... und noch ein bemerkenswerter Tausendfüßer

  • Der neuentdeckte Tausendfüßer ist so transparent, dass man in seinem Inneren deutlich die Eier erkennen kann.
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    foto: universität lavras in minas gerais (ufla)

    Der neuentdeckte Tausendfüßer ist so transparent, dass man in seinem Inneren deutlich die Eier erkennen kann.

Das urtümliche Tier ist winzig, durchsichtig und fragil - und vielleicht der Retter seines Ökosystems

Brasilia - Erst vergangene Woche haben wir an dieser Stelle den Tausendfüßer mit der größten Zahl an Beinen, die jemals bei einem Tier gezählt wurde, vorgestellt (hier die Nachlese). Und schon betritt ein entfernter Verwandter die Bühne, der auf ganz andere Weise interessant ist.

Forscher der Universität Lavras im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais haben eine bisher unbekannte Tausendfüßerart entdeckt, die einem sehr altertümlichen Entwicklungszweig dieser Tiergruppe angehört. Wie das Zoologische Forschungsmuseum Alexander Koenig (ZFMK) mitteilte, wurde die fast durchsichtige Art, die zur Ordnung der Glomeridesmida gehört, in einem System von Eisenerzhöhlen aufgespürt. Mit den Fotos der Tiere seien erstmals Lebendaufnahmen von einem Vertreter dieser Gruppe gelungen.

Tiere der Ordnung Glomeridesmida waren unter den ersten bekannten Landlebewesen, heißt es in der Mitteilung. Sie bewohnen die Erde bereits seit 350 bis 400 Millionen Jahren. Weltweit seien heute nur 31 Arten bekannt, die in Mittelamerika, der Karibik, Indien und Indonesien vorkommen - in Brasilien hatte man mit einem derartigen Fund nicht gerechnet. Und jetzt könnte der kleine Tausendfüßer, der lange von seiner unterirdischen Heimat beschützt wurde, im Gegenzug zu deren Retter werden.

Wechselspiel der Schutzfaktoren

Laut Thomas Wesener, dem Kurator für Tausendfüßer am ZMFK, handelt es sich bei dem neuentdeckten Tier um einen ungewöhnlich großen Vertreter seiner Gruppe - er misst immerhin einen Zentimeter. Der Kalkpanzer der Tiere ist den Forschern zufolge so stark reduziert, dass sie gläsern-durchsichtig erscheinen. Vermutlich hat die Abwesenheit von Fressfeinden in dem abgeschlossenen Biotop dazu geführt, dass die Tiere ihr schützendes Kalkskelett im Verlauf der Evolution fast vollständig reduzieren und die Energie für dessen Aufbau anderweitig investieren konnten. Die Tiere sind dadurch allerdings extrem zerbrechlich.

Doch das Ökosystem bietet nicht mehr denselben Schutz wie früher: Die Höhlen, in denen die Tiere vorkommen, befanden sich ursprünglich im brasilianischen Regenwald. Dieser ist in der Fundregion durch die zunehmende Landnutzung mittlerweile in Ackerland umgewandelt worden. Und jetzt droht auch den Höhlen-Biotopen selbst Gefahr: Bis 2008 waren in Brasilien alle Höhlen geschützt, seitdem können Höhlen zum Beispiel für Bergbautätigkeiten zerstört werden. Außer es finden sich dort endemische Tierarten. Der kleine Tausendfüßer könnte nun daher dazu führen, dass das Höhlensystem geschützt werden muss. (red, derStandard.at, 19. 11. 2012)

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