Gestrandet auf der neuen Saualm in Kärnten

Elisabeth Steiner
18. November 2012, 18:03
  • Asylwerber, die aus Traiskirchen in das Almdorf Grassler auf der Saualm verschickt wurden, können sich derzeit nur an der schönen Aussicht erfreuen.
    foto: gerhard maurer

    Asylwerber, die aus Traiskirchen in das Almdorf Grassler auf der Saualm verschickt wurden, können sich derzeit nur an der schönen Aussicht erfreuen.

In der Gemeinde Lamm auf der Saualm wurde völlig überraschend ein neues Asylheim eröffnet. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion wurden dorthin Flüchtlinge aus Traiskirchen und Wien verschickt

Klagenfurt - In der Streusiedlung Lamm auf 1000 Metern Seehöhe an der Südflanke der Saualm leben rund 120 Menschen. Sie haben plötzlich Zuwachs bekommen - über Nacht und ohne jede Vorankündigung. Im Almdorf Grassler sind seit Mittwoch 25 Asylwerber untergebracht. Noch einmal so viele sollen dazukommen, auch Familien.

"Da gehst spazieren, und auf einmal kommt dir so ein schwarzer Lotter (Mann) entgegen. Da schreckst di schon", meint eine ältere Frau im winzigen Ausflugsgasthof Schranzer. Es sei nicht recht, dass man die kleine Berggemeinde regelrecht mit den Asylwerbern "überfallen" hätte, doch grundsätzlich habe man nichts gegen die "armen Teufel". Man müsste sie "halt nur zur Arbeit erziehen". Heftiger Protest am neuen Asylheim kam vom SP-Bürgermeister von Sankt Andrä, Peter Stauber, zu dem die Katastralgemeinde Lamm gehört. Auch SP-Chef Peter Kaiser und der grüne Landtagsabgeordnete Rolf Holub verurteilen die überfallsartige Einrichtung des Asylheims Saualm II vehement.

Nach Kärnten verschickt

Aufregung herrscht aber auch beim "Grassler". Denn die Flüchtlinge wussten nicht, wie ihnen geschah, als sie aus dem Erstaufnahmezentrum Traiskirchen in einen Bus verfrachtet, nach Kärnten verschickt und vor dem Almdorf Grassler abgeladen wurden - einen Kilometer Luftlinie entfernt von der berüchtigten, mittlerweile geschlossenen Sonderanstalt für mutmaßlich kriminelle Asylwerber.

"Warum bin ich hier", fragt S. Der junge Afghane spricht schon ganz gut Deutsch. Er hat die vergangenen sieben Monate in einem Asylheim im Wien verbracht und sich bereits gut integriert. Auf dem Berg könne man nichts tun außer spazieren gehen und die Wände anstarren. Angeblich soll es schon einen Hungerstreik gegeben haben. S. weiß nur von einem Asylwerber, der momentan nichts essen wolle.

Ein Asylwerber, der direkt aus Traiskirchen kam, kramt einen Ärztebrief aus der Tasche. Er leidet an Wasser in der Lunge. Eine Operation wurde ihm angeraten. Der Termin hätte bereits festgestanden. "Was ist jetzt mit mir, hier kein Arzt, keine Operation", fragt er ängstlich. Fast alle Afghanen und Pakistani haben dünne Shirts und Jacken an, tragen Sandalen oder abgewetzte, teilweise löchrige Schuhe. Sie machen sich Sorgen, wie sie damit über den Winter kommen. Immerhin hat es in Lamm um die Mittagszeit nur noch zwei Grad. Bisher hätten sie noch keine Ansprechperson vom Flüchtlingsreferat gesehen und in diesem Monat auch noch kein Taschengeld erhalten, erzählen sie.

Essen mit anderen Gästen

Doch eine "Sonderanstalt" Saualm II ist das Almdorf Grassler nicht. Die Asylwerber sind - wenn auch gedrängt - in den abgewohnten, aber sauberen Almhäusern untergebracht, das dazugehörende Gasthaus wirkt einladend. Der Wirt kocht selbst, die Asylwerber dürfen im Gasthaus essen - gemeinsam mit den anderen Gästen. Das sei gut für die Integration. Er bemühe sich jetzt, rasch einen Shuttledienst einzurichten, Deutschkurse sowie warme Winterkleidung zu organisieren.

Landeshauptmann Gerhard Dörfler (FPK) ärgert sich über die neue Saualm-Diskussion. Er stattete am Sonntag dem neuen Quartier einen Besuch ab. Das Argument der Isolation lässt er nicht gelten. "Ich bemühe mich, ein vernünftiges Quartier zu finden, während Innenministerin Mikl-Leitner von einem Zeltlager redet." Kein Einziger der neuerlichen Saualm-Kritiker habe ihm bis jetzt ein Quartier gebracht, und die Bürgermeister würden nur abwinken. Und jene Sozialapostel, die die Schließung der "Sonderanstalt" für mutmaßlich kriminelle Asylwerber mitbewirkt hätten, sollten nur ja keinen neuen Wirbel inszenieren. (Elisabeth Steiner, DER STANDARD, 19.11.2012)

Kommentar zum Thema:

Hinter den sieben Bergen

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Was immer für die Asylwerber um viel Geld getan wird.

Es wird manchen immer noch zuwenig sein.
Wer sonst bekommt in Österreich alles gratis?

Was bezeichnen sie als viel geld?

Wieviel ist humanität menschen gegenüber, die von zu hause flüchten müssen, denn wert?

Wenn ein Asylwerber im Jahr 40 000 Euro kostet,

weil er noch minderjährig ist und eine spezielle Betreuung braucht, dann ist das viel Geld.

