Vor dem Reisebeginn

Peter Illetschko
18. November 2012, 19:40
  • Panoramablick auf den Cerro Paranal: Eine "Kathedrale der Wissenschaft".
    foto: eso

    Panoramablick auf den Cerro Paranal: Eine "Kathedrale der Wissenschaft".

  • Das Very Large Telescope unter einem unvergleichlich klaren Himmel.
    foto: eso

    Das Very Large Telescope unter einem unvergleichlich klaren Himmel.

Nur wer eine ärztliche Freigabe hat, darf zum höchsten Teleskop-Plateau in der chilenischen Atacama

Die Luft soll ja recht dünn sein am 5.100 Metern hoch gelegenen Chajnantor-Plateau in der chilenischen Atacama-Wüste. Deswegen sind die Techniker, die hier arbeiten, um die gigantische Teleskopanlage ALMA zu errichten, mit Sauerstoffflaschen ausgerüstet und machen immer wieder längere Pausen - auch in niedrigeren, sauerstoffreicheren Regionen. Warme Kleidung ist sowieso Pflicht. Und die Trockenheit in der Luft ist auch nicht ohne. Derzeit liegt sie bei staubigen acht Prozent. Angesichts dieser Voraussetzungen erscheint es nicht verwunderlich, dass diese Ingenieure in so manch einer Fernsehdokumentation von einer dramatischen Erzählerstimme als knallharte Burschen beschrieben wurden. Die Quote verlangt es.

Ein Hauch von Gigantomanie

ALMA, das Atacama Large Millimeter/submillimeter Array, ist seit 2011 in Betrieb. Im kommenden Jahr soll es fertiggestellt werden. Dann werden 66 Antennen auf dem Plateau stehen, ein Interferometer, das so leistungsfähig ist, wie ein einzelnes riesiges Teleskop. Ideale Voraussetzungen für künftige Beobachtungen, sagen die Astrophysiker. Ihr Motto: "Je größer, desto besser, desto leistungsfähiger". ALMA kann als Radioteleskop, wie der Name verrät, in den Submillimeterbereich tauchen und zum Beispiel die chemische Zusammensetzung bei Sternengeburten analysieren. Aber auch ferne Planetensysteme soll man hier beobachten können. Kostenpunkt: eine Milliarde Euro. Wem da ein Wort wie "Gigantomanie" über die Lippen huscht, dem darf man gar nicht böse sein.

Astrophysiker versuchen immer komplexere Fragen zu beantworten und brauchen dafür natürlich immer ausgefallenere Systeme. Das Very Large Telescope VLT der Europäischen Südsternwarte ESO auf 2.635 Metern Höhe am Cerro Paranal ist bereits so eine Kathedrale der Wissenschaft - aber eben im optischen Bereich. Dort wurden die ersten Bilder eines Exoplaneten gemacht. Das European Extremely Large Telescope E-ELT wird am Cerro Armazones auf etwa 3.000 Metern Höhe entstehen. Renderings zeigen schon, dass Autos und Menschen im Vergleich zu diesem Monstrum mit einem Hauptspiegel von 39 Metern Durchmesser wie einsame Ameisen wirken.

Forschung und Öffentlichkeitsarbeit

Letztlich wollen wir ja alle wissen, was genau bei der Entstehung des Universums geschah und ob es nicht auch anderswo Leben geben könnte. Nein, damit sind keinen runzligen, freundlichen Lebewesen gemeint, die einen großen Kopf haben und mit US-amerikanischen Kindern spielen. Es gibt noch viele andere Gründe, die Astrophysiker anführen, wenn sie die zahlreichen Bauvorhaben in ihrem Fach rechtfertigen wollen.

Auch deshalb hat die ESO Journalisten nach Chile eingeladen: Um zu zeigen, was sie macht, um zu diesen und anderen Erkenntnissen zu gelangen. Die Reise wird von Santiago nach Antofagasta führen. Nächstes Ziel: der Cerro Paranal, der etwa 120 Kilometer südlich dieser Stadt liegt, denn das Very Large Telescope VLT muss man auch gesehen haben. Schließlich geht es zum ALMA-Plateau. Damit der Autor dieses Blogs spürt, wie dünn die Luft da oben ist. Natürlich wird man da nicht einfach so und ohne jedes Aber raufgelassen, denn die Höhenkrankheit kann lästige (Kopfweh, Übelkeit, Schlaflosigkeit, Herzrasen), aber auch sehr gefährliche Folgen haben.

Tests und Tipps in Sachen Gesundheit

Mitzubringen ist eine ärztliche Freigabe und die war nur mit Laborbefund, Lungenfunktionstest, Lungenröntgen, EKG, Belastungs-EKG und High Altitude Survey zu bekommen. High Altitude Survey? Bergsteiger werden vielleicht wissen, wie und wo man diesen Höhentest machen kann. Ein Städter muss das erst recherchieren. Im Höheninstitut atmet man schließlich aus einer Maschine mit einem Staubsaugerschlauch Luft ein, deren Sauerstoffgehalt schrittweise reduziert wird. Mit der Maske, über die man atmet, wirkt man wie Dennis Hopper in "Blue Velvet", aber wahrscheinlich nicht ganz so bedrohlich. Danach sagt ein Arzt, ob die Testperson gut, mittel oder eher gar nicht geeignet ist. Wer ein gutes Ergebnis hat, bekommt mit großer Wahrscheinlichkeit keine gefährliche Form der Höhenkrankheit.

