Airlines zwischen krank und todkrank

  • Mit den Flugbegleitern hat sich die Lufthansa zwar geeinigt, die 
Belastungen bleiben.
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    Mit den Flugbegleitern hat sich die Lufthansa zwar geeinigt, die Belastungen bleiben.

Bei SAS gibt es Notpläne für eine Einstellung des Flugbetriebs. Lufthansa wirft der Politik vor, Airlines als Goldesel zu missbrauchen

Wien - Bei Air Berlin wackeln 900 Jobs, bei der konkursgefährdeten skandinavischen SAS kurzfristig 800. Zudem müssen die SAS-Mitarbeiter auf 15 Prozehnt ihres Gehalts verzichten, länger arbeiten und geringere Pensionsansprüche akzeptieren. Andernfalls droht die Pleite, machte die Airline deutlich. SAS-Mitarbeiter im Auslandseinsatz wurden aufgefordert, sich auf eine mögliche Einstellung des Flugverkehrs am Montag einzustellen.

 

Lufthansa-Chef Christoph Franz sagte in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung: "Wir haben inzwischen keine deutsche Passagierfluggesellschaft mehr, die Gewinn erwirtschaftet. Es geht nur noch um die Frage, ob sie nur krank oder todkrank sind." Der Grund: Es gebe zu viele Flugzeuge und eine dramatische Steigerung der Treibstoffkosten. Franz: "Wir müssen heuer über eine Milliarde Euro mehr für Treibstoff ausgeben als 2011. Wir können die Kosten aber nicht weitergeben, weil die konjunkturelle Lage schwieriger geworden ist und der Wettbewerb so scharf ist."

Missbrauch der Airlines

 

Der Politik wirft Franz vor, die Airlines zu missbrauchen: "Wir werden nicht mehr als Wachstumsmotor für die Volkswirtschaft gesehen, sondern als Goldesel zur Abgabe von Steuern, als Emittent von Treibhausgasen und als Lärmquelle." Deutschland habe ohne Absprache, so wie auch Österreich, eine Luftverkehrssteuer erlassen, die heimische Airlines im Wettbewerb massiv behindere. Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn nannte die Steuer jüngst "Unzucht mit Abhängigen".

 

Die Airline müsse Geld verdienen, um die Investitionen zu stemmen, meint Franz. So seien 160 neue Maschinen bestellt, das entspreche einem Listenwert von rund 17 Mrd. Euro. Im Moment profitiere Lufthansa davon, die meisten ihrer Flugzeuge zu besitzen. "Wir stellen Maschinen, die wir nicht auslasten können, auf den Hof. Oder wir verkaufen sie früher als geplant. Wer auf Leasing gesetzt hat, kann die Maschinen nicht einfach stilllegen, weil die monatliche Leasingrate trotzdem anfällt. Er fliegt weiter, um wenigstens Cash zu generieren", so Franz. Das sei mit ein Grund für die notorische Überkapazität, unter der die Branche leide.

 

Streit um Flugmeilen

 

Mit den Flugbegleitern hat sich die Airline jüngst über einen neuen Tarifvertrag geeinigt. Strittig ist nach wie vor das Gerichtsverfahren in Köln wegen der nicht ausreichend kommunizierten Entwertung von Flugmeilen. Morgen, Dienstag, findet die Berufungsverhandlung in Köln statt, nachdem das Gericht in erster Instanz dem Kläger Tobias Eggendorfer recht gegeben hat. Mittlerweile sind zusätzliche Verfahren von weiteren Passagieren anhängig.

 

Nach dem Ersturteil ist eine interne E-Mail aufgetaucht, aus der sich " zweifelsfrei ergeben hat, dass Lufthansa vorsätzlich die Kunden nicht über die Änderung informiert hat, sondern sie ganz bewusst schädigen wollte", sagte Eggendorfer. Franz bestritt, auch als die E-Mail schon bekannt war, die Vorwürfe und behauptete, stets rechtzeitig und umfassend informiert zu haben. (Claudia Ruff, DER STANDARD, 19.11.2012)

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