Amir Peretz - Der Mann hinter dem "Iron Dome"

Kopf des Tages18. November 2012, 18:38
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Amir Peretz setzte gegen die Empfehlung der Militärs die Entwicklung des "Iron Dome" durch

Hinter seinem Markenzeichen, dem buschigen Schnauzbart, lächelt er jetzt verschmitzt. Vor einigen Jahren war Amir Peretz als offenbar inkompetenter Verteidigungsminister in Israel noch eine Lachnummer, jetzt ist er als einfacher Abgeordneter der oppositionellen Arbeiterpartei zwar ohne Einfluss auf das Tagesgeschehen, aber doch der Held des Augenblicks. Peretz war es, der seinerzeit gegen die Empfehlung der Militärs die Entwicklung des "Iron Dome" durchsetzte. Jenes Raketenabwehrsystem erweist sich jetzt sich als defensive Wunderwaffe.

Von der Stadt Ashkelon, die im Zielgebiet der palästinensischen Raketen liegt und trotzdem kaum einen Treffer abbekommt, wird Peretz eine Auszeichnung bekommen. Sogar politische Gegner gratulieren ihm vor laufender Kamera mit hochgestreckten Daumen. "Iron Dome" hat eine beinahe strategische Veränderung herbeigeführt. Ohne sie wären Opferzahl und Schäden in Israel viel größer, die Gegenschläge härter, und die Lage in der Region wäre noch viel gefährlicher.

Mischung aus Computerspiel und Science-Fiction

Das Produkt der israelischen Rüstungsfirma Rafael wirkt wie eine Mischung aus Computerspiel und Science-Fiction - fasziniert beobachten die Israelis den Zusammenprall der kleinen Punkte am Himmel. Weil Raketen mit kurzer Reichweite manchmal nur 30 Sekunden Flugzeit haben, galt es als unmöglich, sie abzufangen. "Als ich die Forscher von Rafael traf, war ich überwältigt von ihrem Glauben daran, dass sie ein System mit unfassbaren technologischen Fähigkeiten bauen könnten", so Peretz.

Der Bau einer Abwehrbatterie kostet um die 70 Millionen Dollar, eine einzelne Abwehrrakete rund 50.000 Dollar. Aber bei der unerwartet hohen Trefferquote von mehr als 80 Prozent gilt das als gute Investition.

Gewerkschaftsboss

Motiviert war der in Marokko geborene 60-Jährige wohl auch dadurch, dass er in dem Städtchen Sderot zu Hause ist, das seit Jahren von palästinensischen Kassam-Raketen getroffen wird. Bekannt wurde er als Gewerkschaftsboss. Zur allgemeinen Verblüffung schlug er 2005 Shimon Peres bei der Wahl des Chefs der Arbeiterpartei. Noch verblüffender war, dass er 2006 in der Regierung Olmert Verteidigungsminister wurde.

Wenig später schlitterte Israel in den Libanonkrieg, für dessen unglücklichen Verlauf Peretz mitverantwortlich gemacht wurde. Als er bei einem Manöver dann noch einen Feldstecher verkehrt herum hielt, war sein Image völlig beschädigt - jetzt ist es wieder repariert. (Ben Segenreich, DER STANDARD, 19.11.2012)

 

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