Später Mief vom Ulrichsberg

Warum die Oktober-Ausgabe der "Aula" "diesmal sehr spät" erscheint und ein Quantum Trost

Falls Sie, geschätzte Leserinnen und Leser, in letzter Zeit von dem dumpfen Gefühl geplagt wurden, etwas zu vermissen, ist nun Entwarnung angesagt. "Spät, kommt sie, aber sie kommt! Die Oktober-Ausgabe der 'Aula' erscheint diesmal sehr spät, da umfangreiche Recherchearbeiten zum Schwerpunkt sowie andere unvorhersehbare Verzögerungen den Abschluß des Umbruchs enorm verzögert haben", war der "Schriftleiter" des leicht rechtsextrem geleiteten Schriftls dieser Tage um Beruhigung bemüht. Worin die "anderen unvorhersehbaren Verzögerungen" bestanden, ließ er ebenso offen wie die Notwendigkeit "umfangreicher Recherchearbeiten zum Schwerpunkt", bestand dieser doch lediglich in der routinemäßigen Aufarbeitung einer Veranstaltung, die auch heuer, allerdings schon am 16. September auf dem Ulrichsberg stattgefunden hat. Gut Ding braucht Weile, denn: "Angesichts der Tatsache, daß die Kriegsgeneration fast sieben Jahrzehnte nach Ende des großen Völkerringens im Begriffe ist, langsam abzutreten, ist es für die Darstellung der geschichtlichen Wahrheit vonnöten, ihre letzten lebenden Vertreter, die Zeitzeugen dieses Geschehens sind, zu Wort kommen zu lassen, also ad fontes zu gehen." Für so viel Liebe zur historischen Wahrheit war man sogar bereit, "das geplante Thema zu verschieben".

Einer der "letzten lebenden Vertreter", der als Festredner seine "Darstellung der geschichtlichen Wahrheit" bot, war bekanntlich der Offizier der Waffen-SS Herbert Bellschan von Mildenburg, der die hartnäckige Führung des Adelstitels in der "Aula" damit rechtfertigen lässt, dass auch "Ulrich Habsburg-Lothringen sich besonders für die Wiedereinführung der Adelstitel stark macht", was den Titel der "umfangreichen Recherche" rechtfertigt: "Frischer Wind am Ulrichsberg - Mit bedachter Ursprünglichkeit in eine kraftvolle Zukunft".

Der "Schwerpunkt" umfasste neben der Einführung des "Schriftleiters" den über vier Seiten wehenden "frischen Wind" einer gewissen Brynhild Amann, die Festrede des SS-Adeligen, eine taufrische "Grundsatzerklärung" zum Thema "Pflichterfüllung, dem geleisteten Eid getreu" aus dem Jahre 1999, verfasst von einem "der Gründerväter" des Ulrichsberg-Zinnobers, sowie der Behauptung "Warum der Ulrichsberg ruft!" eines Sohnes, dessen Vater "im norwegischen Narvik und an der finnisch-russischen Eismeerfront Hunger und Kälte leiden mußte - und nicht gefragt wurde, ob es ihm recht ist". Was gewiss ein triftiger Grund ist, das System, das ihn nicht fragte, vor "der üblichen Hetzkampagne" terroristischer Gutmenschen in Schutz zu nehmen.

Insgesamt war der "Schwerpunkt - blickt man auf die Ulrichsbergfeiern der ersten Jahre nach der Gründung der Ulrichsberggemeinschaft zurück", als noch "Politker aller Couleur bis hin zu Landeshauptleuten, dort sprachen" - von Melancholie durchzogen. "Und heute? Ganz nach dem Negativ-Vorbild der BRD distanziert sich die Führung der Streitkräfte von den 'alten Kameraden'". Und nicht nur die. "Der von der vielfältigen Kompensierung des Lebensfrustes gezeichnete Bundesgrüne Karl Öllinger offenbart seine Sicht von Demokratie, Meinungsfreiheit und Gewaltentrennung, und auch der eiskalte grüne 'Justizsprecher' Albert Steinhauser versucht, politisches Kleingeld zu machen."

Da ist "der neue Obmann der Ulrichsberggemeinschaft, Hermann Kandussi", aus anderem Holz geschnitzt. Er "kündigte bereits im Vorfeld eine neue Ära des Gedenkens an, deren Umsetzung ihm mit Bravour gelang. Der ehemalige SPÖ-Gewerkschaftsfunktionär und Spieß des Bundesheeres versicherte" zunächst, um der "üblichen Hetzkampagne den Wind aus den Segeln" zu nehmen, es würden diesmal keine Politiker die Festrede halten, ließ dann, "nachdem durchgesickert war, daß ein Soldat der Waffen-SS sprechen sollte", verlauten, "es werde kein SS-Mann sprechen", und typisch: "Als dann doch Herbert Bellschan von Mildenburg sprach, war das gutmenschliche Heulen und Zetern gar schauerlich. Auch die ehemaligen Parteigenossen von Hermann Kandussi schlagen auf den langjährigen dienstbeflissenen Funktionär ein: Dem angedrohten Parteiausschluß kam Kandussi allerdings zuvor. Souveräner Kandussi!"

