Frieren dicke Menschen weniger?

5. Dezember 2012, 16:54
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Eine Fettschicht hält uns im kalten Wasser länger warm - Ob das auch auf winterliche Außentemperaturen zutrifft, weiß Cem Ekmekcioglu vom Institut für Umwelthygiene

Körperfett schützt vor Kälte. Das wurde bereits vor mehr als 50 Jahren im Rahmen einer Studie an der University of Cambridge nachgewiesen. Mehr als 30 Minuten lang mussten die Probanden in 15 Grad Celsius kaltem Wasser ausharren. Wer eine Fettschicht von vier Millimetern hatte, kühlte um zwei Grad ab, bei acht Millimetern Fett war es nur ein Grad. Zahlreiche weitere Studien mit ähnlichen Ergebnissen folgten.

Wenn Fettpölsterchen vor kaltem Wasser schützen, halten sie uns dann auch bei winterlichen Außentemperaturen warm? fragen wir Cem Ekmekcioglu vom Institut für Umwelthygiene, Zentrum für Public Health, an der Medizinischen Universität Wien: "Ob man friert, hängt von mehreren Faktoren ab", schickt der Mediziner, Wissenschaftler und Ernährungsexperte voraus: "Ein Faktor ist die Muskelmasse. Durch Muskelkontraktionen kann viel Energie umgesetzt werden. Menschen mit mehr Muskelmasse, können daher mehr Wärme erzeugen und sind in gewisser Weise vor Kälteeinwirkung geschützt."

Auch das Verhältnis der Körperoberfläche zur Körpermasse spiele für das Frieren oder Nicht-Frieren eine tragende Rolle. Ekmekcioglu: "Wer eine große Körperoberfläche bei geringerer Körpermasse hat, verliert mehr Wärme und kann deshalb auch mehr frieren als jemand, der eine geringere Oberfläche im Verhältnis zur Masse hat."

Braunes und weißes Fettgewebe

Bei Babies und Kleinkindern ist die Körperoberfläche im Verhältnis zur Körpermasse groß, weshalb sie mehr Wärme verlieren als Erwachsene. Dennoch sind sie, zumindest in den ersten Lebensmonaten, durch einen höheren Anteil an Körperwärme generierendem braunen Fettgewebe vor Unterkühlung geschützt.

Grundsätzlich werden zwei Arten von Fettgewebe unterschieden: Das weiße, oder univakuoläre Fett kommt in großen Mengen vor. Seine Zellen sind durch große Fetttropfen charakterisiert. Das braune, oder auch multivakuoläre Fettgewebe verfügt dagegen über Zellen mit einer Vielzahl von Fetttropfen.

Beim erwachsenen Menschen tritt kaum mehr braunes Fettgewebe auf. Bei manchen Tierarten dagegen sehr wohl: Am Ende des Winterschlafes dient es dazu, die Körpertemperatur in nur wenigen Stunden wieder auf "Betriebstemperatur"anzukurbeln .

Subkutanes Fett als Isolator

"Fettpolster können unter Extrembedingungen von Vorteil sein", weiß Ekmekcioglu. "Das subkutane, unter der Haut gelegene Fettgewebe leitet Wärme schlechter als andere Gewebe." Eine gewisse isolierende Wirkung ist die Folge - zumindest im kühleren Wasser, denn dieses entzieht dem Körper etwa 20 Mal mehr Wärme als Luft und bringt dementsprechend raschere Unterkühlung mit sich.

Ob die isolierende Wirkung von Fettgewebe auch für den Aufenthalt an Land relevant ist, bezweifelt Ekmekcioglu aber. "Wenn alle Menschen in Wien im Winter nackt herumlaufen würden, wären diejenigen mit mehr Fettpölsterchen im Vorteil." Doch die Zivilisation in unseren Breitengraden zeichnet sich nun einmal durch das Tragen von Kleidung aus, und diese wirkt, ähnlich wie das Fettgewebe, isolierend. "Wenn ich Kleidung anziehe, die die Luftfströme an der Hautoberfläche reduziert, etwa eine Daunenjacke oder einen Angorapullover, dann ist das eine sehr gute Isolierung. Damit kann ich auch mit weniger Fettgewebe gut über den Winter kommen.", sagt Ekmekcioglu .

Vom Vorhaben, sich eine Fettschicht gegen das Frieren anzufuttern, rät der Autor des Buches "Voll fett: oder: Alles was Du über Ernährung wissen solltest" jedenfalls entschieden ab: "Das bringt überhaupt nichts. Eine zu hagere Konstitution mit einem Bodymass-Index (BMI) unter 19 sei zwar auch nicht optimal, aber zu viel Fett - vor allem Bauchfett - ein Risikofaktor für das metabolische Syndrom und Herz-Kreislauferkrankungen. "Ein Winterschläfer muss Fett aufbauen", so Ekmekcioglu , "wir sind keine Winterschläfer, wir müssen das nicht." (Eva Tinsobin, derStandard.at)

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    Fettpolster können wärmetechnisch von Vorteil sein - allerdings nur unter Extrembedingungen.

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