Schließlich gibt es von Freunden und Bekannten kostenlos jede Menge Tipps gegen die Höhenkrankheit: Rote-Rüben-Saft war darunter, Ingwertee, ein Bier am Abend, damit man gut schlafen kann, und jeden Tag mehrere Aspirin, denn die verdünnen das Blut. Ein Bergsteiger will das im Himalaja an sich erfolgreich getestet haben, bis er Magenschmerzen bekam ... Wie nachvollziehbar klingt da der Tipp einer Astronomin, die immer wieder in Chile war: "Das Geheimnis ist, genug Wasser zu trinken und nie darauf zu vergessen."

Also steht der Reise nichts mehr im Weg. In die Region, wo man besonders viele Sterne auch mit freiem Auge sieht. Und die Stille so still sein soll, dass man sich als das fühlt, was man ist: Als kleiner Wurm, der gerade zufällig dasteht und einen Blick in den Nachthimmel riskiert. (Peter Illetschko, derStandard.at, 18. 11. 2012)

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"Letztlich wollen wir ja alle wissen, was genau bei der Entstehung des Universums geschah"

Nein, eigentlich wollen wir zunächst mal die Weltbevölkerung ernähren und den Hungertod in der Welt abstellen, dazu bräuchten wir auch diese Milliarde.

Genau dasselbe,

könnte man über Eurofighter sagen... Wissenschaft hat wenigstens einen gewissen nutzen.

Zugabe

Da kann ich nch was schönes beitragen. Schau mir das Video bestimmt einmal in der Woche an und bin immerwieder überwältigt. Unendlich schön
Es handelt sich hier um das VLT der ESO.

http://www.youtube.com/watch?v=w... plpp_video

Die High Altitude Survey ist nur für die ALMA High Site nötig, welche ja auf 5100m liegt. Die Vorschriften (aus versicherungstechnischen sowie Sicherheitsgründen) verlangen es, sowie eine Nacht in in San Pedro (auf ca. 2500m) bevor man ganz hinauf fahren darf. Weiters wird kurz vor der Fahrt zur High Site auf der Bodenstation (auf etwas weniger als 3000m) die Sauerstoffsättigung im Blut gemessen. Darüberhinaus muss man eine Sauerstoffflasche (für Notfälle) mitnehmen. Oben ist die Luft spürbar dünn, doch für mich war es damals problemslos möglich dort gemütlich herumzugehen. Die Sauerstoffflaschen hat sicher keine echt gebraucht, doch jeder hat sie benützt, weil die Dinge sind einfach zu cool um nicht damit herumzuspielen.

läuft dann dort jeder "erstbesucher" zumindest, mit "darth vader"-geschnaufe herum ;-).

Gemäß meiner eigenen Erfahrung und dem was ich von Kollegen gehört habe: JA!

"Erste Bilder eines Exoplaneten"

ist eine euphemistische Übertreibung. Leider handelt es sich nur um ein paar herausgerechnete Pixel. Aber immerhin, 's wird schon werden.
Hier das "Bild" des Exoplaneten: http://de.wikipedia.org/w/index.p... 1124102657

http://www.space.com/18548-sup... hotos.html

der hier gibt schon ein bissal mehr her !!
ist sicher einer der besten/deutlichsten bilder eines exoplaneten jetzt. (gibt ja schon ein paar)

alleine die technik ist ziemlich faszinierend. muß daran denken wie "grindig" das entdeckerbild, des plutomond charon war.
und 35 jahre später können wir schon exoplaneten deren existenz auch erst keine 20 jahre fix war, abbilden !!

Schon,

aber erstens sind diese Bilder ganz neu und zweitens so weit ich weiss auf Hawaii gemacht worden. Was natürlich nichts daran ändert, daß es da gewaltige Fortschritte gibt. Ich habs ja nur erwähnt weil ich denke, daß sich die meisten leider völlig falsche und schöne Vorstellungen machen, wenn sie "Bilder eines Exoplaneten" lesen;) (nicht umsonst ist ja auch das erste, was man sieht, wenn man Ihrem Link folgt, ein "Artist's Rendering"...;)

Der Körper ist die Hülle eines mathematischen Musters.

Wer dachte die ZEIT bescheixxen zu können, den muss ich enttäuschen.
Das ist mathematisch nicht möglich.
Aquarius
http://bitly.com/UyvPdj
(YT.playlist 3 Videos)

Gute Reise!
Hach, bin ein bissl neidig, obwohl ich mich erst im März in der Gegend rumgetrieben habe. Unbedingt auch zu den Tatio-Geysiren raufschauen.

Alles Gute!

