Airlines zwischen krank und todkrank

Claudia Ruff
18. November 2012, 17:30
  • Mit den Flugbegleitern hat sich die Lufthansa zwar geeinigt, die 
Belastungen bleiben.
    foto: apa

    Mit den Flugbegleitern hat sich die Lufthansa zwar geeinigt, die Belastungen bleiben.

Bei SAS gibt es Notpläne für eine Einstellung des Flugbetriebs. Lufthansa wirft der Politik vor, Airlines als Goldesel zu missbrauchen

Wien - Bei Air Berlin wackeln 900 Jobs, bei der konkursgefährdeten skandinavischen SAS kurzfristig 800. Zudem müssen die SAS-Mitarbeiter auf 15 Prozehnt ihres Gehalts verzichten, länger arbeiten und geringere Pensionsansprüche akzeptieren. Andernfalls droht die Pleite, machte die Airline deutlich. SAS-Mitarbeiter im Auslandseinsatz wurden aufgefordert, sich auf eine mögliche Einstellung des Flugverkehrs am Montag einzustellen.

 

Lufthansa-Chef Christoph Franz sagte in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung: "Wir haben inzwischen keine deutsche Passagierfluggesellschaft mehr, die Gewinn erwirtschaftet. Es geht nur noch um die Frage, ob sie nur krank oder todkrank sind." Der Grund: Es gebe zu viele Flugzeuge und eine dramatische Steigerung der Treibstoffkosten. Franz: "Wir müssen heuer über eine Milliarde Euro mehr für Treibstoff ausgeben als 2011. Wir können die Kosten aber nicht weitergeben, weil die konjunkturelle Lage schwieriger geworden ist und der Wettbewerb so scharf ist."

Missbrauch der Airlines

 

Der Politik wirft Franz vor, die Airlines zu missbrauchen: "Wir werden nicht mehr als Wachstumsmotor für die Volkswirtschaft gesehen, sondern als Goldesel zur Abgabe von Steuern, als Emittent von Treibhausgasen und als Lärmquelle." Deutschland habe ohne Absprache, so wie auch Österreich, eine Luftverkehrssteuer erlassen, die heimische Airlines im Wettbewerb massiv behindere. Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn nannte die Steuer jüngst "Unzucht mit Abhängigen".

 

Die Airline müsse Geld verdienen, um die Investitionen zu stemmen, meint Franz. So seien 160 neue Maschinen bestellt, das entspreche einem Listenwert von rund 17 Mrd. Euro. Im Moment profitiere Lufthansa davon, die meisten ihrer Flugzeuge zu besitzen. "Wir stellen Maschinen, die wir nicht auslasten können, auf den Hof. Oder wir verkaufen sie früher als geplant. Wer auf Leasing gesetzt hat, kann die Maschinen nicht einfach stilllegen, weil die monatliche Leasingrate trotzdem anfällt. Er fliegt weiter, um wenigstens Cash zu generieren", so Franz. Das sei mit ein Grund für die notorische Überkapazität, unter der die Branche leide.

 

Streit um Flugmeilen

 

Mit den Flugbegleitern hat sich die Airline jüngst über einen neuen Tarifvertrag geeinigt. Strittig ist nach wie vor das Gerichtsverfahren in Köln wegen der nicht ausreichend kommunizierten Entwertung von Flugmeilen. Morgen, Dienstag, findet die Berufungsverhandlung in Köln statt, nachdem das Gericht in erster Instanz dem Kläger Tobias Eggendorfer recht gegeben hat. Mittlerweile sind zusätzliche Verfahren von weiteren Passagieren anhängig.

 

Nach dem Ersturteil ist eine interne E-Mail aufgetaucht, aus der sich " zweifelsfrei ergeben hat, dass Lufthansa vorsätzlich die Kunden nicht über die Änderung informiert hat, sondern sie ganz bewusst schädigen wollte", sagte Eggendorfer. Franz bestritt, auch als die E-Mail schon bekannt war, die Vorwürfe und behauptete, stets rechtzeitig und umfassend informiert zu haben. (Claudia Ruff, DER STANDARD, 19.11.2012)

Share if you care
Posting 1 bis 25 von 88
1 2 3
Kapitalfehlallokation?

Sich von zu billigen Krediten und linear fortgeschriebenen Wachstum blenden lassen?

Weil man hier immer wieder von zu billigen Tickets liest!

Das haben sich die Kunden selbst zuzuschreiben. Würde Service erwünscht sein, gäbe es keine Billigflieger. Aber damit muss man eben leben.
Des weiteren haben viele Airlines das Businesswachstum überschätzt. Deshalb muss man nun billiger werden um die Flugzeuge zu füllen.

vielelicht sollte nur mehr dort geflogen werden, wo die schiene keine alternative ist. Allein im innerdeutschen verkehr könnte man jede menge fllüge einsparen (zb hamburg-frankfurt, berlin-frankfurt etc...). Natürlich sind die strecken salzburg/linz wien durch den bahnausbau einzustellen oder mit höhren abgaben zu belegen!

