Wollen Israel und Hamas Waffenstillstand, oder doch mehr vom Kuchen?

Blog | Andreas Hackl
20. November 2012, 10:02

Mehr Zeit könnte auch nachhaltigere Lösungen mit sich bringen

Die Diskussion um einen Waffenstillstand zwischen Israel und den Parteien im Gazastreifen wirkt wie die Uhr einer Bombe: dauert es zu lange, könnte Israel eine Bodenoffensive beginnen. Doch mehr Zeit könnte auch mehr bringen. Ein Waffenstillstand, der nichts anderes beinhaltet als ein Ende der Kampfhandlungen, würde letztlich nicht länger als ein paar Monate dauern, sagt Ofer Zalzberg, Senior Analyst der International Crisis Group (ICG) in Jerusalem. Mehr Zeit könnte auch nachhaltigere Lösungen mit sich bringen.

"Wir sind sehr nahe an einem Waffenstillstand. Was wir brauchen ist mehr Flexibilität auf der israelischen Seite. Morgen wird ein entscheidender Tag in den Gesprächen sein", zitierte Montagabend die israelische Zeitung Haaretz einen hochrangigen ägyptischen Beamten. Die Bedingung dieser Verhandlungen, die von Ägypten und in geringerem Maße auch von Katar vorangetrieben werden, können jedoch ganz unterschiedlich ausfallen, je nach dem was auf den Tisch gelegt wird.

Grundsätzlich müsse man zwischen einfachen und komplizierteren Vorschlägen unterscheiden, meint Ofer Zalzberg: "Die einfachste Version ist, dass keine der beiden Seiten mehr aufeinander schießt." Doch wie gesagt, dürfte ein solches Abkommen nicht dauerhaft stabil sein, sofern daraus nicht mehr gemacht wird. Auf einer zweiten Ebene geht es bereits um mehr. Etwa fordert die Hamas von Israel auch ein Ende der gezielten Tötungen ihrer Führer. Auf der anderen Seite will Israel eine Zusage der Hamas, dass diese keine Waffen mehr in den Gazastreifen importiert.

Alle wollen mehr vom Kuchen

Weil Ägypten nicht irgendein Vermittler in diesem Prozess ist, sondern ein Nachbarland und ein politischer Player, wird die Sache noch komplizierter. "Es entsteht eine Dynamik, in der beide Seiten versuchen, auch etwas vom Vermittler zu bekommen", sagt Zalzberg. Die Hamas versuche mehr aus der Eskalation zu machen als ein Ende der Gefechte, und fordert von Ägypten die langersehnte Grenzöffnung des Rafah-Übergangs für den Handelsverkehr. Und Israel wolle auf dieser Ebene auch zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und Ägypten dazu bringen, noch stärker gegen das Sicherheitsproblem auf der Sinai-Halbinsel vorzugehen, die zu einer Brutstätte für Kriminalität und einem Zufluchtsort für militante Gruppierungen geworden ist. Gleichzeitig will Ägypten aber weder die Bedingungen der Hamas noch jene Israels erfüllen. Ginge es nach Kairo, sollten die beiden Streitparteien sich untereinander auf einen Waffenstillstand einigen.

Welches Paket an Forderungen jeweils bei einer Einigung zu einem Waffenstillstand unterkommt, wird vor allem vom verfügbaren Zeitfenster abhängen. Einer der Hauptpunkte, der bisher noch ohne Einigung blieb, ist die Frage, wer überhaupt die Bedingungen eines Abkommens überwachen und deren Bruch sanktionieren soll. Ägypten versucht dabei traditionsgemäß seinen Hals möglichst weit draußen zu halten.

Mittlerweile habe sich auch in Israel eine Interessenkonstellation formiert, die dafür eintritt, den vom ehemaligen Premierminister Ariel Sharon vollzogenen Abzug israelischer Siedlungen aus dem Gazastreifen zu "vervollständigen", sagt Zalzberg. Das ist eher symbolisch gemeint, denn Siedlungen gibt es in Gaza keine mehr. Der nationalistische israelische Außenminister Avigdor Lieberman trete etwa für diesen Standpunkt ein, aber auch andere. "Sie sagen, beenden wir die Blockade des Gazastreifens und den Krieg, aber schieben wir es nach Ägypten ab", sagt Zalzberg. (Andreas Hackl, derStandard.at, 20.11.2012)

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13 Postings
Was wäre, wenn es diesmal das Ziel des isrealen Regimes gewesen wäre, amerikanische Truppen auf den Sinai als "Schutzmacht" zu locken? So könnte der regionale Konflikt leicht internationalisiert werden -ein Versuch, der schon mit den Meldungen v.den…

…angeblichen "Fajir-5 aus dem Iran" erstmal in die eigenen Hosen gegangen war.

Amerikanische Truppen würden dann -ähnlich wie im Libanon 1984- leichte Beute für irgendeine gesteuerte Provaktion werden.

