COPD: Österreich hat ein Atemproblem

Betroffene werden immer jünger - Experten fordern Spirometrie beim Hausarzt und Training als Therapiemaßnahme

Wien - Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) betrifft wegen der vielen jugendlichen Raucher immer jüngere Semester. Die Lungenfunktionsprüfung (Spirometrie) wird von vielen Krankenkassen noch immer nicht beim Hausarzt gewährleistet, ambulante Rehabilitation bzw. Training als Therapie ebenfalls nicht. Dies erklärten am Montag Experten bei einer Pressekonferenz der Österreichischen Lungenunion in Wien.

"Die COPD, die 'Raucherlunge', ist eine volkswirtschaftliche Herausforderung. Wir gehen in Österreich von rund 800.000 Betroffenen aus, von denen 400.000 behandlungsbedürftig sind. (...) In Österreich wird die Häufigkeit der COPD in den nächsten zehn bis 20 Jahren um 20 Prozent zunehmen. Früher war das eine 'Pensionistenerkrankung'. Heute gibt es schon 40-Jährige, die Symptome haben, weil die Menschen viel früher zum Rauchen beginnen", sagte Otto Spranger, Sprecher der Österreichischen Lungenunion, aus Anlass des Welt-COPD-Tages am Mittwoch.

Frühes Einstiegsalter

Die Organisation hat vergangene Woche eine repräsentative Umfrage mit rund 1.000 Personen durchführen lassen. Dabei zeigte sich, dass 67 Prozent der Österreicher mit dem Begriff der COPD - die klassische Rauchererkrankung mit Verengung der Bronchien, chronischer Entzündung und schneller Abnahme der Lungenfunktion - nichts anfangen können. Dafür rauchen 29,1 Prozent der Menschen täglich, 7,9 Prozent gelegentlich, 19,6 Prozent sind Ex-Raucher und 43,4 Prozent Nichtraucher.

Da die chronisch obstruktive Lungenerkrankung zumeist nach 20 bis 25 Jahren "Raucherkarriere" beginnt und das Einstiegsalter für den Zigarettenkonsum in der Vergangenheit niedriger geworden ist, trifft die Krankheit zunehmend Menschen im erwerbsfähigen Alter, was das Leiden verlängert und die volkswirtschaftlichen Schaden vergrößert. In Europa schätzt man die jährlichen Gesamtkosten auf rund 50 Milliarden Euro.

Deutliche Defizite

Wichtig wären eine möglichst frühe Diagnose und eine konsequente Therapie mit den wirksamsten Arzneimitteln plus Rehabilitation und Training zum Bremsen des Fortschreitens der Erkrankung. Hier scheint das österreichische Gesundheitswesen deutliche Defizite zu haben. Gesundheitsökonom Thomas Czypionka (IHS): "Das österreichische Gesundheitswesen ist nicht so sehr auf chronische Erkrankungen und auf Prävention ausgerichtet." Dabei koste ein COPD-Patient in einem späten Stadium der Erkrankung das 25-Fache eines Betroffenen im Frühstadium. (APA, 19.11.2012)

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