Spanische Proteste gegen Krisenpolitik halten an

Madrid - Die Proteste gegen das Kürzungsprogramm der konservativen spanischen Regierung reißen nach dem Generalstreik vom vergangenen Mittwoch nicht ab. Am Sonntag gingen in Madrid zehntausende Ärzte, Krankenschwestern und andere Beschäftigte aus dem Gesundheitssektor ganz in Weiß auf die Straße. Bereits am Samstag hatten in der Hauptstadt rund 5.000 Polizisten aus ganz Spanien demonstriert.

Die Parolen des Demonstrationszuges am Sonntag, an dem sich Blöcke aus allen Krankenhäusern des Großraums Madrid beteiligten, richteten sich vor allem gegen die Privatisierung des Gesundheitswesens. Der 33-jährige Krankenhausarzt Jaime Rodriguez sagte, er demonstriere, weil die Kürzungen sich negativ auf die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung auswirkten und die Arbeitsbedingungen für das Gesundheitspersonal immer schlechter würden.

Auf einem Spruchband des Protestmarschs der Polizisten hieß es: "Bürger, vergebt uns, dass wir nicht die festnehmen, die wirklich verantwortlich für diese Krise sind: Banker und Politiker." Eine Polizistin aus Galicien berichtete, dass die Kürzungen bei ihr 300 Euro pro Monat betrügen. Sie verdiene heute nur noch 1.450 Euro pro Monat, sagte die 36-jährige Anxos Lores Tome - weniger als bei ihrem Eintritt in die Polizei vor zehn Jahren.

Die größte Polizeigewerkschaft SUP hatte zu der Demonstration aufgerufen, um gegen die massiven Einschnitte bei den Beamtengehältern zu protestieren. SUP-Generalsekretär Jose Maria Sanchez Fornet warnte auf einer Kundgebung vor dem Innenministerium vor einer Verschlechterung der Sicherheitslage, weil jedes Jahr bis zu 2.000 Polizisten in den Ruhestand gingen, aus Spargründen aber nur 125 neue eingestellt würden.

Spanien steckt tief in der Rezession, jeder vierte Erwerbsfähige war im dritten Quartal dieses Jahres arbeitslos. Die Regierung aber will weiter sparen, um die Neuverschuldung von 9,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts 2011 auf 2,8 Prozent im Jahr 2014 zu drücken. 150 Milliarden Euro sollen dafür durch Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen eingespart werden. Am Mittwoch hatten die spanischen Arbeitnehmer mit einem landesweiten Generalstreik gegen die rigide Sparpolitik protestiert. (APA, 18.11.2012)

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