Kunst im Werkunterricht

Ansichtssache18. November 2012, 18:57
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foto: arte/zdf/michael sombetzki

"Sie haben sich schon immer gefragt, was Kunst überhaupt ist?" - mit diesem kokett niederschwelligen Zugang bewirbt Arte seine sechsteilige Serie, die seit Sonntag letzter Woche zu sehen ist: "Alles für die Kunst! - Die Fernseh-Masterclass".

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Aus 2000 Bewerbungen wurden sieben Künstlerinnen und Künstler ausgewählt, die an dieser Klasse teilnehmen dürfen, am Ende steht für diejenigen, "die durchgehalten haben", eine Ausstellung im Karlsruher Zentrum für Kunst und Medientechnologie.

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Davor müssen die Künstler in einer Art gemäßigter Casting-Show Aufgaben erfüllen, sich von einer Jury bewerten und von Mentoren beraten lassen. Am Sonntag war nun die Aufgabe: Das Selbstporträt. Jeder bekam seine eigene Kiste mit Materialien - ohne Stifte, ohne Pinsel. "Weil uns das zu einfach erschien", so die Jury. Man ließ die Künstler also mit Vorhängen, Schwämmen oder Putzlappen etwas zusammenbasteln. Das wenig überraschende Urteil der Kunstexperten über die so entstandenen Werke: "dünn", "trivial", "zu narrativ". Kunstsammlerin Christiane zu Salm: "Die Aufgabenerfüllung war gut, aber wenn ich das in einer Galerie sehe, frage ich mich schon: 'Ist das Kunst?'"

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Die bessere Frage wäre gewesen, wie Kunst überhaupt entstehen soll, wenn wie im Werkunterricht - ohne eigenen Antrieb, aber mit vorgegebenen Ideen und Materialien - gearbeitet werden muss. Der Schweizer Performance-Künstler und Filmemacher Dieter Meier hatte in seiner Funktion als Mentor die leicht irritiert wirkenden Nachwuchskünstler nach der "Position des Berufskünstlers in einer kleinbürgerlichen, kapitalistischen Welt" gefragt. In "Alles für die Kunst" kann man sie sehr deutlich sehen. (Andrea Heinz, DER STANDARD, 19.11.2012)

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