.... ach wie beneidenswert ist doch so ein Leben als minderjähriger Flüchtlig....

Vor allem aber billig.

Um nicht zu sagen gratis.
Was ist heutzutage noch gratis?

Ich denke nicht, daß du bereit wärst, den Preis zu zahlen...

So "billig" ist es nämlich gar nicht ,alles hinter sich zu lassen (bzw. den Schleppern in den Rachen zu werfen) um einer ungewisse Zukunft vor Ort gegen eine hoffentlich bessere ungewisse Zukunft woanders einzutauschen....

Unglaublich billig sind aber jedenfalls deine Polemik und Deine Neidattacken gegen minderjährige Aslywerber....

Wenn man bedenkt,

dass die allermeisten keine Flüchtlinge sind, schaut die Sache schon anders aus. Dann ist das Aneignung fremden Eigentums unter Vorspiegelung falscher Tatsachen...

nein- es sind touristen, die einfach mal die Berge und das Schloß Schönbrunn sehen wollten.... eh klar!

als punk bekommen sie sogar ein eigenes haus inklusive eigener hoofnarren ähhhh soziologen ^^

Soziologen kriegen die keine, da verwechseln sie was. Erwarte aber nicht, dass sie das verstehen...

Wo liegt eigentlich für sie der Unterschied zwischen einem Obdachlosen und einem obdachlosen Punk?

der unterschied zwischen einem obdachlosen und einem punk war für mich dass der obdachlose nicht aufgrund der ablehnung der gesellschaftlichen norm diesen weg gewählt hat. punk war einmal eine lebensart auf den staat zu pfeifen. heute haben wir in österreich einzigartige sozialversorgte punks.

Sollte man Annehmen. Es gibt auch Obdachlose, die für sich diesen Weg gewählt haben, ein Arzt zB. Dieser, da zur selben Zeit krank und im Krankenhaus neben meinem Vater liegend, entschied sich dafür. Die Alternative wäre gewesen - seiner Ex einen Haufen Geld zu bezahlen, nach der Scheidung. In Klagenfurt lernte ich einen Obdachlosen kennen, der mir auch erklärte, ihm gefalle dieses Leben besser.

Sicher, die Mehrheit stellen diese beiden nicht dar. Sondern die, die garnicht wahrgenommen werden, oder mit Einkaufswägen und ihrem wenigen Hab und Gut herum ziehen müssen. Es gibt eben solche, wie auch solche.

naja ausreisser wird man bei einer untersuchung immer finden. wobei ich das eigene leben zu ruinieren nur um seiner exfrau nichts zahlen zu müssen ein bissl verhaltensauffällig.

Nun Superreiche bekommen alles gratis (-;

aber dass Asylwerber nicht arbeiten dürfen, können sie ja nicht den Asylwerbern anlasten!

Entschuldigung.

Habe mit meiner Replik nicht farenheit 451 gemeint, sondern Herrn und Frau Österreicher.

kein problem :)

@farenheit "Nun Superreiche bekommen alles gratis."

Woher haben Sie den Unsinn?
Haben Sie noch weitere solcher Sinnsprüche.
Dann, bitte, behalten Sie sie für sich...

Hast du zufälligerweise schon mal gesehen wie- nur so als Beispiel- bei einem Empfang der Industriellenvereinigung die Herren und Damen Industriegranden über das Buffet herfallen, als hätten sie wochenlang gehungert?

Wenn das nicht so unglaublich komisch wäre, müßte man sich direkt schämen.

Jetzt gehen Ihnen die Argumente wohl aus.

Wenn ich den halben Tag nichts gegessen habe, dann nehme ich bei solchen Anlässen auch gern mehrere Brötchen. Das gebe ich gern zu. Meistens aber bin ich froh, dass ich keines nehmen muss und hoffe, dass es niemand als Unhöflichkeit auffasst.

ich meinte nicht, WAS gegessen wird, sonder WIE sich die "Damen und Herren" bei der "heissen Schlacht am kalten Buffet" aufführen....

Alles, was Recht ist,

aber die Almhütten sind o.k. und der Chef kann kochen, von dieser Seite her stimmt das Quartier sicher! Wieso sollte man als Kärnten-kritischer Mensch nicht mal das Beste annehmen? Ich tu's auf jeden Fall und hoffe, dass sie Deutsch-Kurse auch zustande kommen und die Asylwerber gastfreundliche Kärntner treffen ...

ich mache gerne urlaub, wenn ich gerne urlaub mache. nicht, wenn ich gerade dabei bin, mir ein neues, besseres leben aufzubauen.

Richtig! Es geht aber um die österreicgweite Praxis der "verschickung" (ohne Ankündigung) in irgendwelche abgelegenen Orte! hat mit Kärnten speziell nicht unbedingt was zu tun...

Wenn die Vorlaufzeit zu lange ist, wird sich fast überall

eine Verhinderungsfront bilden.

Bei den Anrainern, die aus verständlichen Gründen kein Asylheim in ihrer Nähe haben wollen und bei den Asylwerbern, die am liebsten in einer Großstadt leben wollen. Letztere natürlich unterstützt von einen Haufen NGOs und Sozialutopisten, denen Kosten und Aufwand für die Unterbringung wurscht sind.
Dazu Parteien und Medien, denen es eine riesen Freude bereitet, auf dieser Orgel zu spielen.

Es werden dann immer mehr Ressourcen für den Streit um das wo und wie der Unterbringung notwendig sein. Mitteln die dann für den eigentlichen Zweck, die Unterbringung der Asylwerber, fehlen.

Wer (seriöse u. praktikable) Vorschläge für die Lösung dieses Problems hat, braucht diese nur zu veröffentlichen

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