Leider ist nicht vielen Menschen bekannt, daß am 14.3.1984 der Kommandant des Marinecorps Gen.Barrow sogar einen Beschwerdebrief an seinen Verteidigungsminister schickte, in dem er sich über die "fortwährenden Provokationen" der IDF, sowie über ihre "systematische Schikanen" beschwerte - die er als "gesteuert u. für Isr. alleinige, politische Zwecke" bezeichnete.

"It is inconceivable to me why Americans serving in peacekeeping roles must be harassed, endangered by an ally..." (NYT, Ausgabe v.18.3.84)

Die Hamas könnte was für ihre Zivilisten erreichen. Sie könnten einen Tauschhandel anbieten. Sie bekommen Nahrungsmittel, Medikamente und Bekleidung, Baustoffe etc. und bezahlen mit Raketen. Es muss ein entsprechender Wechselkurs ausgearbeitet werden. Die Raketen werden einfach übergeben und nicht abgeschossen. Vermutlich kann man diese Raketen dann vernichten, weil sie für andere Kriegsaktivitäten kaum zu gebrauchen sind. Der Lebensstandard würde sich in beiden Ländern verbessern.
Aber so kann nur einer argumentieren, der wie ich ein absoluter Trottel ist. Und Zyniker dazu. Denn wenn Leute des Glaubens wegen sich so instrumentalisieren lassen, ist es in Wirklichkeit nicht schade um sie.

Die Qualität des Abkommens wird über den weiteren Weg Palästinas entscheiden

Sollte in diesem Abkommen die Blockade durchlöchert werden, so ist die Hamas Sieger.
Dann wird es für die PLO schwer. Sie hat keine Erfolge vorzuweisen, ganz im Gegenteil: die Siedler fressen systematisch ihr Land auf.
Das würde die pal. Machtbalance zugunsten der Hamas verschieben, Abbas ein Auslaufmodell.
Es sei denn, die israelische Regierung wäre interessiert an einer Stärkung von Abbas und würde die Siedlungen abreissen und Palästina in seinen Grenzen anerkennen.

Dieser Konflikt ist noch nicht ausgekämpft, aber er hat Palästina ein Stück näher zu einer Lösung gebracht.
Mittelfristig ist das auch für Israel das Optimum. So kann Israel zu Frieden und Anerkennung kommen.

Also auf deutsch:

Fang einen Krieg gegen Israel an und alles wird gut.

Häuser bauen ist ein Verbrechen, Raketen schießen eine Friedensmaßnahme.

Die Logik des Antizionisten auf den Punkt gebracht.

Im antisemitischen Mainstream ist so etwas sicher eine gute (End)lösung, aber solange Israel eine Armee hat wird es auf solche "Ratschläge" nicht hören müssen.

Die Antisemiten werden weiter darauf warten müssen, die Juden ins Meer zu treiben und das dann "Frieden und Anerkennung" zu nennen.

Kritik und Meinungsfreiheit bedeutet antisemitismus?

Schauns, wenn sie ängstlich sind und noch andere Probleme haben wenden sie sich bitte an einen Arzt, es gibt da draussen Menschen die nicht antisemitisch sind.

Ein kleiner tip von mir, verwenden sie das Wort nicht zu oft, sonst verliert es noch seine Aussagekraft, glaube sie mir, das wollen sie bestimmt nicht!

Was ich nicht verstehe ist ...

... warum ernst zunehmende Analysten glauben, mit Hamas kann man einen dauerhaften Frieden schließen. Deren Kernideologie ist der Islam. Aus islamischen Denken kann es keinen ständigen "Salam" zwischen Moslems und Ungläubigen geben. Das höchste ist eine Hudna (Waffenstillstand) um, wie Mohammed es getan hat als er in Medina war, aufzurüsten um dann gestärkt gegen den Feind (bei Mohammes Mekka) vorzugehen.

wo sehen Sie ernstzunehmende Analysten?

Gibt es in Israel noch eine Opposition?

Gibt es noch Stimmen für eine Entmilitarisierung und für eine konstruktive Nachbarschaftspolitik?
Oder ist das so wie 1914 in Ö., als der rabiate Nationalismus alle internen Gegensätze zudeckte?

Auf jeden fall ist es nicht so wie

1933 in osterreich

Gibt es diese Stimmen in den Nachbarländern?

Vortreffliche Analyse

Unter den Bedingungen der Hungerblockade kann es keinen Frieden geben, das weiss auch Israel.
Warum Israel dennoch keinen Schritt Richtung friedlicher Lösung macht, ist einzig den sozialen Verwerfungen und schwierigen innenpolitischen Verhältnissen geschuldet.
Der nationalistisch-zionistische Schulterschluss kann selbst dieser Regierung zu einem Wahlerfolg verhelfen.

Hungerblockade?

http://www.achgut.com/dadgdx/in... m_bericht/

In Gaza mangelt es an vielem, weil das Geld in der Rüstung der Milizen und in den Taschen der Funktionäre landet. Aber zu essen hat man genug.

Es gibt definitiv keine Hungerblockade

... In Gaza gibt es Essen genug.
Die Blockade ist der Versuch, Waffenimporte zu verhindern. Gelingt nicht lückenlos, aber was ist schon lückenlos?

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