"Gewaltige Kraft für das Gute": Der vergessene Weltfernsehtag

  • Der 2006 verstorbene Showmaster Rudi Carrell zelebrierte das Fernsehen Zeit seines Berufslebens.
    foto: dpa/dieter klar

    Der 2006 verstorbene Showmaster Rudi Carrell zelebrierte das Fernsehen Zeit seines Berufslebens.

Die Vereinten Nationen widmen der Mattscheibe einen Gedenktag - den aber kaum jemand kennt

In ORF ermittelt die "Soko Donau" wieder, Mari Lang widmet sich in "Mein Leben" Bernd T. - tituliert als Allahs steirischer Sohn -, während Harald Krassnitzer rät "Trau niemals deiner Frau". Unverdrossen heißt es unterdessen auf ATV "Bauer sucht Frau", während man auf Puls 4 mit "CSI" den Tätern auf der Spur ist. Wer am Mittwochabend die österreichischen Fernsehsender durchzappt, könnte in etwa diesen Bildermix zu sehen bekommen. Ein TV-Abend von vielen - mit einer Ausnahme: Der 21. November ist Welttag des Fernsehens.

Für seinen "wachsenden Einfluss auf die Entscheidungsfindung" ehrten die Vereinten Nationen das Massenmedium Nummer 1 mit diesem Gedenktag. Fernsehen "lenkt die globale Aufmerksamkeit auf Konflikte und Bedrohungen für Frieden und Sicherheit", schrieben die Diplomaten 1996 bei ihrer Vollversammlung in New York. Kofi Annan, damaliger Generalsekretär, fasste zusammen: "Fernsehen kann eine gewaltige Kraft für das Gute sein."

Digital Natives sehen fern

Mehrere Stunden verbringt der durchschnittliche Zuschauer im Schnitt vor der Flimmerkiste. Selbst die jungen Erwachsenen zwischen 14 und 29 Jahren, die mit dem Internet aufgewachsen sind und wegen des vielen Surfens eigentlich weniger fernsehen müssten, glotzen fast genauso viel TV wie der Durchschnittsbürger. Aber braucht ein weltweit bekanntes Massenmedium wirklich einen eigenen Gedenktag?

Anruf bei den Vereinten Nationen. "Die Frage, warum es diesen Tag geben muss, kann ich ihnen auf Anhieb nicht beantworten", sagt ein Sprecher. Auch die Unesco, die Weltorganisation für Wissenschaft und Kultur, hat auf Anhieb keine passende Erklärung. "Wenn Sie mich nicht angerufen hätten, hätte ich das bis Weihnachten gar nicht gemerkt", sagt ein Sprecher, und ergänzt: "Der Erfolg von solchen Tagen hängt ja auch immer davon ab, was die betroffenen Institutionen daraus machen."

Abschaffung beinahe unmöglich

Veraltete oder überflüssig gewordene UN-Gedenktage abzuschaffen, sei fast unmöglich, sagt der Unesco-Sprecher. "Das erfordert extrem viel diplomatischen Mut." Das UN-Mitgliedsland, das die Initiative ergreift, sei später nur selten von seiner Überzeugung abzubringen. Und so wird der "World Television Day" auch 2013 gefeiert. Und wer nach den vielen Feierlichkeiten von der Glotze genug hat: Am 22. November ist internationaler Tag der Hausmusik. (APA, 19.11.2012)

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