Kärntner soll Polizisten in Ungarn getötet haben: Video wurde TV-Sender angeboten

Kosten des Anwalt sollten damit gedeckt werden - Laut Staatsanwaltschaft nur gekürztes Video

Budapest/Wien/Klagenfurt - Im Fall eines gebürtigen Villachers, der mit seinem Geländewagen vom Typ Hummer in Ungarn einen Polizisten getötet haben soll, sind weitere Einzelheiten zu einem vor kurzem Video aufgetaucht.

Da der Mandant kein Geld hat, soll der deutsche Verteidiger des inhaftierten 34-Jährigen Kärntners das Tatort-Video einem Sender für 50.000 Euro angeboten haben. Das berichtete der ungarische TV-Privatsender RTL Klub nach einem Telefongespräch mit dem deutschen Rechtsanwalt Ferdinand Schweikert. Dieser soll den Sender angerufen, um das Video zu verkaufen. Die geforderten 50.000 Euro würden seine Kosten als Anwalt decken, wurde er zitiert.

Verteidiger Schweikert betonte RTL Klub gegenüber, dass nur er und nicht die ungarische Staatsanwaltschaft über dieses Video verfüge.

Laut Staatsanwaltschaft nur gekürztes Video

Bei dem veröffentlichten Video handelt es sich laut ungarischer Staatsanwaltschaft um eine "gekürzte Version" von sieben Minuten. Wie der Sprecher der ungarischen Zentralen Fahndungsbehörde der Staatsanwaltschaft, Geza Fazekas, am Montag auf einer Pressekonferenz in Budapest betonte, seien in dem ungekürzten Video, das ein weiterer Hummer-Fahrer mit dem Handy aufgenommen hatte, auch die polizeilichen Maßnahmen, der Widerstand des Verdächtigen und dessen Aktion zu sehen, wie er den zweiten Motorradpolizisten von der Straße drängen wollte.

Geza Fazekas sagte gegenüber dem Sender RTL Klub, dass es die Pflicht des Verteidigers gewesen wäre, dieses Video der Staatsanwaltschaft umgehend vorzulegen. Dieses neue gekürzte Video würde den bisherigen Verdacht gegen den Kärntner nicht anzweifeln, erklärte der Sprecher. Der Österreicher werde auch weiterhin unter Mordverdacht stehen.

Tod nach Verfolgung

Der Kärntner war Mitte Oktober mit drei Männern in vier Geländewagen in Südungarn unterwegs. Im Ort Apatfalva wurden sie wegen Überschreitens der erlaubten Höchstgeschwindigkeit von zwei Polizisten gestoppt. Als einer der Beamten die Papiere des Österreichers kontrollieren wollte, raste dieser nach Behördenangaben davon. Eine Zivilstreife nahm die Verfolgung auf. Zwei Motorradpolizisten unterstützten ihre Kollegen.

Einer der Beamten überholte den Flüchtenden und stellte sein Motorrad an einer Kreuzung quer. Der Österreicher scherte laut den Angaben der Behörden plötzlich aus und überfuhr den Polizisten mit Vollgas. Dessen Kollegen schossen, der 34-Jährige wurde getroffen und schwer verletzt.

Abgaswolke als möglicher Beweis

Das nun veröffentlichte Video zeigt, wie zwei Motorradpolizisten am Hummer vorbeirasen. Der Österreicher lässt seinen Wagen ausrollen - da war ein Motorradpolizist schon auf seiner Höhe. Neben dem Wagen des 34-Jährigen steigt der Beamte ab, sprintet mit ausgestreckter Hand zum Fahrzeug und streckt sie ins Cockpit. Eine Aussage des Villachers, er sei mit Pfefferspray befeuert worden, würde zu dieser Szene passen, so der "Kurier".

Eine dunkle Abgaswolke steigt auf. Der Hummer bricht aus, walzt den zweiten Motorrad-Cop am rechten Grünstreifen nieder. Das Fahrzeug hält. 13 Schüsse fallen, der vier Mal getroffene wird von zwei Beamten niedergerungen.

Fenster geschlossen

Der deutsche Verteidiger des Verdächtigten hatte der Tageszeitung "Kurier" gegenüber erklärt, dass einer der Polizisten seinem Mandanten durch das offene Fenster mit Pfefferspray attackiert hätte, der aus diesem Grunde Gas gegeben und so den Motorradpolizisten totgefahren hätte. Diese Aussage wollte Geza Fazekas aus Gründen des laufenden Verfahrens nicht kommentieren, betonte jedoch: Bei dem Lokalaugenschein am Tatort seien alle Fenster des Hummers geschlossen gewesen.

Nach Angaben Fazekas' habe die Staatsanwaltschaft vergangene Woche die lange Version des jetzt gezeigten Videos erhalten. Dabei handle es sich nicht um die gleiche Aufnahme, die ein Hummer-Fahrer angefertigt hatte und die nach dem Unfall beschlagnahmt worden war. Experten würden nun beide Aufnahmen untersuchen. Von diesem Ergebnis würde abhängen, wie es in dem Fall weitergehen würde.

Beweisfrage noch offen

Der ungarische Rechtsanwalt Tamas Fülöp erklärte, ein Verteidiger habe das Recht, einen entlastenden Beweis auch später, zu entsprechender Zeit vorzulegen. Es sei zudem entscheidend, wie die durch den Verkauf des Videos eingegangene Summe verwendet würde. Behielte der Verteidiger das Geld für sich, führe das zu moralischen Bedenken. Laut Geza Fazekas spreche die Tatsache, dass ein Verteidiger mit einem Beweisstück "handeln, feilschen geht, für sich".

In ungarischen Medien wurde die Frage diskutiert, wie am Tatort zwei Videos entstehen können, die zum einen entlastend und zum anderen belastend sind, und warum der Hummer-Fahrer dieses neue Video nicht der Polizei übergab, als er verhört wurde. Experten untersuchen nun die beiden Aufnahmen. (APA, 20.11.2012)

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