte in der Nacht gegen 4 Uhr die Auszählung der Stimmen unterbrochen und setzte diese erst am Montagvormittag um 10 Uhr fort.

Juppe warnt vor Ende der Partei

Der ehemalige französische Außenminister Alain Juppe warnte am Montag sogar vor einem Ende der Partei. Es gehe um "die Existenz der UMP selbst", sagte der Mitbegründer der Partei. Die UMP (Union pour un Mouvement Populaire, Union für eine Volksbewegung) war 2002 als Reaktion auf das Erreichen der Präsidentenstichwahl durch den rechtsextremen Kandidaten Jean-Marie Le Pen gegründet worden. Nach ihrem ursprünglichen Ziel, eine Mehrheit für den konservativen Kandidaten Jacques Chirac zu sichern nannte sie sich anfangs Union für eine Präsidentenmehrheit, erst später folgte der heutige Name.

Erste Meldungen von angeblichen Unregelmäßigkeiten hatte es bereits am Sonntagnachmittag gegeben, während die Wahllokale noch geöffnet waren. Zahlreiche Parteimitglieder gaben an, bis zur Schließung der Wahllokale um 18.00 Uhr nicht wählen haben zu können, da die 650 Wahllokale nicht ausreichend gewesen seien. Im südfranzösischen Nizza - das als Hochburg Fillons gilt - sollen mehr ausgezählte Stimmen registriert worden sein als Unterschriften von Wählern. Landesweit waren rund 300.000 Menschen wahlberechtigt.

Bessere Karten für Sarkozy

Der beinharte Kampf um den Parteivorsitz erklärt sich auch damit, dass der künftige UMP-Chef gute Chancen hat, als konservativer Kandidat bei den Präsidentschaftswahlen 2017 anzutreten. Allerdings nur, wenn sich Ex-Präsident Nicolas Sarkozy nicht doch noch für eine Kandidatur entschließt. Seine Karte sind nach dem Chaos rund um den Parteivorsitz besser als je zuvor. Zahlreiche französische Medien sahen Sarkozy am Montag bereits als wahren Sieger der Wahlen. Auch dem sozialistischen Präsidenten Francois Hollande (PS) und der rechtsextremen Marine Le Pen (FN) könne der Schlagabtausch nur nutzen, urteilten Beobachter.

Während Mitglieder von Le Pens Front National am Montag bereits von einer "Explosion" der UMP sprachen und sich auf abtrünnige UMP-Mitglieder freuten, hielten sich die Sozialisten auffällig zurück. Diese kennen die Situation freilich nur zu gut. Vor rund vier Jahren lieferten sich Ex-Generalsekretärin Martin Aubry und Hollandes Ex-Lebensgefährtin und ehemalige Präsidentschaftskandidatin Segolene Royal einen erbitterten Kampf um den Vorsitz der Sozialisten. Aubry gewann, musste jedoch bei den sozialistischen Vorwahlen um die Präsidentschaftskandidatur gegenüber Hollande zurückstecken. Langfristig geschadet hat diese Auseinandersetzung den Sozialisten allerdings nicht. (APA, 19.11.2012)

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