Innerdeutsche Flüge sind wichtig für Zubringerflüge!

hoeher abgaben?? es macht schoen heute kaum fuer die flugliene gar nicht fuer den konsumenten wirtschaftlich sinn kurze strecken zu fliegen - fuer anschlussfluege allerdings fuer beide absolut notwendig.

Bei Emirates

ist alles besser. Die haben ihr eigenes Erdöl, und billigstes Personal

Emirates ist weltweit in der Branche dafür bekannt, überdurchschnittlich zu bezahlen.
Da werden selbst die AUA-Kapitäne mit Alt-Verträgen blass vor Neid.

Können ja auch jeden jederzeit wieder raushauen und müssen keine Lohnnebenkosten abführen.
Da kann man schon attraktive Nettogehälter anbieten!

Emirates tankt Kerosin zum Marktpreis!

Na klar. Hat Ihnen Ihre Großmutter erzählt?

Ich zähle mal die Fakten auf!

1.Dubai hat fast kein Öl
2.Dubai importiert Kerosin zu Weltmarktpreisen
3.Emirates bezieht sein Kerosin zum großen Teil direkt von den Firmen( BP, ect.)

Ich kann Ihnen versichern, dass Emirates ungefähr das selbe für Kerosin zahlt wie z.B. Singapore Airlines.
Glauben Sie mir!

Das mit dem billigen Personal merkt man aber auch ziemlich deutlich.

Ein Paradebeispiel wo Werbung und Realität meilenweit auseinander liegen.

Meinungen sind verschieden.

Ich finde das Produkt von Emirates ganz gut

lächerlich

keine mwst, keine kerosinsteuer, und wegen der lächerlichen paar euro jammern.
keine/weniger neue maschinen bestellen, weniger flüge anbieten und die zu realistischen preisen. die anwohner und die umwelt danken es.

Alte Maschinen und Umwelt

Irgendwo ein Widerspruch oder?

Entweder weltweit für alle Airlines die selbe Steuer, oder gar keine, im Moment ist das eine Begünstigung und Wettbewerbsverzerrung.

Wir werden nicht mehr als Wachstumsmotor für die Volkswirtschaft gesehen, sondern als Goldesel zur Abgabe von Steuern, als Emittent von Treibhausgasen und als Lärmquelle

LOL, DAS SIND SIE AUCH.

offensichtlich ist das jetzige modell nicht lebensfähig, die schuld ausschliesslich der politik zuzuscheben, ist billig. billigstflüge sind ja kein menschenrecht.

abgesehen davon, die sas ist der gleiche privilegienstadl wie es die aua war/ist - da muss man sich echt nicht wundern.

Das Problem ist nur, daß die Fluglinien den gesamten Tourismus mitreißen werden - bin trotzdem gegen ein Fluglinienpacket!

Im Ernst, das ganze Theater geht doch schon seit Jahren. Auch wieder so was, was uns erst nach viel künstlicher Behübschung um die Ohren fliegt. Ob unsere ganze Wirtschaft auf Lug und Trug aufgebaut ist? Und was machen die lieben Leute, die das Geld so schön auf Kosten anderer gehortet haben, wenn's nix mehr wert ist? nur so eine Frage.

warum sollte es den tourismus mitreissen?

die adria ist auch nett, und da kommt man mit auto, bus oder zug einigermaßen einfach hin. muss ja nicht türkei, ägypten oder südsee sein.

Incoming

Und wer kommt dann nach Österreich und Wien? Daran mal gedacht? Städtetourismus in Wien ohne Fluganbindung ist nicht machbar!

Alle von

Mitte Juni bis Ende August an die Adria, weil ansonstens ist es dort eh zu kalt. Soviel Platz ist dort auch wieder nicht.

also wie ist das jetzt?

weil die konkurrenz so groß ist, steigen die preise nicht und alle schreiben verluste. wenn die konkurrenz kleiner wäre... kann man die preise nicht anheben, weil sonst keiner mehr fliegt...(halt nicht in einem umfang, der eine luftfahrtindustrie rechtfertigen würde)...

Fliegen sollte - so wie Autofahren und Fleisch essen - endlich gänzlich verboten werden. Alles ökologischer Wahnsinn, den ich keinesfalls mehr mit meinem Steuergeld unterstützen möchte.

genau! Anders zu denken als styx12 sollte ebenfalls verboten werden, bei Todesstrafe.

Nimm ein paar Globuli und beruhig dich wieder.

Posting 1 bis 25 von 88
1 2 3

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.