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vergrößern 691x800Dante Gabriel Rossetti Lady Lilith 1866-8
vergrößern 672x800Dante Gabriel Rossetti, The Blue Bower 1865
vergrößern 493x800William Holman Hunt, Isabella and the Pot of Basil 1866-8, retouched 1886
Die Künstlergruppe, die sich Mitte des 19. Jahrhunderts in England formierte, war fasziniert von der Strenge und Klarheit der spätmittelalterlichen italienischen Kunst des Trecento und Quattrocento.
Als John Everett Millais das Bild, das heute als Christ in the Carpenter' s Shop firmiert, im Jahre 1850 erstmals in der Londoner Royal Academy ausstellte, trug es noch keinen Titel. Dafür war die Leinwand in der Salon-Broschüre von einem Bibelauszug begleitet.
Die verbale Begleitung lieferte die unmissverständliche Bezugnahme auf einen Zusammenhang, dem man allein dem Augenschein nach nicht recht traut. Ist der Kontext aber hergestellt, so traut man eher seinen Augen nicht. In einer Aufdringlichkeit trotzt Millais der Alltagsrealität biblische Verweise ab, die verständlich macht, dass die Königin, die dem Viktorianischen Zeitalter den Namen gab, das Werk aus der Ausstellung entfernen ließ.
Ein kleiner Unfall ist passiert auf Millais' exzentrischem Genrebild, ein Kind hat sich an einem Nagel verletzt und wird von einer Frau getröstet, offenbar seiner Mutter. Und so kommt zur traulichen Geschichte die frohe Botschaft. Das Kind blutet nämlich an jener Stelle der Hand, die später ein Stigma tragen wird, und auch der Tropfen auf dem Fuß markiert vorab die ominöse Wunde.
Die Werkzeuge im Hintergrund, Nägel, Leiter, Hammer werden zu den Waffen Christi, der Lehrling, der Wasser bringt, kommt als Johannes der Täufer ins Spiel, und es gibt die einschlägige Taube in Frontalansicht. Die ältere Frau entpuppt sich als Anna, die junge als Maria und der Meister mit dem schütteren Haar und der britischen Physiognomie ist Josef. Das hehre Zeichen wird nicht wie in den moralisierenden Grafikzyklen von Millais' Vorgänger William Hogarth parodiert in seiner Herabminderung in den Kontext der Liederlichkeit; im Gegenteil, das mindere Zeichen wird aufgeladen mit sakraler Symbolik.
So waren sie, die Präraffaeliten, denen die Tate Britain jetzt wieder eine Gesamtschau angedeihen lässt. Und es ist wirklich alles da von diesen englischsten aller Künstler. Man verbindet mit ihnen zumeist die erotisierten Frauengestalten, die Dante Gabriel Rossetti seit den 60er-Jahren malte.
Diese allerdings entsprechen am allerwenigsten der Programmatik, der man sich verschrieb, als Rossetti, Millais, William Holman Hunt und vier weitere Künstler, die allesamt kaum 20 Jahre alt waren, sich im September 1848 zur Gründung ihrer Bruderschaft zusammenfanden. Man wollte zurück in die Zeit vor Raffael, in jene Gefilde für authentisch gehaltene Religiosität, als die Bilder noch nicht von der Prätention überschattet waren, ästhetisch zu sein. Das Programm einer Kunst ohne Künstlichkeit war verbunden mit einem Zurück zur Natur, mit jenem Satz, den John Ruskin, ihr wichtigster Gewährsmann, verordnet hatte: "Nichts zurückweisen, nichts auswählen, nichts verachten."
Die jungen Künstler nahmen diese Verordnung nach der dezidiertesten Wortwörtlichkeit: Motiv für Motiv buchstabierten sie die Natur nach, begaben sich mit ihren Leinwänden ins Pleinair, gruben sich mit ihren Staffeleien in die Erde, um nur den Grashalmen nahe zu sein, die sie minutiös abkonterfeiten; sie ließen ein Jahr vergehen, um die gleiche Kornreife oder den gleichen Blütenstand wieder vorzufinden, mit deren Porträtieren sie nicht zu Ende gekommen waren. Fast jedes ihrer beckmessernden, kläubelnden Werke hat deswegen eine lange Entstehungszeit.
1984 hatte an gleicher Stelle eine Retrospektive stattgefunden, mit damals exorbitanten 220.000 Besuchern. So ziemlich dieselben Gemälde sind jetzt wieder zu sehen. Diesmal werden es mehr Besucher sein. (Rainer Metzger, DER STANDARD, 20.11.2012)
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www.highgate-cemetery.org/
Jetzt haben sie mich neugierig gemacht:
Irgend eine was suchen sie?
Genieren brauchen sie sich nicht, ich wusste auch nicht wo die begraben sind, allerdings war ihr Link vom Friedhof sehr interessant und auf der Seite mit den berühmten Verstorbenen stand William Michael. Den Rest liefert Wiki.
2010 waren im Belvedere im Rahmen der Ausstellung "Schlafende Schönheit" einige Bilder der Präraffaeliten (Frederic Leighton, Edward Burne-Jones, Dante Gabriel Rossetti, John Everett Millais und William Holman Hunt ) zu bewundern.
Jetzt reizt mich die Londoner Austellung schon sehr, mal sehen ob sichs noch ausgeht.
das absolut schönste Bild eines Präraffaeliten ist das Bild The Lady of Shalott von J.W.Waterhouse 1888 gemalt... Original hängt auch in der Tate-Galerie in London - bei mir überm Schreibtisch hängt zwar nur eine billige Kunstdruckkopie aber trotzdem schön
Dass dieser Artikel mit Millais anfängt ist gut, denn er ist sowohl malerisch als auch von seinen Ideen her der interessanteste der Preraphaeliten. Schade, dass das besprochene Bild nicht gezeigt wird, es ist eines der besten in der Ausstellung!
Hier ein Link: http://www.kingsacademy.com/mhodges/1... GW-374.jpg
Auch interessant ist im Vergleich dazu die früher datierte Zeichnung, die auch in London zu sehen ist: http://1.bp.blogspot.com/-LGFgtEJ5... illais.jpg
Das ist mein Favourit von Millais:
http://www2.tate.org.uk/ophelia/
hm.
hm.
Das stimmt natürlich (wie auch das Argument von 'Cle Mens', ein paar cm weiter unten).
Vielleicht ist Kitsch ja das falsche Wort. Das Urteil kommt aus einer Position der als insich aufklärerisch konzipierten Moderne, der das Verlogene, blind Retrospektive und Ideologische an den Präraff. aufstösst (ähnlich ist für mich die Musik Arvo Pärts purer Kitsch); ich gebe aber zu, dass dem möglicherweise ein fragwürdiger (wenn auch von K Kraus bis Adorno et al geschulter) Begriff v Kunst zugrundeliegt.
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