Die gemeinsame Reise ins Ungewisse

Erinnerungen an zwei höchst unterschiedliche "Papamonate"

Nach der Geburt waren wir ohnehin auf Wolke Nummer sieben. Sich einen Monat lang Zeit zu nehmen und daheimzubleiben war da wie selbstverständlich - auch wenn der Ausdruck "Papamonat" damals noch nicht einmal fürs politische Vokabular erfunden war und eben Urlaub genommen werden musste.

Gleichzeitig waren wir von der 7. Wolke aber auch schnell wieder herunten, als die Kleine das erste "Quääää" von sich gab und die Erkenntnis reifte: "Ooops, das ist jetzt ernst!" Und es wurde immer ernster, als das "Quääää" zu bestimmten Zeiten nimmer aufhörte und wir abends bereits im Schichtbetrieb das Abendessen einnahmen, damit je einer mit dem Baby auf dem Pezziball hoppeln konnte. Das war das Einzige, was half. Stundenlang.

Und die Mutter, was war für sie das Wichtigste am Papamonat? "Na, dass du da warst", antwortet sie staubtrocken. Da sein - zu einem Zeitpunkt, als sich ja auch die ganzen wunderbaren Glückshormone der Schwangerschaft auf einen Schlag aus dem Körper verabschiedet hatten. Und aber auch: "dass man gemeinsam in einen Rhythmus hineinfindet, dass die Alltagssachen abgenommen wurden, dass ich mich ganz auf unser Kind konzentrieren konnte."

Zeit und Muße

Aber es ging eben nicht nur ums Haushaltschupfen, das Kochen, Einkaufen, Waschen - sondern eben auch darum, selbst Zeit und Muße zu haben, unser neues Familienmitglied kennenzulernen. Und man hat vorher ja keine Ahnung, wie man so überhaupt keine Ahnung hat, was passieren würde. Alle Handgriffe mussten entdeckt wer- den: Windelnwechseln, Popschputzen, Eincremen, Bodyknöpfeln - später dann auch das Entdecken versteckter Rillen, in denen sich heimlich Grind angesammelt hatte. Und die Speckfalten wuchsen schnell - da die Kleine einen Zug hatte, wie ein neuer Mellerofen. Herrlich!

Wir begaben uns gemeinsam auf diese Reise ins Ungewisse, begleitet von der genialen Hebamme, die uns mit ihrer großen Erfahrung wieder ein bisschen Ruhe und Gelassenheit zurückgeben konnte, die wir über Nacht verloren hatten.

Die Alternative? Dieses "Ich kann eh nicht stillen - und einer muss ja das Geld nach Hause bringen", dieses So-wie-es-immer-War? Eigentlich unvorstellbar. Natürlich hätten die Omis einrücken können, mit all ihrer Erfahrung - aber die wollten wir schon selbst machen, die Erfahrungen.

Und dann der erste Spaziergang mit dem Freund, der damals ebenfalls Vater geworden war. Stolz wie die Spanier schoben wir unsere Kinderwägen durch Hietzing, als uns eine Hietzinger Familie begegnete, deren Oma im Vorbeigehen raunte: "Schau dir des an: Da müssen die Väter mit den Kindern spazieren gehen!"

Zurück auf Wolke sieben

Bei der Geburt des zweiten Kindes wussten wir dann schon eher, was uns erwarten würde. Der Pezziball stand schon wieder prall aufgeblasen bereit. Aber erstens kam es wieder einmal anders, und zweitens als wir dachten: Waren wir bereits entspannter? Der Bub war es jedenfalls. Vor allem als wir herausgefunden hatten: Wenn ihm am Abend die Augen schwer wurden, musste man ihn einfach nur auf den Bauch drehen, eine Hand auf den Windelpopsch legen - und schon war er weg. Zurück auf Wolke sieben, gemeinsam mit der auf einmal großen Schwester.

Und dann die Rückkehr in die Arbeitswelt nach dem wieder allzu rasch verflogenen Monat. Da drängte sich in den ersten Tagen die Frage auf: " Was wollen die eigentlich alle von mir? Warum nehmen die das alles hier so wichtig?" Was wirklich wichtig ist, hatte man(n) in den vier Wochen zuvor zu erahnen begonnen. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD, 20.11.2012)

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