"Austrian-Desk" für Steuersünder in Zürich

19. November 2012, 10:53
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Eine Wiener Kanzlei berät mitten im Zürcher Bankenzentrum verunsicherte Anleger, die volle Abgeltungssteuer sei ein "Verhandlungstrick"

Wien/Zürich - Das Steuerabkommen zwischen Österreich und der Schweiz füllt nicht nur die Staatskassen, sondern auch jene von Anwälten und Steuerberatern. Die Wiener Kanzlei LeitnerLeitner hat mitten im Zürcher Bankenzentrum sogar einen eigenen "Austrian-Desk" für verunsicherte Anleger eingerichtet. Vorwiegend haben es die Berater mit Fällen zu tun, bei denen das Geld schon mindestens 20 oder 30 Jahre in der Schweiz liegt und sich jetzt die zweite oder dritte Generation darum kümmert, sagte Büroleiter Rainer Brandl dem "Kurier".

Viele Konteninhaber aus Westösterreich

Fälle, in denen planmäßig über Jahre Steuern hinterzogen wurden, spielten hingegen eine untergeordnete Rolle. Brandl bestätigte, dass die meisten Konteninhaber wegen der regionalen Nähe aus Westösterreich stammen. "Zahlenmäßig wahrscheinlich. So soll es allein 20.000 Grenzgänger aus Vorarlberg geben", sagte der Steuerexperte. Über die Höhe des Vermögens sage das aber nichts aus.

Ob eine Selbstanzeige oder die anonyme Abgeltungssteuer zu empfehlen sei, hänge vom Einzelfall ab, aber es gebe Tendenzen. "Bei einem normal veranlagten Vermögen ab 500.000 Euro wird eine Selbstanzeige inklusive Beratungsleistung günstiger sein."

Die maximale Abgeltungssteuer von 38 Prozent werde "so gut wie nie zur Anwendung kommen", erklärt Brandl. Aus seiner Sicht war das "eher ein Verhandlungstrick". Im Schnitt dürften es 15 bis 20 Prozent sein.

Laut Finanzministerium 210 Selbstanzeigen

Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) erhofft sich von dem Steuerabkommen mit der Schweiz, das nächstes Jahr in Kraft tritt, eine Milliarde Euro an Kapitalrückflüssen. Neben der einmaligen Abschlagssteuer auf noch nicht verjährte und versteuerte Guthaben fallen in der Folge 25 Prozent auf die Zinserträge an, was jährlich rund 50 Millionen Euro bringen soll. Laut Finanzministerium sind heuer bereits 210 Selbstanzeigen eingetrudelt, was Mehreinnahmen von 59 Millionen Euro beschert hat, so der "Kurier". Seit 2008 gab es somit 433 Selbstanzeigen.

Österreicher haben Schätzungen zufolge 12 Milliarden Euro an unversteuertem Vermögen in der Schweiz gebunkert. EU-Steuerkommissar Algirdas Semeta wirft Österreich vor, Steuerhinterziehung zu begünstigen, das Land solle, wie auch Luxemburg, am automatischen Informationsaustausch für Zinserträge teilnehmen, sagte Semeta kürzlich der deutschen "WirtschaftsWoche". (APA, 19.11.2012)

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