Hervis und Eybl & Sports Experts am Pranger

19. November 2012, 12:19
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In der Outdoor-Bekleidungsbranche gibt es noch einiges zu tun, damit zum Lifestyle-Feeling auch gerechte Arbeitsbedingungen kommen

Wien - In der Outdoor-Bekleidungsbranche gibt es noch einiges zu tun, damit zum Lifestyle-Feeling der Kunden auch halbwegs menschengerechte Arbeitsbedingungen für die Näherinnen dazu kommen, kritisierte am Montag die Clean Clothes Kampagne (CCK) in einer Aussendung. Zwar habe sich schon einiges gebessert, aber vieles liege noch immer im Argen - auch was die Informationspolitik der Hersteller betrifft.

CCK übte in diesem Zusammenhang Kritik an den Sportartikelhändlern Hervis und Sports Eybl & Sports Expert, die Anfragen zu den Arbeitsumständen ihrer Zulieferer in Schwellenländern schuldig blieben. "Unter welchen Standards die Produkte von Kilimanjaro und Seven Summits gefertigt werden, bleibt für uns ungewiss. Die Erfahrungen der Clean Clothes Kampagne zeigen jedoch: Wer nicht pro-aktiv gegen die Ausbeutung von Menschen vorgeht, lässt sie gewähren", so die Einschätzung von Michaela Königshofer von CCK.

Eybl meldet sich zu Wort

Sports Eybl hat als Reaktion in einer Stellungnahme darauf hingewiesen, dass man die eigenen Vertragspartner nicht nur zur Einhaltung sämtlicher gesetzlichen Standards auf dem jeweils höchstmöglichen Standard verpflichte sondern auch ein Commitment einfordere, dass sie sich im Bereich Forschung und Entwicklung besonders in Nachhaltigkeitsfragen engagieren.

Nichts halte man dagegen von Radikalmaßnahmen wie dem Boykott von Produzenten oder Produkten, da sich Eybl als Mittler zwischen Herstellern und Endkonsumenten sehen und hinter jedem Produkt auch immer ein Kundenbedürfnis steht. Und bevormunden wolle man den Kunden nicht.

Für 2013 plant Eybl einen Nachhaltigkeits-Kongress und zusätzlich ein Öko-Bonus-System für Hersteller mit besonders großem Nachhaltigkeits-Bewusstsein.

Von Hervis hieß aus der Pressestelle, man werde Infos veröffentlichen, Details wurden keine genannt.

Auch Olympia-Ausstatter in der Kritik

Im hinteren Feld findet sich auch das deutsche Unternehmen Erima, Ausstatter des Österreichischen Olympischen Comités (ÖOC). Dabei habe sich das ÖOC 2008 zu einer sozial fairen Beschaffung bekannt, indem es soziale Standards in die Lizenzverträge mit Ausstatterfirmen aufnehmen wollte. "Ich hoffe, dass das ÖOC nicht wieder eine Olympiade tatenlos verstreichen lässt und endlich die eigenen Vorgaben umsetzt", betonte Königshofer.

Laut CCK hat sich die Outdoor-Branche in den vergangenen zwei Jahren allerdings gebessert. "In der Branche ist unsere Forderung nach existenzsichernden Löhnen angekommen. Es ist nur zu hoffen, dass es nicht bei Absichtserklärungen der Unternehmen bleibt, sondern die Arbeiterinnen tatsächlich profitieren", so Königshofer. (APA, 19.11.2012)

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