Kämpfe im Ostkongo vor Goma

19. November 2012, 16:52
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Hilfsorganisationen warnen vor humanitärer Katastrophe - Rebellen wollen Waffenstillstand und Gespräche

Kinshasa - Die Kämpfe im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo (DRC) haben nach Berichten von Hilfsorganisationen am Montag die strategisch wichtige Großstadt Goma erreicht. "Wir hören schwere Artillerie und Granateneinschläge aus der Stadt", berichtete Aimee Manimani von der internationalen Organisation "World Vision" am Montag der Nachrichtenagentur dpa in einem Telefongespräch.

"Die Intensität der Kämpfe hat wieder zugenommen", sagte sie aus einem Flüchtlingslager nahe der Stadt. Die Lage für die Zivilisten und Flüchtlinge verschlechtere sich dramatisch. Noch sei unklar, wie viele Opfer und Verletzte es bei den Auseinandersetzungen bisher gegeben habe.

Die Kämpfe zwischen der Bewegung M23 gegen Regierungstruppen und UNO-Friedenstruppen waren am Donnerstag ausgebrochen und waren bis zum Wochenende eskaliert.

Rebellen wollen Feuerpause

Nach ihren jüngsten Erfolgen forderten die Rebellen laut Medienberichten einen Waffenstillstand und Gespräche mit der Regierung. In einer am Sonntagabend veröffentlichten Erklärung verlangte die Rebellenbewegung zudem eine Demilitarisierung des umkämpften Gomas im Nordosten Kongos, berichtete Radio Okapi in der kongolesischen Hauptstadt Kinshasa. An den Verhandlungen sollen neben Regierung und M23 auch Oppositionsgruppen im Land und im Ausland sowie verschiedene zivile Organisationen beteiligt werden.

Laut Berichten der Nachrichtenagentur Reuters hat die Regierung in der kongolesischen Hauptstadt Kinshasa Friedensgespräche mit den Rebellen abgelehnt. Das Angebot komme von einer "fiktiven Gruppe, die keinen Wert für uns hat", sagte Regierungssprecher Lambert Mende in Anspielung auf die Unterstützung der Rebellen durch das angrenzende Ruanda.

Mehr als 70.000 Flüchtlinge mussten nach Angaben von "World Vision" wegen der Kampfhandlungen seit Freitag in andere Lager verlegt werden. Noch gebe es aber keine großen Engpässe bei der Versorgung der Menschen mit Nahrung, Wasser und Medikamenten.

Vorwürfe gegen Ruanda

Die Vereinten Nationen werfen Ruanda vor, die M23 zu unterstützen. Hintergrund ist der Konflikt zwischen Hutu und Tutsi, dem bei den Massakern 1994 bis zu eine Million Tutsi zum Opfer fielen. Die M23 ist von den Tutsis geprägt - ebenso wie die Regierung Ruandas.

Die Rebellen werden angeblich von dem desertierten kongolesischen General Bosco Ntaganda angeführt. Der 39-Jährige wird vom Internationalen Strafgerichtshof (IStGH/ICC) wegen Kriegsverbrechen gesucht. 

UNO zieht Teil der Mitarbeiter aus Goma ab

Die UNO will am Dienstag alle nicht dringend benötigten Mitarbeiter aus Goma abziehen. Die UN-Soldaten blieben dagegen zum Schutz der Zivilbevölkerung in der Stadt, teilte der UN-Sprecher Kieran Dwyer am Montag in New York mit. Der Sprecher verwies auf einen von "Granatenbeschuss begleiteten Angriff" der M23-Rebellen in der Nähe des Flughafens von Goma. Einige Granaten seien in der Nähe der Blauhelmsoldaten niedergegangen.

Die USA zeigten sich unterdessen "schockiert" über die Wiederaufnahme der Kämpfe seitens der M23-Rebellen. "Alle Seiten müssen das in ihrer Macht Stehende zur Beendigung der M23-Offensive und zum Schutz der Zivilisten tun", erklärte US-Außenamtssprecherin Victoria Nuland. Die Lage sei "sehr gefährlich und beunruhigend".

Die EU-Außenminister forderten bei ihrem Treffen in Brüssel das "sofortige Ende der Rebellenoffensive" in der östlichen Provinz Nord Kivu. Berichte über eine "auswärtige Unterstützung" der Rebellen nannten sie in einer Erklärung "sehr beunruhigend", ohne Ruanda namentlich zu erwähnen. (APA, 19.11.2012)

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    Kongolesische Rebellen in der Nähe der Stadt Goma.

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