Ein Quantum Trost: "Freiheitliche Urgesteine anwesend. Das Konzept des Obmannes war perfekt aufgegangen. Nach einer kurzen Kranzniederlegung begaben sich die Ulrichsbergfahrer zufrieden und guter Hoffnung ins Tal, wo die gelungene Feier bei einem ausgezeichneten Brathendlschmaus besprochen wurde." (Günter Traxler, DER STANDARD, 20.11.2012)

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17 Postings
Traxler kritisiert - und unterschlägt Fakten

"Standard"-Schreiber Traxler behauptet, dass in der Oktoberausgabe der "Aula" zum Artikel "Ulrichberg-Feier" angeblich keine Recherchen getätigt wurden. Traxler verschweigt den "Standard"-Lesern, dass in dieser "Aula"-Ausgabe ein penibel recherchierter Artikel über Vorgänge in der Österreichischen Hochschulschaft zu finden ist. Dürfen "Standard"-Leser nur gefilterte Nachrichten unterjubelt werden ?

Adi? Du hier?

Da "df df" frogt, ob da Adi do is ???

Wem mannt da "df df" - woas fir a gescheita "Nickname" - mit dem Adi ?

von artgenossen ihrer machart

will eigentlich niemand etwas auch nur annähernd wissen.

Lieber Herr N.,

ich bin ja sonst nicht so, aber in Ihrem Fall mache ich eine Ausnahme: Lernen S' bitte Deutsch! In Ihrem post sind so viele Fehler, dass es unverständlich ist - ganz abgesehen vom vermuteten sachlichen Inhalt. Kurz gefasst: Erst denken, dann reden bzw. schreiben.

Da dritte Mau is jo gor net so ...

.. wäul er gibt Ezzes: wos ich tun soll ! I soll Deitsch lerna und nochdenkn ! Frog i mi, ob er selber Deitsch und Nochdenken kaun. So vüle Föhla hot er gesgn - bei mir. Das de Föhla nur "Flüchtigskeitsfehler" san, des hot er net ünerzuckert da "Dritte Mau! Wos muss des eigentlich fir ana sei, der an Nickname wie der "Dritter Mann" hot ????

a so a frechheit.

und, was haben die rechten recken denn so heldenhaft und "penibel" recherchiert?

'war der "Schriftleiter" des leicht rechtsextrem geleiteten Schriftls'

Schriftleiter, Schriftl...
...also Schriftl-Eiter

danke für die unterhaltsame zusammenfassung aus einem parallelen universum

zum "norwegischen Narvik" darf ich noch ergänzen dass die ö. gebirgsdivisionen dort im arktischen winter das prinzip der verbrannten erde durchzogen und der zivilbevölkerung im polarwinter häuser und nahrung verbrannten. so sahen diese helden aus.

Ich finde es auch sehr interessant, dass offensichtlich alle Kameraden am Ulrichsberg geschwängert wurden,

das sie ja alle "guter Hoffnung" zum Brathendlfressen ins Tal gestiegen sind. ...Sie zogen aus mit bunten Wimpeln und kamen heim mit wunden P......

ein trost daß die mildenburgs u sonstige ungustln auch nicht ewig leben,ein schrecken daß auch weiterhin ein paar feschistische volltrolle am ulrichsberg herumtaumeln werden,eine genugtuung daß zumindest keine politiker sich den zinnober geben

Allein für das Wort "Völkerringen"

gehört dem "Schriftleiter" sein Schundblattl um die Ohren geschlagen.

Das klingt halt besser als Krieg oder Morden,

das ist so jugendlich und sportlich, man will ja zeigen, dass auch Ewiggestrige hoffnungsfroh an die Zukunft denken.

Bin dafür,

die Kameraden in Formalin zu baden, auszustopfen und in Plexi einzugießen, um sie unsterblich zu machen und in einem noch zu erbauenden Museum am Ulrichsberg auszustellen. Von Hagen müsste wissen, wie das geht.

Jede/r, der etwa um die siebzig ist und darüber, war Zeitzeuge - fast unnötig zu erwähnen, würde man meinen. Übrigens läuft doch im ORF eine ganz gute historische Doku-Serie ("Menschen und Mächte"), mit ein paar Dokus auch zu jener Zeit - aber wahrscheinlich wird's olle strammen SS-Steher und rechten Recken, den gutmenschlichen Bildungsbürger natürlich ausgenommen, überfordern.

Das war keine an Sie gerichtete Kritik - sorry, mißverständlich plaziert.

tja der hr tilo berlin ist halt ein ehrenmann

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