Montezemolo: Der Wahlhelfer im Ferrari

Kommentar18. November 2012, 19:43
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Montezemolo weiß, dass Italiens Zukunft davon abhängt, dass jemand das Land regiert, der über jeden Verdacht der Vorteilsnahme in eigener Sache erhaben ist

Wenn es Milliardäre in die Politik zieht, gehen andere meist schnell in Deckung. Mit Recht. Das hat für das Land noch selten, wenn überhaupt jemals, geklappt. Silvio Berlusconi könnte ein Lied davon singen, wenn er nicht lieber Realitätsverleugnung betreiben würde. Nun betritt mit Ferrari-Chef Luca Cordero di Montezemolo ein weiterer Schwerreicher das Spielfeld. Er wolle, so sagt er, dazu beitragen, Italien wieder jene Glaubwürdigkeit und Würde zu geben, die dem Land zustehe.

Mit ganz ähnlicher Rhetorik hatte sich schon vor bald 20 Jahren der Medienunternehmer Berlusconi als ultimativer Polit-Messias ins Spiel gebracht. Am desaströsen Ergebnis laboriert Italien bis heute. Was Montezemolo aber von Berlusconi unterscheidet, ist die Tatsache, dass er - ebenfalls sehr macht- und statusbewusst - nicht selbst in die erste Reihe drängt. Er weiß, dass Italiens Zukunft davon abhängt, dass jemand das Land regiert, der über jeden Verdacht der Vorteilsnahme in eigener Sache erhaben ist.

Nun bekleidet diesen Posten bereits die richtige Person: Mario Monti. Der Wirtschaftsprofessor ist seit einem Jahr im Amt - für Italien eine lange Zeit. Er ist wohl der einzige, dem die internationale Politik und Wirtschaft genug Intelligenz und Kompetenz zutrauen, Italien aus der Krise zu führen. Und mit Montezemolo hat er einen wichtigen Wahlhelfer. Auch wenn Monti beteuert, nach dem Frühjahr 2013 nicht weiterregieren zu wollen: Er wird es tun. (Gianluca Wallisch, DER STANDARD, 19.11.2012)

 

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