Das mit dem Aspirin fangen's aber lieber gar nicht an ;)

Der Bericht suggeriert,

dass jeder, der sich in diese Höhe begibt, die Höhenkrankheit bekommt.
Das ist falsch.
Wenn die Reise von Antofagasta (am Meer gelegen) auf den Cerro Paarnal (2640m) und dann hinauf auf das 5200m hochgelegene Alma-Plateau innerhalb von zwei Tagen erfolgt, dann haut es jeden um. Da kann der Höhentest noch so gut ausgefallen sein.

Wer sich jedoch richtig akklimatisiert, dem machen die 5200m nichts aus.

Die Erfahrung hab ich in San Pedro de Atacama und in
Tibet in durchschnittlicher Höhe von 3600m gemacht.
Alles halb so schlimm, Herr Illetschko, langsam dieses Abenteuer angehen (um das ich Sie und viele andere im Forum beneide) und alles Gute....

Wieso gibt es hier Rot? 'Die Leistungsfähigkeit sinkt'. Die wollen da oben ja keinen Marathonlauf veranstalten und gesundheitlich angeschlagene, womöglich kettenrauchende Schwachbrüstler nehmens sowieso nicht mit.

Nichts ausmachen ist Blödsinn. Man mag es mit Akklimatisierung recht gut vertragen, aber die Leistungsfähigkeit sinkt klar. Man kommt sehr viel schneller ins Schnaufen, und wenn man vorher schon ein bischen Problem mit der Lunge hatte, wird es auf jeden Fall problematisch.

Probleme mit der Lunge??

Was meinen S' damit, Herr Zinnmo?

Wer Probleme mit der Lunge hat, soll nach Alland gehen, aber nicht in die Anden auf 5200m Höhe.
Nochmals für Sie: Langsame Akklimatisierung, d.s. drei bis fünf Tage in 2500- bis 3000 Meter, und es geht.

Wer schnell ins Schnaufen, wie Sie sagen, bewegt sich falsch und hat was auf der Pumpe....
Ich weiß wovon ich rede; ich kenne genügend tibetische Pässe über 5.000 hoch und hatte noch nie Probleme.

"Wer Probleme mit der Lunge hat, soll nach Alland gehen, aber nicht in die Anden auf 5200m Höhe."

Aja.. und der Test hat nicht zufällig den Sinn herauszufinden, ob mit der Lunge soweit alles ok ist?
Und natürlich mit dem Kreislauf

das wär super, mal dorthin zu fahren

was kost´ des ganze? weiß jemand etwas über den kostenpunkt?

google weiß alles!

Ungefähr

Ungefähr
Ich war 2011 in Chile und bin am Eingang zum ALMA Gelände vorbeigefahren. Ein Flug nach Santiago (hin und retour) liegt bei ca 1300€, der Inlandsflug dann nochmals ca. 200€. Zum Übernachten eignet sich wohl am besten San Pedro de Atacama. Ob man allerdings ins Gelände hinein darf weiß ich nicht. Auch ist mir letztes Jahr gesagt worden, dass es erst 2013 offiziell eröffnet. Also mit 2000€ müsste man leicht hin und wieder zurück kommen.

ALMA ist derzeit noch für Besucher geschlossen (mit sehr wenigen Ausnahmen). Jedoch wenn nächstes Jahr die Bauarbeiten abgeschlossen sind, ist es geplant es ähnlich wie die anderen ESO-Standardort (Paranal, La Silla) für reguläre Besucher zu öffnen. Natürlich mit Voranmeldung und Führung ... die Details stehen so viel ich weiß noch nicht fest, aber es wird dann möglich sein die Radio(Millimeter)-Teleskope als normaler Tourist zu besuchen.

zumindest in tololo (bei vicuna) kann man mw hinein, das dürfte auch schon ganz beeindruckend sein (ich bin aber absoluter laie).
eine chile-reise kann ich generell wärmstens empfehlen - reiseroute vorher gut überlegen, sonst muss man uU teuer rauf/runterfliegen. und valparaiso nicht auslassen!

Kostenpunkt: eine Milliarde Euro. Wem da ein Wort wie "Gigantomanie" über die Lippen huscht, dem darf man gar nicht böse sein.

Nur zum Vergleich:

Wieviele Millionen an Wohznbaugeldern hat ein geistbefreiter NÖ Musiklehrer schnell verzockt?

Ach, das war ja auch fast eine Milliarde!

Wieviel musste der Steuerzahler bislang in die marode Hypo Alpe Adria reinp*dern?

Ach, das ist ja mehr als 3x so viel ....

DA SIEHT MAN ERST, WELCH VERNÜNFTIGE DINGE MAN MIT DEM GELD LEISTEN KÖNNTE, DAS UNSERE "LEISTUNGSTRÄGER" VERSCHLEUDERN!

schön, dass sie den test bestanden haben - trinken sie doch einen pisco für mich mit!
bei mir hats gerade mal für das observatorium in mamalluca gereicht, mir ist schon in san pedro blümerant geworden ;-)

die astronomen machen auch geniale timelapse filme

hab ich glaub ich bei natgeo gesehen:

http://youtu.be/umYVk0CP3Ig

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