In Deutschland scheint die Sonne länger

Peter Matzanetz
18. November 2012, 20:54
  • Der Münchner "Skygarden" der CA Immo wurde als Green Building konzipiert. Hauptmieter des von BRT geplanten Gebäudes ist das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen Pricewaterhouse Coopers (PwC). Vermietungsgrad: 90 Prozent.
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    foto: ca immo

    Der Münchner "Skygarden" der CA Immo wurde als Green Building konzipiert. Hauptmieter des von BRT geplanten Gebäudes ist das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen Pricewaterhouse Coopers (PwC). Vermietungsgrad: 90 Prozent.

  • Deutsche Markterschließung mit viel Strategie: "Viktoria Quartier" in Berlin.
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    foto: conwert

    Deutsche Markterschließung mit viel Strategie: "Viktoria Quartier" in Berlin.

Österreichische Immobilien-AGs mögen den deutschen Markt. Im Fall eines Euro-Zusammenbruchs verspricht der investierte Euro hier noch am ehesten, den Wert zu behalten

Wien - Nach dem heurigen Auflassen der Real Vienna hat der jährlich stattfindende Real Estate Circle als Stimmungsbarometer an Bedeutung dazugewonnen. Den siebenten Circle, der kürzlich über die Bühne ging, nahmen die Top Player unter den heimischen Immobilieninvestoren zum Anlass, ihre Rolle in Bezug auf das wirtschaftliche Gesamtgeschehen zu beurteilen. Das Stichwort Lehman durfte auf dem Podium ebenso wenig fehlen wie das oft bemühte Modewort Immobilienblase.

Marktpräsenz zählt

Der deutsche Immobilienanalyst Stefan Schilbe von der Investmentbank HSBC Trinkaus & Burkhardt AG stellte Letztere in Abrede und äußerte sich auch zum Thema Inflation milde: "Bei den aktuellen Immobilien-Preisentwicklungen in Deutschland und Österreich kann nicht groß von Inflation gesprochen werden." Das Fortbestehen der Finanzunion ist bei Schilbe hingegen nicht ganz so sicher. Investitionen in deutsche Immobilien interpretiert er bereits als eine Art Kapitalflucht für den Fall des Falles.

Die österreichischen Immobilien-Aktiengesellschaften folgen seiner Vermutung. Sie sind allesamt an Deutschland interessiert. Für Bruno Ettenauer, Vorstandsvorsitzender der CA Immo AG, steht dabei aber vor allem die Marktpräsenz im Vordergrund: "Es ist schon wichtig, ein relevanter Player am Markt zu sein. Und das sind wir in Deutschland."

Jürgen Kelber, Direktor der conwert Immobilien Invest SE, ließ bei der Stärkung des deutschen Standbeins eine gewisse strategische Absicht durchklingen: "Wir verkaufen in Wien Zinshäuser mit niedrigen Renditeaussichten und kaufen in Berlin mit höheren zu." Im Gegensatz zum Osteuropageschäft sei da auch noch die nötige Liquidität gegeben. Auch die S Immo AG fällt in Sachen Deutschland-Fokus nicht aus der Reihe: "Neuinvestitionen werden wir tendenziell in Deutschland und Österreich tätigen", meinte Vorstand Ernst Vejdovszky.

Neue Hoffnungsmärkte

Die Immofinanz Gruppe wiederum hat Größeres vor und will sich in Deutschland im Wohnsegment gezielt verstärken. Man hat personell aufgestockt und bearbeitet aktuell acht Wohnbauprojekte. "Mittel- und langfristig wollen wir ein größeres deutsches Wohnungsportfolio aufbauen, das man dann zusammen mit der Buwog in einem eigenen Konzern an die Börse bringen könnte", sagt Eduard Zehetner, Generaldirektor der Immofinanz, und umreißt damit die aktuelle Bereinigung seiner Veranlagungsformen.

Nicht zu kurz kommt dabei das Ostgeschäft mit Bauprojekten in Polen, Ungarn, Rumänien und in Moskau. Für einen Rückzug aus Osteuropa war beim Real Estate Circle auch die andere, hier stark engagierte S Immo AG keineswegs zu haben. "Für uns sind die neuen Hoffnungsmärkte auch die alten", meinte Vejdovszky. Bei einem Verkaufsszenario sehe er lediglich mögliche Verluste. Stattdessen müsse man mehr zum Erhalt der Mieter beigetragen und an der Kostenschraube drehen. "Reine Schönwetterkapitalisten würde das von den Märkten abhalten." (Peter Matzanetz, DER STANDARD, 17./18.11.2012)

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5 Postings
Was ist das eigentlich fuer ein ewiges Gequargel vom Zusammenbruch des Euro ???

der Euro ist eine Währung mit Zentralbank. Man kann ihn aufwerten (wenn man prestigekrank ist oder damit damit nicht Exporte überheizen und Importe zu billig werden)
oder
man kann ihn abwerten (wenn Exporte mit Gewalt gesteigert werden sollen oder Importe weniger weil zu teuer werden sollen)

ABER

eine Währung ist ein politisches Projekt und sie kann nicht zusammenbrechen, höchstens ein Land ins Chaos übler Deflation stürzen
-- von 10% Inflation 1985 auf heute fast null ist das 10% DEflation --
(und das heisst auf Dauer Unruhen, wie sie klarerweise und 20 Jahre früher als erwartet in Griechenland, Italien, Spanien und Portugal da sind)
oder
in Inflation verheizen (ab 15%)

aber alles sonst ist Gewäsch zur PolitBonzenFinanzierung ...

das ist genauso wie mit einem BGE

(bedingungslosen Grundeinkommen, siehe zb http://existenzgeld2.wordpress.com )

was "wir" (also Wähler) uns einig sind, dass wir es wollen, das geschieht
-- und kann ohne weiteres geschehen --
(und zwar ohne "Schaden" und "Probleme")
zumindest wenn die heutigen Bonzen abgewählt werden

und wenn sich Zentralbank und Regierung einig sind, und das gilt das erst recht für die Währung EURO

(weil Europa weder auf Importe noch Exporte nach "nicht-EU" angewiesen ist: es ist alles da und es reicht für alle aus, wenn man nicht unverschämten Raubkapitalismus a la Kommission betreibt)

aber so isolationistisch muss gar nix werden (das diente nur der Veranschaulichung), nur von "Krise" oder gar "Euro"Krise" zu reden ist einfach eine Frechheit.

manch einer hat eben illusionen

dabei ist immobilienbesitz gerade in deutschland besonders gefährlich. denn dort gab es schon früher zwangshypotheken und eine besonders preusische bürokratie. auch der deutsche staat wird durch einen währungsschnitt seine büger großteils enteignen.

Genaugenommen besitzt Du eine Immobilie nicht.
Du hast nur ein staatliches Dokument, dass dem so wäre, welches an den Goodwill oder die Existenz des Staates gebunden ist.
Weltweit so, es sei denn, Du wirst Staat.

in manchen staaten ist es aber schlimmer als in anderen

ganz besonders arg ist der deutsche staat.

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